Pretty Flamingos: Wie ein Reisebüro-Stammtisch zum starken Netzwerk wurde

Eine Gruppe von sieben Personen sitzt an einem gedeckten Tisch in einem Restaurant und lächelt in die Kamera. Auf dem Tisch stehen Gläser und Geschirr.
Die Flamingos (von links unten nach oben): Maja Klinke, Sabine Schemberg, Bernd Krause und ­Jiota Provatidou, 
und (von rechts unten nach oben): Doro Thiel, ­Michael Draeger und Tanja Wöhrle. Foto: Pretty Flamingos


Aus Begegnungen auf den Corona-Demos entstand ein Stammtisch, der heute mehr ist als ein Netzwerk: Die „Pretty Flamingos“ geben Reiseprofis Halt im Alltag.

Was mit zufälligen Begegnungen auf den Branchen-Demos während der Pandemie in Berlin begann, ist heute ein fester Anker im Arbeitsalltag von sechs Reiseprofis aus Nordrhein-Westfalen. Ihr Stammtisch „Pretty Flamingos“ ist längst mehr als ein beruflicher Austausch – er ist Freundeskreis, Hilfenetzwerk und emotionaler Rückhalt.

Persönliche Treffen alle zwei bis drei Monate

Morgens um 9 Uhr klingelt das Handy. Die Pretty Flamingos sind dran und wie so oft bestens gelaunt. Während Michael Draeger (Reisebüro Stoffregen, Dortmund), Sabine Schemberg (Reisewelt Inka, Oberhausen), Maja Klinke (Klinke Reisen, Hagen) und Tanja Wöhrle (Reiseprofi, Herne) bereits im Büro sind, sind Jiota Provatidou und Dorothea Thiel vom Reisebüro Venne in Gevelsberg noch unterwegs. Bernd Krause fehlt – er habe sich entschuldigt, sagt Maja Klinke. Und schon wird wieder gelacht.

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Ein blauer Hintergrund mit weißem Text, der einen Zeitraum vom 7. bis 18. September, Angebote für Kinder und Stornierungen sowie einen Button enthält.

Dass sie sich erst vor wenigen Jahren kennengelernt haben, wirkt heute kaum vorstellbar. Der gemeinsame Alltag in der Corona-Zeit habe sie eng zusammengeschweißt, erzählen sie. „Und der Vibe war sofort da.“ So wurde aus losen Kontakten ein regelmäßiger Austausch – und schließlich eine enge Freundschaft. „In dieser Branche mit viel Konkurrenzdenken ist das extrem wichtig“, sagt Maja Klinke. Die Hoffnung auf mehr Zusammenhalt durch die Pandemie habe sich nur kurz erfüllt. „Das war eher ein kurzer Effekt“, ergänzt Sabine Schemberg.

Austausch täglich per Whatsapp

Das erste Treffen nach den Demos fand im Garten von Doro Thiel statt. Der Name „Pretty Flamingos“ wurde wegen eines Kollegen gewählt, der auf den Demos mit einem aufblasbaren ­Flamingo unterwegs war.

Heute trifft sich die Gruppe alle zwei bis drei Monate – auf Events oder bewusst privat organisiert. „Wenn wir uns bei Veranstalterevents anmelden, kennt man uns bereits und wir sind ­direkt alle dabei“, sagt ­Michael Draeger.

Wir sind ein Team – das steht für: toll, endlich alle miteinander!

Michael Draeger, Leiter des Reisebüros Stoffregen in Dortmund

Zwischen den Treffen läuft der Austausch fast täglich – vor allem über Whatsapp. Es vergeht kaum ein Tag ohne Nachrichten über merkwürdige Kunden, Technik oder kleine kuriose ­Alltagsgeschichten. „Erst gestern wollte ein Kunde ein One-Way-Ticket in die Türkei – er wollte einfach abhauen. Seine Frau wusste nichts ­davon“, erzählt Draeger und lacht. Am Ende blieb es beim Gespräch.

Auch bei Problemen hilft die Gruppe sofort. „Ich war im Urlaub ohne Internet und brauchte ein Flusskreuzfahrt-Angebot – das hat Maja übernommen“, sagt Tanja Wöhrle. Diese Verlässlichkeit sei besonders. „Andere Gruppen reagieren oft unschön auf Fragen – hier nie“, ergänzt Jiota Provatidou. „Und man kann auch einfach mal Dampf ablassen.“

Zusammenhalt über den Job hinaus

Der Zusammenhalt geht weit über den Job ­hinaus. „Wir unterstützen uns auch privat, besuchen uns im Krankenhaus oder springen ein, wenn es nötig ist“, sagt Doro Thiel. Alle sechs sind seit vielen Jahren in der Branche, haben Krisen erlebt und Veränderungen begleitet. Seit der Pandemie habe sich der Druck verstärkt. Vor allem die kurzfristige Nachfrage prägt aktuell den Alltag. „Eine Woche denkst du: wow, am nächsten Tag ist tote Hose, sagen Tanja Wöhrle und Sabine Schemberg. Hinzu kommen steigende Preise und veränderte Budgets. „Familien geraten stark unter Druck. 6.000 bis 7.000 Euro für Urlaub sind schnell erreicht – oft für kürzere Reisen“, sagt Michael Draeger.

Auch die Angebotsstruktur hat sich verändert: weniger Kontingente, mehr kurzfristige Verfügbarkeiten und Erklärungsbedarf. „Viele denken, kurzfristig sei günstiger – das stimmt oft nicht“, sagt Jiota Provatidou. Trotz allem bleibt der Blick optimistisch. „Jetzt kommt wieder mehr Bewegung rein“, sagt Tanja Wöhrle.

Und wenn es schwierig wird, hilft der Rückhalt der Gruppe. „Wir sind ein Team – das steht für: toll, endlich alle miteinander“, sagt Draeger. Und genau das ist vielleicht das Geheimnis der „Pretty Flamingos“: ein Stammtisch, der längst mehr ist als ein Treffen – sondern ein Stück Stabilität in einer Branche im Wandel.

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