
Mit Last-Minute-Aktionen wollen TUI, Dertour und der VUSR Reisebüros im Wettbewerb mit Online-Portalen stärken. Die Vermarktungspartnerschaft mit TUI gewährt Reisebüros Preisnachlässe auf ausgewählte Hotels. So sollen die Nachfrage angekurbelt und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Veranstalter und Vertrieb erprobt werden. Im Zuge der Vermarktungspartnerschaft zwischen Dertour und VUSR werden jedoch keine Rabatte gewährt. Die erste Resonanz aus den Reisebüros ist gut.
Mit vor Kurzem gestarteten Last-Minute-Aktionen wollen die Veranstalter TUI und Dertour gemeinsam mit dem Bundesverband der unabhängigen selbstständigen Reiseunternehmen (VUSR) neue Wege in der Zusammenarbeit zwischen Veranstalter und stationärem Vertrieb erproben. Ziel ist es, die Nachfrage nach ausgewählten Hotels gezielt zu steigern und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Reisebüros gegenüber Online-Portalen zu stärken.
Kern der Aktion von TUI sind Preisnachlässe von bis zu 50 Euro auf ausgewählte Pauschalreisen. Die Rabatte gelten für Buchungen der Veranstaltermarken TUI, ATI und Ltur, die bis einschließlich 31. Oktober 2026 angetreten werden. Flyloco und XTUI sind von der Aktion ausgenommen. Reisebüros erhalten den erforderlichen Buchungscode über das TUI Newsnet im Bereich „Preisaktionen und Kampagnen“. Der im Rahmen der Aktion erzielte Umsatz wird vollständig zur Leistungsprovision provisioniert.
Fokus auf stationäre Reisebüros und Kundenzufriedenheit
Nach Angaben eines TUI-Sprechers soll die Aktion zeigen, ob sich gemeinsam mit dem stationären Vertrieb so genannte Risikokapazitäten gezielt abbauen und ausgewählte Hotels besser vermarkten lassen. Bewusst werde die Aktion ausschließlich über Reisebüros umgesetzt. Diese generierten häufig höherwertige Buchungen, etwa durch Upgrades auf bessere Zimmerkategorien. Zudem liege die Kundenzufriedenheit bei Reisebüro-Buchungen nach Unternehmensangaben über der von Buchungen über Online-Reiseportale (OTAs).
Zu den teilnehmenden Hotels zählen Häuser in zahlreichen klassischen Urlaubsdestinationen, darunter Hurghada, Antalya, Mallorca, Rhodos, Fuerteventura, die Dominikanische Republik und Jamaika.
Partnerschaft zwischen Veranstalter und Vertrieb im Test
Die Initiative für die Zusammenarbeit ging laut TUI von VUSR-Chefin Marija Linnhoff aus. Sie habe den Veranstalter mit dem Vorschlag einer gemeinsamen Vertriebsaktion angesprochen, um neue Formen der partnerschaftlichen Vermarktung zu testen.
Eine Vermarktungspartnerschaft gibt es auch mit Dertour. „Eine Buchungsaktion über einen Verband ist sicherlich kein ganz üblicher Weg. Gleichzeitig sind wir grundsätzlich immer offen dafür, neue Ansätze zu prüfen, und nutzen gerne die Gelegenheit, interessante Modelle in der Praxis zu testen“, sagt Dertour-Vertriebschef Georg Welbers. Daher begleite Dertour den Test ergebnisoffen und bewerte nach Abschluss des Piloten, ob ein solches Modell langfristig Potenzial bieten könne.
Genau darum geht es dem VUSR. „Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen wir als Branche verschiedene Modelle ausprobieren“, sagt Linnhoff im Gespräch mit touristik aktuell. Die aktuelle Aktion verstehe sie ausdrücklich als Test. Ob das Modell funktioniere, lasse sich derzeit noch nicht beurteilen. „Aber wir müssen aktiv werden, um gegen Player wie Check24 und Co. zu bestehen.“
Eine Buchungsaktion über einen Verband ist sicherlich kein ganz üblicher Weg. Gleichzeitig sind wir grundsätzlich immer offen dafür, neue Ansätze zu prüfen.
Dabei macht Linnhoff keinen Hehl daraus, dass die gewährten Preisnachlässe allein nicht ausreichen werden, um Cashback-Angeboten oder den hohen Rabatten mancher Online-Portale etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen. Sie sieht die Aktion vielmehr als möglichen Einstieg in eine engere Zusammenarbeit zwischen Veranstaltern und stationärem Vertrieb.
Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt sich nach Ansicht vieler Reisebüros deutlich im aktuellen Geschäftsjahr. Armin Becker, Inhaber des Reisezentrums Becker in Dreieich, rechnet damit, das laufende Touristikjahr mit einem satten Minus von rund sieben Prozent abzuschließen. „Es ist eines der schlechtesten Geschäftsjahre seit der Eröffnung des Reisebüros vor 38 Jahren“, sagt er.
Herausforderungen und Chancen für die Branche
Als einen wesentlichen Grund nennt Becker den zunehmenden Einfluss von Cashback-Angeboten. Selbst langjährige Stammkunden fragten inzwischen gezielt nach zusätzlichen Preisnachlässen. „Das macht uns ohne Ende zu schaffen.“
Nach seiner Einschätzung müssen Veranstalter und Reisebüros künftig deutlich enger zusammenarbeiten. „Wir sitzen im selben Boot. Nicht nur wir haben ein Problem mit Portalen wie Check24, sondern auch die Veranstalter, deren Abhängigkeit von den Online-Giganten immer größer wird.“
Sollten sich die jetzt gestarteten Vermarktungspartnerschaften bewähren, könnten sie nach Ansicht Beckers auch auf weitere Leistungsträger ausgeweitet werden. „Wir sind eine Zweckgemeinschaft, die künftig hoffentlich noch stärker zusammenarbeitet.“ Die aktuelle Aktion sei dafür ein erster Schritt.



