Graubünden: Per Schmalspur in die Bergwelt

Alpenpanorama ohne Ende: Die Fahrt mit der Rhätischen Bahn ist ein Erlebnis. Foto: pra

Bahnhofsvorplätze sind selten schön – selbst in der idyllischen Schweiz. Und auch in Chur, der ältesten Stadt der Eidgenossenschaft, führt der Weg zu Schönerem an wenig charmanten Bausünden der 60er und 70er Jahre vorbei. Doch im Hintergrund erheben sich schon die Ausläufer der Graubündner Alpen.

Schnurstracks begeben wir uns zum Schmalspurgleis 2, wo das rote Bähnlein Richtung Arosa wartet. Punkt 13.08 Uhr ruckt der Zug an und rollt wie eine Straßenbahn durch die Innenstadt. Nach wenigen Metern taucht neben uns Churs malerische Altstadt auf. Am Flüsschen Plessur entlang geht es nun hinaus ins Grüne, in eine alpine Wunderwelt aus hohen Bergen, putzigen Holzhäusern und imposanten Schienenbauwerken.

Abseits ist es günstiger

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Mit seiner Rhätischen Bahn bietet der Kanton Graubünden ein einmaliges Ensemble aus Natur und Technik. Berühmt sind die Albula-Linie, auf der Touristen mit dem Glacier-Express reisen, und die Strecke über den Berninapass Richtung Italien. Hier verkehren die teuren Panoramazüge.

Doch das Netz ist mit 384 Kilometern weitaus größer – und abseits der Paradestrecken deutlich günstiger zu bereisen. Denn für die meisten Züge gilt der reguläre Tarif der Schweizerischen Bundesbahnen. Und Schienenromantiker kommen trotzdem voll auf ihre Kosten.

So auch auf der Fahrt nach Arosa: Die knapp 26 Kilometer lange Strecke schraubt sich in einer Stunde von 584 auf 1.739 Meter hoch, immer an der Plessur entlang. Um die Bergwelt zu durchqueren, sind 52 Brücken, 19 Tunnel und zwölf Galerien erforderlich. Viele der Brückenbögen sind gemauert. Doch der Langwieser Viadukt, der 62 Meter hoch das Plessurtal überspannt, wurde aus Stahlbeton errichtet – zur Entstehungszeit 1914 noch revolutionär. Mit seinen 284 Metern war er damals die längste Eisenbahnbrücke der Welt und ist bis heute die größte der Rhätischen Bahn.

Trotz spektakulärer Bauten und Ausblicke ist die Schmalspurbahn in Graubünden nicht nur Touristenattraktion, sondern auch ein ganz normales Verkehrsmittel. Arosa ist wie viele Schweizer Gebirgsorte bis heute nur über schmale, gewundene Straßen zu erreichen, auf denen kaum ein Bus fahren kann.

Deshalb nutzen auch Einheimische die Bahn. Sie sitzen jedoch vorn in modernen, klimatisierten Waggons hinter getönten Scheiben. Die vorbeiziehende Berglandschaft ist ihnen kaum noch einen Blick wert. Hinten dagegen kommen schaulustige Touristen zu ihrem Recht: In den älteren Wagen können sie die Fenster öffnen, um zu staunen und zu fotografieren. Die besten Plätze dafür liegen übrigens von Chur aus in Fahrtrichtung rechts.

Schmuckstücke an der Strecke

Mit dem Sommerwind weht der Duft von Wiesenkräutern und Tannenwäldern zu uns herein. Auf den grünen Hängen liegen kleine Höfe und Chalets, hier und da weiden Schafe oder Kühe. Weiter oben wird der dunkle Nadelwald von Felswänden durchbrochen, kleine Wasserfälle rauschen in die Tiefe. Und über allem leuchtet auf fast 3.000 Metern Höhe das Gipfelweiß.

Wahre Schmuckstücke sind die Stationshäuschen entlang der Strecke, gezimmert aus dunklem Holz, reich verziert und mit Sinnsprüchen in verschnörkelter Schrift: „Fürcht’ nicht die Welt, greif’ tapfer zu.“ Ein treffendes Motto für die Erbauer dieser kühnen Bergbahn.

Fahrplan und Preis
Die Bahn von Chur nach Arosa verkehrt zwischen 8.08 Uhr und 21.06 Uhr stündlich. Die Fahrt dauert eine Stunde und kostet 15 Franken. Zwischen dem 13. Juni und dem 3. September führen die Züge um 10.08 Uhr täglich außer sonntags bei gutem Wetter einen offenen Aussichtswagen mit sich.
Weitere Infos unter www.rhb.ch (Rubrik „Erlebnisfahrten“).

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