Tarifverhandlungen: Arbeitgeber bieten 9,8 Prozent mehr Gehalt

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Ob es zu einem neuen Tarifvertrag in der Touristik kommt, werden die kommenden Wochen zeigen. Foto: Zerbor/iStock

Derzeit finden Tarifverhandlungen zwischen der DRV-Tarifgemeinschaft und der Gewerkschaft Verdi für die Beschäftigten in der Touristikbranche statt. Nachdem die erste Verhandlungsrunde Ende März ohne Ergebnis geblieben war, legte die Arbeitgeberseite nun ein neues Angebot vor. Die DRV-Tarifgemeinschaft bietet nach eigenen Angaben eine Gehaltserhöhung von insgesamt 9,8 Prozent, die Forderung der Arbeitnehmerseite war zuvor als deutlich zu hoch abgelehnt worden. Nun muss sich zeigen, ob sich die beiden Tarifparteien einigen können; die Verhandlungen werden am 26. Mai 2025 fortgesetzt.

Deutliche Differenz zwischen Forderung und Angebot

Verdi hatte in der ersten Verhandlungsrunde am 27. März 2025 eine Gehaltserhöhung von 19,5 Prozent gefordert. Es sind die ersten Tarifverhandlungen in der Branche seit 2018. Die DRV-Tarifgemeinschaft, die als Arbeitgeberverband die Interessen von Reisebüros und Reiseveranstaltern vertritt, bewertet diese Forderung angesichts des wirtschaftlichen Umfelds als „nicht umsetzbar“.

Details zum Arbeitgeberangebot

Das aktuelle Angebot der Arbeitgeberseite umfasst einer Mitteilung der DRV-Tarifgemeinschaft zufolge mehrere Komponenten:

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  • Tarifliche Entgelterhöhung: Die Arbeitgeber bieten eine Gesamterhöhung von rund 9,8 Prozent. Darin enthalten ist eine Anhebung von 7,12 Prozent, die die DRV-Tarifgemeinschaft ihren Mitgliedern bereits in den vergangenen Jahren empfohlen hatte. Zusätzlich sollen die Gehälter ab 1. August 2025 um weitere 2,5 Prozent steigen. Der Tarifvertrag soll bis zum 30. Juni 2026 laufen.
  • Neue Vergütungsstruktur für Reisebüros: Die bisherige tarifliche Leistungszulage soll in die Entgelttabelle integriert werden. Stattdessen ist für Reisebüro-Beschäftigte eine neue leistungsbezogene Komponente im Umfang von einem Prozent vorgesehen, die sich am individuell erwirtschafteten Umsatz orientieren soll.
  • Verbesserungen für Auszubildende: Die Ausbildungsvergütungen sollen um 30 Euro pro Monat angehoben werden. Zudem plant die Arbeitgeberseite eine bundesweite Angleichung der vermögenswirksamen Leistungen auf das bisherige Westniveau.
  • Höhere Einstiegsgehälter: Neu eingestellte Beschäftigte in Reisebüros sollen künftig höher eingruppiert werden.

Hintergrund der Verhandlungen

Seit 2018 war es trotz mehrerer Versuche nicht gelungen, einen neuen Gehaltstarifvertrag für die Touristikbranche abzuschließen. Laut DRV-Tarifgemeinschaft haben viele Mitgliedsunternehmen die empfohlenen Gehaltserhöhungen der vergangenen Jahre bereits freiwillig umgesetzt, unter anderem Dertour.

Die DRV-Tarifgemeinschaft vertritt als Arbeitgeberverband die Interessen von Reisebüros und Reiseveranstaltern und ist Tarifvertragspartei für Vereinbarungen zu Gehalt, Ausbildungsvergütung und weiteren Arbeitsbedingungen in der Branche. (sl)

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