Eine Stadt der Vielfalt

Ein Mann bereitet in einem beleuchteten Straßenimbiss in Hongkong Speisen zu, davor stehen gestapelte bunte Kunststoffhocker auf dem nächtlichen Gehweg.
Sham Shui Po: Egal zu welcher Tageszeit – geöffnete Essensstände gibt es immer. Foto: HKTB

Hongkong zeigt sich als Stadt der Kontraste: In Sham Shui Po locken kleine Restaurants und Straßenstände mit lokalen Spezialitäten, während auf Hong Kong Island farbenfrohe Street Art den multikulturellen Charakter der Metropole spiegelt.

Die kleine Gruppe ausländischer Gäste schlendert durch Sham Shui Po, ein Arbeiter-Stadtviertel in Kowloon. Die Straßen sind voll mit kleinen Geschäften, Essensständen und Restaurants. Es riecht nach Essen, der Spaziergang sorgt für Appetit, dabei helfen auch die Stories und Erklärungen von Cecilia Leung, Tourguide und Gründerin von Hongkong Foodie Tours.

Sie führt die Gäste auf insgesamt sechs Touren durch unterschiedliche Distrikte der Stadt. Abends geht es durch die Temple Street. Wer möchte, kann die lokalen Craft-Beer-Brauereien kennenlernen oder einige der Tees aus der Region probieren. Mit ihrem Team will sie den Gästen der Metropole die große kulinarische Vielfalt abseits der Restaurants, in denen Sterneköche ihre Mahlzeiten kreieren, zeigen. Und die Liste der Spezialitäten, die auf den Touren warten, 
ist lang: Fischbällchen, Wonton-Nudeln, Egg ­Bubble Waffles, Milchtee nach Hongkonger Art und Dim Sum.

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Luftaufnahme der Küstenregion Kekova bei Antalya mit Booten im türkisfarbenen Wasser, überlagert mit dem Logo der anex gruppe und Textbausteinen.

Zu Beginn gibt’s Hongkonger Milchtee

Die Gäste lernen einige von ihnen auf der „Sham Shui Po Foodie Tour“ kennen, hier stehen insgesamt sechs Stationen auf dem Programm. Direkt nach dem Start wartet beim Hongkonger Frühstück der Milchtee. Hier, wie auch in den anderen, meist kleinen Lokalen erklärt Cecilia die einzelnen Gerichte, ihre Zutaten und ihre Zu­bereitung. Neben den Touristen sitzen Stammkunden aus der Nachbarschaft. Die Popularität ist ein klares Zeichen für die Qualität.

Dabei bietet die rund dreieinhalbstündige Tour auch abseits der Essenspausen interessante Einblicke in das Leben in der Finanz- und Wirtschaftsmetropole. Cecilia will den Gästen nicht nur die kulinarischen Besonderheiten zeigen, sie will einen anderen Blick auf ihre Heimstadt ­ermöglichen.

Immer wieder erkunden die Gäste einen der kleinen Läden in Sham Shui Po. Es ist Vormittag, in einer Metzgerei an einer Straßenecke hängen die Fleischstücke an Stangen direkt am Rand des Geschäfts. „Die Kunden wollen sie fürs Mittagessen, bis zur Mittagszeit sind sie alle verkauft. Um die Kühlung muss sich niemand Gedanken machen“, erklärt Cecilia. Der Blick aufs Thermometer zeigt eine Außentemperatur von rund 24 Grad. In beide Richtungen der Straße bauen Händler gerade ihre Marktstände auf, das ­Gewusel der Leute wird immer stärker. Hier gibt es alles, von Kleidung über Elektronik, Handys, Uhren, Schmuck und Bücher.

Zwei Personen gehen an einer steilen Straße entlang, an der eine lange, mehrfarbige Mauer mit großflächigen Comic-Graffiti und Wandmalereien verläuft.
Tom Tsang will 
die Betrachter mit einem Bild von Freundin und Katzen in den Chill-Modus versetzen. Foto: Wolfram Marx

Street Art spiegelt pulsierende Kunstszene

Gestärkt durch die Mahlzeiten auf der Foodie Tour wartet auf Hong Kong Island ein kulturelles Highlight. Auch die pulsierende Kunstszene der Millionenmetropole ist vielfältig, geprägt durch die vielen chinesischen und britischen Einflüsse. Zu sehen sind sie in der Street Art.
In den Vierteln Central und Sheung Wan treffen Einheimische und Besucher überall auf von internationalen Künstlern gestaltete Hauswände. Sie bieten einen Mix verschiedener Stilrichtungen, ein Ausdruck des multikulturellen Charakters der Stadt.

Um nicht in der Street-Art-Galerie mit groß­flächigen Hausgemälden oder kleineren Kunstwerken verloren zu gehen, bietet sich auch hier eine geführte Tour an. Die Deutsche Alex Unrein, die seit 2017 in Hongkong lebt und ihren Veranstalter passend zu ihrer Leidenschaft für Spaziergänge und Entdeckungen „Wanderlust“ genannt hat, zeigt den Besuchern auf ihren zwei- bis vierstündigen Touren einige der Kunstwerke. Und deren Zahl wächst durch das HK Walls ­Festival, das die gemeinnützige Organisation HK Walls seit dem Jahr 2014 veranstaltet.

In diesem Jahr schuf der Künstler Tom Tsang mit „Chill Mode On“ ein ungewöhnliches Werk auf einer langen Mauer in der Aberdeen Street. „Tom war vor Kurzem mit seiner Freundin zusammengezogen und als er einen Nachmittag nach Hause kam, sah er sie und die Katzen ganz entspannt auf der Couch chillen“, erzählt Unrein.

Er wolle damit einen Anstoß zum Entspannen geben. Damit trifft er in der pulsierenden und geschäftigen Stadt den Nerv und zum Chillen passt dann noch eine kulinarische Spezialität.

Wolfram Marx