Als Dominik Soldner, Leiter des Reisebüros Hartmann im bayrischen Eschenau, im vergangenen Jahr entschied, Überraschungsreisen anzubieten, stieß er zunächst auf Gegenwind. Vor allem sein Vater Bernd, der die zweite Filiale des Familienunternehmens in Heroldsberg leitet, hatte Bedenken. Doch der 26-Jährige ließ sich nicht beirren. „Wir klassischen Reisebüros müssen neue Wege gehen und etwas wagen, um uns gegen die Konkurrenz durchzusetzen, neue Zielgruppen zu erreichen und Kunden zu gewinnen.“
Das Konzept ist schnell erklärt: Der Reiseexperte lädt zu einer umfassenden Beratung – persönlich oder auch digital – ein. Er fragt nach Ländern, in die die Kunden auf keinen Fall reisen möchten oder in denen sie bereits waren. Er lässt sich die gewünschte Urlaubsstimmung und die Atmosphäre beschreiben. „Ich lasse mir genauestens bis ins Detail erklären, was die Kunden erleben wollen.“ Das Gespräch unterscheidet sich laut Dominik Soldner kaum von einer normalen Bedarfsanalyse. Nur dauert es länger und geht tiefer ins Detail. „Wenn die Kunden mich noch nicht kennen, muss zunächst Vertrauen aufgebaut werden. Ohne Vertrauen funktioniert das ganze Konzept nicht. Daher ist die Analyse schon ziemlich zeitaufwendig.“
Kunden müssen sich um nichts kümmern
Die Idee kam Dominik Soldner abends, als er „bei einem Bierchen“ mit seinem Freund Antonio über Urlaub redete. „Er habe keine Lust und keine Zeit, sich um etwas zu kümmern, sagte Antonio. Er nannte mir einen Betrag und sagte einfach nur: ,Mach‘. Und ich machte.“
Soldner arbeitete eine klassische Reise nach Gran Canaria aus. „Ein großes Budget stand mir nicht zur Verfügung. Und dennoch waren Antonio und seine Partnerin begeistert. Sie fanden es vor allem toll, dass sie sich um absolut nichts kümmern mussten.“
Mehr als 30 Überraschungsreisen hat der Reiseprofi seit vergangenem September verkauft. Beworben hat er das Konzept bislang ausschließlich über seine privaten Social-Media-Kanäle. „Ich wollte zunächst austesten, wie das ankommt, bevor ich die Verbindung zu unseren beiden Reisebüros herstelle. Aber natürlich wissen die, die eine Überraschungsreise buchen, wer ich bin und dass ich wirklich von Reisen und der Branche Ahnung habe.“

Viel positives Feedback
Viele der Kunden sind über Mund-zu-Mund-Propaganda auf Dominik Soldner und sein besonderes Angebot aufmerksam geworden. Und tatsächlich geht sein Konzept auf. „Ich habe Leute auf Überraschungsreise geschickt, die noch nie in einem Reisebüro oder überhaupt eine Pauschalreise gebucht haben.“ Zudem hat er nicht nur für jüngere Abenteuerlustige Überraschungsreisen ausgearbeitet, sondern auch für Menschen, die beruflich stark eingespannt sind und keine Zeit haben, ihren Urlaub zu planen.
Das Feedback ist laut Dominik Soldner bislang ausschließlich positiv. „Die Kunden freuen sich vor allem auch darüber, dass sie Destinationen entdecken, die sie bislang so noch nicht auf dem Schirm hatten.“ Ausgearbeitet hat der Experte bereits Reisen nach Kenia, auf die Kanaren, nach Thailand und Vietnam. „Aber natürlich ging es auch in die Türkei und nach Ägypten. Und auch Kreuzfahrten habe ich schon als Überraschungsreise geplant.“
Bislang ist Dominik Soldner der einzige aus seiner Familie, der sich um das neue Konzept kümmert. Ob sein Vater Bernd, seine Mutter Nicole, seine Tante Tanja und sein Bruder Colin ihn einmal unterstützen werden, lässt er offen. Allerdings will er das Segment weiter ausbauen und bald auch über sein Reisebüro bewerben. „Da ist so viel Potenzial drin. Solche Überraschungsreisen könnten zum Beispiel auch als Incentive gut funktionieren.“
Um sich gegen frustrierte Kunden, denen die ausgearbeitete Reise nicht gefallen hat, abzusichern, hat Dominik Soldner ein Schreiben aufgesetzt, das ihn vor Ansprüchen schützt. „Für den Fall der Fälle, der bislang aber noch nicht eingetreten ist.“


