Seit etwa anderthalb Jahren kümmert sich bei der Reisebüro-Kette RSO Service Insel ein eigenes Team um den touristischen Nachwuchs – um Auszubildende, duale Studenten und Quereinsteiger. Im Fokus steht die Förderung der jungen Talente. Angeboten werden Lernmodule, Webinare, Projekte, die Teilnahme an der Jahrestagung sowie Besuche bei Leistungsträgern und Messen.
Verantwortlich zeichnet unter anderem Artur Klimek aus einem Filialbüro in Berlin. Der Reiseexperte ist als dualer Student zum Unternehmen gekommen und geblieben. Ihm sei es ein großes Anliegen, die jungen Fachkräfte stärker miteinander zu vernetzen, sagt er bei einem Treffen mit touristik aktuell auf der ITB in Berlin. Ein Austausch untereinander sei wichtig, schließlich beschäftigten die Nachwuchskräfte dieselben Themen.

Insgesamt zehn Nachwuchskräfte sind in den mehr als 30 Reisebüros der Kette bundesweit beschäftigt. Fünf von ihnen waren bis Mittwoch auf der größten Tourismusmesse der Welt unterwegs. Es sei schön, hier zu sein, sagt Chirin Hamdaoui aus Bochum. Die Stimmung sei toll, man treffe viele Menschen.
Netzwerken und sich fortbilden
Das unterstreicht auch Corinne Cichacki aus Hamburg. Sie will die ITB nutzen, um Kontakte zu Leistungsträgern in Tunesien zu knüpfen. „Ich will meine Bachelor-Arbeit darüber schreiben, wie sich Tunesien von den Anschlägen erholt hat und wie sich der Tourismus entwickelt“, sagt sie.
Nicht nur die duale Studentin hatte Termine vereinbart. Auf dem Programm standen unter anderem Treffen mit der Hanse Merkur, LMX und Alltours. Und die eine oder andere Zufallsbegegnung. „Ich schaue nach Veranstaltern, die ich noch nicht kenne, die sich auf bestimmte Destinationen spezialisiert haben. Das ist für mich ganz interessant“, sagt Jonas Schmidt aus Leipzig, der seit fünf Monaten im Reisebüro arbeitet. Zuvor war er für TUI als Reiseleiter unterwegs, wollte jedoch zurück nach Deutschland, erklärt er.
Die Arbeit im Reisebüro gefalle ihm, sagt Jonas Schmidt und erhält volle Zustimmung von seiner Kollegin Veronika Kalamees. Sie hat ihre Ausbildung gerade beendet. „Ich liebe es, im Reisebüro zu arbeiten. Ich mag den Kundenkontakt, die große Vielfalt und Abwechslung“, schwärmt sie. „Ich will nichts anderes machen.“
Aufwertung der Ausbildung
Begleitet wurden die fünf, die einen weißen Hoodie mit der Aufschrift „Strandtherapeut“ trugen und so für Aufmerksamkeit sorgten, vom Chef und Inhaber der Reisebüro-Kette Carsten Seelmeyer. Er ist stolz auf die engagierten Nachwuchskräfte und findet gerade Termine wie den Besuch der ITB wichtig. Bei diesen erhielten die Young Talents wertvolle Einblicke in die Branche und bekämen die Gelegenheit, sich zu vernetzen. Darüber hinaus würden durch das RSO-eigene „Young-Talents-Programm“ der Beruf und die Ausbildung aufgewertet.
Nach wie vor hat die Branche das Problem, Nachwuchskräfte zu finden. „Aber es ist etwas leichter geworden“, sagt Seelmeyer. Dennoch müsse sich an den Rahmenbedingungen der Ausbildung einiges ändern, sagt er. Seelmeyer kritisiert, dass nach wie vor Berufsschulen Klassenzüge schließen. Auszubildende müssten lange Anfahrtswege in Kauf nehmen, das müsse sich ändern.


