QTA-Reisesommer: Verbände diskutieren über Preise, KI und knappe Ressourcen

Steigende Preise, knappe personelle Ressourcen und der digitale Wandel stellen Reisebüros vor neue Herausforderungen. Beim QTA-Reisesommer in Mainz diskutierten fünf Verbandsvertreter, wo die Branche ansetzen muss – und wie sie ihre Interessen künftig wirkungsvoller vertreten kann.

Sechs Personen sitzen in einer Reihe auf Sesseln auf einer Bühne vor einem Bildschirm mit der Aufschrift Reisesommer 2026 und diskutieren miteinander.
„Verbände als Zukunftsgestalter“ war das Motto einer Diskussionsrunde unter der Moderation von Katja Leysing (links). Auf dem Podiums saßen (von links): Michael Buller (VIR), Albin Loidl (DRV), Anke Budde (ASR), Sven Liebert (BTW) und Thomas Bösl (QTA). Foto: jt

Wie bleibt der stationäre Reisevertrieb zukunftsfähig, wenn die Kosten steigen, Kunden preissensibler werden und künstliche Intelligenz die Reiseplanung verändert? Beim QTA-Reisesommer am vergangenen Samstag in Mainz diskutierten DRV-Präsident Albin Loidl, VIR-Vorstand Michael Buller, ASR-Präsidentin Anke Budde, BTW-Generalsekretär Sven Liebert sowie RTK-Chef und QTA-Sprecher Thomas Bösl über diese Fragen. Moderatorin Katja Leysing führte durch eine Runde, die unterschiedliche Perspektiven offenbarte, aber auch gemeinsame Interessen deutlich machte.

Zwischen Kundenwunsch und Preisgrenze

Für den Vertrieb wird es zunehmend schwieriger, Urlaubswünsche und finanzielle Möglichkeiten zusammenzubringen, beobachtet DRV-Präsident Albin Loidl. Selbst Menschen mit ausreichendem Einkommen würden ihre Reiseausgaben angesichts der hohen Preise inzwischen stärker hinterfragen. Urlaub werde damit zunehmend auch zu einer sozialen Frage. Albin Loidl sieht insbesondere bei den Energiekosten Handlungsbedarf und formuliert eine klare Forderung: „Die Preise müssen sinken.“

Wie unmittelbar sich diese Entwicklung auswirkt, erlebt Thomas Bösl im Reisebüro-Geschäft. Dort zeige sich früh, wann Kunden ihre finanziellen Grenzen erreichen. Für den QTA-Sprecher ist die Branche an einem kritischen Punkt angekommen. Veranstalter und Vertrieb müssten deshalb stärker darauf achten, Produkte anzubieten, die zu den tatsächlichen Budgets der Reisenden passen.

Wettbewerbsfähigkeit durch bessere Rahmenbedingungen sichern

Neben den Preisen bereiten auch die Rahmenbedingungen Sorgen. Sven Liebert vom BTW verwies auf die im europäischen Vergleich schwächere Flugkonnektivität Deutschlands. Fehlende Verbindungen beeinträchtigten nicht nur die Erreichbarkeit von Destinationen, sondern auch den Wettbewerb. Seine Warnung: „Europa fliegt an Deutschland vorbei.“ Zugleich müsse die Politik den Stellenwert des Tourismus stärker berücksichtigen. Rund 2,7 Millionen Beschäftigte und 250.000 Betriebe verdeutlichten dessen wirtschaftliche Bedeutung.

Digitalisierung darf keine Zusatzbelastung werden

Während die wirtschaftlichen Herausforderungen unmittelbar auf den Geschäftsalltag wirken, verändert die Digitalisierung langfristig die Arbeitsweise des Reisevertriebs. Michael Buller sieht insbesondere in Künstlicher Intelligenz erhebliche Chancen. Anwendungen könnten administrative Tätigkeiten erleichtern, Websites erstellen und bei der Entwicklung individueller Reiseangebote unterstützen. Entscheidend sei, die Möglichkeiten nicht nur zu beobachten, sondern selbst zu erproben. „Was wir brauchen, ist Mut“, lautet sein Appell.

Allerdings reiche es nicht, neue Werkzeuge einzusetzen. Reisebüros müssten auch dort präsent sein, wo Kunden künftig nach Informationen und Reiseempfehlungen suchen. Buller bringt es auf den Punkt: „Wenn du nicht sichtbar bist, wirst du kein Teil der Antworten sein.“ Die digitale Auffindbarkeit werde damit zu einer wichtigen Voraussetzung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit.

Unterstützung für kleinere Reisebüros notwendig

ASR-Präsidentin Anke Budde lenkte den Blick auf eine praktische Hürde: Gerade kleinere Reisebüros haben häufig kaum freie Kapazitäten für zusätzliche Aufgaben. Kundenberatung, Buchhaltung, Marketing und Verwaltung beanspruchen bereits einen großen Teil des Arbeitstags. Technologische Neuerungen seien deshalb nur dann hilfreich, wenn sie tatsächlich entlasteten.

Auch Loidl sieht die persönliche Beratung vor einem Wandel. Wenn Kunden künftig mit detaillierten, KI-generierten Reiseplänen ins Büro kämen, müsse der Mehrwert der Reiseprofis umso deutlicher werden – durch Erfahrung, Einordnung und individuell passende Empfehlungen.

Mehr Gewicht für die gemeinsame Stimme

Nicht nur die Reisebüros selbst, auch ihre Verbände stehen vor der Aufgabe, sich weiterzuentwickeln. Politische Erfolge seien häufig schwer zu vermitteln, weil sie darin bestünden, ungünstige Regelungen bereits im Entstehungsprozess zu verhindern. Für die Mitglieder bleibe dadurch oft unsichtbar, was ihre Interessenvertretung erreicht habe.

Michael Buller erinnerte daran, dass politische Prozesse Kompromisse erforderten: „Wir werden sehr wohl wahrgenommen. Aber es ist kein Wunschkonzert, bei dem alles so läuft, wie wir das wollen.“ Gleichzeitig müsse es den Organisationen gelingen, ihre Arbeit nachvollziehbarer zu kommunizieren.

Thomas Bösl sprach sich dafür aus, die Vielfalt der Verbände zu erhalten und zugleich den Dachverband BTW zu stärken. „Die Vielfalt der Verbände ist wichtig“, betonte der QTA-Sprecher. Gerade auf europäischer Ebene aber brauche die Branche ausreichende Ressourcen und eine dauerhafte Präsenz. „Viele Themen werden nicht in Berlin entschieden, sondern in Brüssel“, sagte Bösl. Dort müsse der Reisevertrieb seine Interessen mit einer starken gemeinsamen Stimme vertreten.

Rund 1.500 Reiseverkäufer und 160 Aussteller waren am vergangenen Samstag beim QTA-Reisesommer dabei. Eindrücke von diesem Event finden Sie in unserer Bildergalerie. Dort finden Sie auch Fotos vom RTG-Summit, der im Vorfeld des Reisesommers stattfand.

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