
Der Iran-Krieg, hohe Preise und Cashbacks der Online-Portale verhageln den Reisebüros 2026 das Geschäft. Auch Last Minute brachte keinen deutlichen Schub.
Das Touristikjahr 2025/2026 wird aus Reisebüro-Sicht ein insgesamt enttäuschendes werden. Diese Erkenntnis ist nicht neu, zeigt sich jetzt aber einmal mehr an den aktuellen Zahlen des Backoffice-Anbieters Tats. Demnach lag auch der Juli im Vergleich zum Vorjahr dick im Minus.
Laut Tats rutschte der Auftragseingang der touristischen Buchungen im Juli mit minus 8,2 Prozent unter die Werte aus dem Juli 2025. Selbst die Kreuzfahrten schwächelten: Sie mussten einen Auftragsminus von 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinnehmen.
Enttäuschender Last-Minute-Umsatz
Die Zahlen bestätigen die Einschätzungen von Reisebüros, nach denen das Last-Minute-Geschäft vielerorts schwach ausfiel oder gar nicht stattfand. Zwar habe die Nachfrage zu den Ferienzeiten angezogen, aber vom „klassischen Last-Minute-Geschäft, wie wir es aus früheren Jahren kennen, sind wir noch weit entfernt“, berichtet unter anderem Sarina Färber, Prokuristin der auf Last-Minute-Reisen spezialisierten Reisebüro-Kette My Travel Company.
Doch nicht nur die fehlenden Kurzfristumsätze machen den Reisebüros zu schaffen, sondern auch die gebremste Reiselust durch den Iran-Krieg sowie die Cashback-Flut der Online-Portale. So rechnet Armin Becker, Inhaber des Reisezentrums Becker in Dreieich, damit, das laufende Touristikjahr mit einem satten Minus von rund sieben Prozent abzuschließen.
„Schlechtestes Geschäftsjahr seit 38 Jahren“
„Es ist eines der schlechtesten Geschäftsjahre seit der Eröffnung des Reisebüros vor 38 Jahren“, sagt der Reiseprofi, der mit seinem Büro zu Deutschlands Topverkäufern etwa im Bereich Cluburlaub gehört. Aus seiner Sicht müsse der stationäre Vertrieb gemeinsam mit den Veranstaltern dringend Antworten auf die Rabattsucht der Menschen finden, sagte Becker im Gespräch mit ta-Redakteurin Ute Fiedler anlässlich eines Testprojektes des VUSR.
Sowohl große als auch kleinere Büros im Minus
Insgesamt liegt bei Tats der Auftragsbestand nach Reisedatum bis Oktober 2026 mit minus 4,1 Prozent unter dem Vorjahr. Der Kreuzfahrtbereich verzeichnet immerhin ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber 2025. Konkret geht es dabei um den Buchungsstand inklusive aller Vorausbuchungen seit 1. November 2025.
Damit liegen die Zahlen von Tats gar nicht so weit weg von denen des Backoffice-Spezialisten Ziel. Das ist insofern interessant, als Tats vor allem die Zahlen größerer Reisebüros erfasst, Ziel mit seinem Tool Synccess aber vor allem mittelgroße Agenturen.
Hoffnung auf den Herbst
Synccess zufolge lagen die erfassten Abreisen für das Kalenderjahr per Ende Juli mit acht Prozent unter dem Vorjahr. Geschäftsführer Gerd Laatz zeigte sich im Gespräch mit touristik aktuell (siehe Aufmacher ta 15/26) aber dennoch optimistisch: „Ich bin mir sicher, dass wir im Herbst noch einiges an Umsatz gut machen könnten.“
Wie das gelingen kann, lesen Sie in der Titelgeschichte von ta 16/26, die am kommenden Montag erscheint.



