
Geschichte und Geschichten entlang der Road to the Isles

Die Fahrt beginnt beim Ben Nevis, Großbritanniens höchstem Berg. 1.344 Meter ragt er in die Höhe. Dem Riesen zu Füßen liegt Fort William. Die 10.000-Einwohner-Stadt nennt sich „Outdoor Capital of Great Britain“ und ist ein Zentrum für Kletterer, Bergsteiger und Mountainbiker. Neben vielen Hotels und Pensionen finden sich hier Dutzende Outdoor-Geschäfte.
Wir verlassen das Stadtzentrum Richtung Norden und erreichen Banavie am Kaledonischen Kanal, der über 100 Kilometer die Ost- und Westküste Schottlands verbindet. Schiffe überwinden über die Kanaltreppe Neptune’s Staircase auf 400 Metern mittels acht Schleusen 19 Höhenmeter.
Wir fahren weiter Richtung Westen und erreichen das Ufer des mächtigen Loch Shiel. Und damit das Land von Bonnie Prince Charlie. Der Volksheld hieß eigentlich Charles Edward Stuart – den Spitznamen Bonnie bekam er für seine Schönheit. Er war der Anführer des letzten Aufstands der schottischen Clan-Führer gegen die Engländer.
Ihm zu Ehren wurde 1815 am nördlichen Ende des Lochs das Glenfinnan Monument errichtet. 1745 rief Bonnie an dieser Stelle die Clan-Chefs zur Rebellion auf. Ein Jahr später wurde sie in den Highlands auf dem Schlachtfeld Culloden blutig niedergeschlagen.
Das Monument ist eine 20 Meter hohe Säule mit einer Männerskulptur auf der Aussichtsplattform. Über eine schmale Wendeltreppe gelangt man nach oben. Dort blicken Besucher aber nicht in das Antlitz von Bonnie Prince Charlie. Ein Steinmetz fertigte im 19. Jahrhundert statt einer Bonnie-Figur die Statue eines unbekannten Highlanders an. Ein Missgeschick, das die Schotten bis heute nicht stört.
Wenige Hundert Meter von Denkmal und Besucherzentrum entfernt thront am Hang über dem Tal der Glenfinnan Viadukt. Jeden Morgen pilgern Harry-Potter-Fans hinauf. Immer um 10.40 Uhr schnauft der Jacobite Steam Train über den 21-bögigen Viadukt. Dampfzug und Viadukt sind aus dem Kinofilm „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ bekannt.
Wir verlassen den Loch Shiel und wenden uns der Atlantikküste zu. Berühmt ist die acht Kilometer lange Panoramastrecke zwischen Arisaig und ‧Morar mit versteckten Buchten, mächtigen Dünen, hellen Sandstränden und kleinen vorgelagerten Inselchen, die an die Schärenwelt Schwedens erinnern.
Im Sommer sind die silbern schimmernden Strände von Morar von Touristen bevölkert, die auf einem der zahlreichen Camping-Plätze urlauben. Es lohnt ein Abstecher zum Camusdarach Beach. Dort entstanden die Außenaufnahmen der Komödie „Local Hero“ und des Fantasy-Films „Highlander“.
Von den Stränden ist es nicht weit bis Mallaig. Fährbetrieb und Fischerei bestimmen den Alltag im 800-Seelen-Ort, der Europas wichtigster Umschlagplatz für Garnelen ist. Hier legen Fähren zu den Inseln Rum, Eigg, Canna und Skye ab. Viel zu sehen gibt es in dem verschlafenen Nest nicht. Bei Regen – und in Mallaig nieselt es häufig – ist der Ort wenig anheimelnd. Vielleicht wählte deshalb der dänische Regisseur Lars von Trier Mallaig für sein düsteres Drama „Breaking the Waves“.




