Choquequirao: Verdientes Gold

Machu Picchu, so fern. Die Gedanken geistern sehnsüchtig hinüber zu der verlorenen Stadt in den Wolken. Nur etwas mehr als 30 Kilometer Luftlinie von hier, hinter schneebedeckten Fünftausendern, schlürfen gerade Rentner aus Texas und Taiwan Pisco Sour und machen Selfies mit genervten Lamas. In einem Plüschsessel haben sie sich bei einem Glas chilenischem Cabernet im kolonialluxuriösen „Belmond Hiram Bingham“-Zug die Anden hinaufgondeln lassen. Eine große Anzahl an Fußfaulen unter ihnen ist selbst noch die letzten ‧Höhenmeter zum Eingang des Inka-Heiligtums im Bus angereist. 
Blasen, Stiche, Sonnenbrand
Hier auf dem Maultierpfad nach Choquequirao aber kämpfen die Conquistadores des 21. Jahrhunderts mit der Höhenkrankheit, fummeln an ihren Blasen und kratzen an ihren Moskito‧stichen und am Sonnenbrand. Wie nur, wenn nicht auf Droge, fragt der müde Wanderer, hat dieses wahnsinnige Volk der Inka die ganzen ‧gigantischen Felsbrocken diese mörderischen Steilhänge hinaufgeschleppt? 
„Choquequirao will verdient sein“, hatte Ramiro Salazar Cana seiner Wandergruppe gleich zu Beginn der Tour gesagt. Da klang es noch nicht wie eine Warnung. Der 30-jährige Guide führt seit acht Jahren Touristen durch die Anden. Der Choquequirao-Trek gehört dabei zu seinen Lieblingstouren. 
Irgendwo da oben wartet eine sagenumwobene Ruinenstadt. Bis heute ist Choquequirao nur für Wanderer über einen schmalen Pfad in mindestens zwei Tagesetappen zu erreichen. 
Die Inka nannten sie „Wiege des Goldes“. Choquequirao wurde für sie zur letzten Zuflucht vor den im 16. Jahrhundert einfallenden Conquistadores. Die Spanier haben die auf über 3.000 Höhenmetern im Bergdschungel verborgene Stadt nie entdeckt. 
Anders als ihre weltberühmte Schwesterstadt Machu Picchu wurde Choquequirao bisher nur zum Teil freigelegt und nie vom Massentourismus erobert. Während die bekanntere Inkastadt nun Wahrzeichen Perus ist und heute von täglich mehr als 2.500 Menschen besucht wird, waren es in Choquequirao im gesamten Jahr 2016 nur etwas mehr als 5.000.
Ende der Ruhe?
In Zukunft dürfte sich dies allerdings ändern: Vor ein paar Monaten hat der Reisebuchverlag Lonely Planet Choquequirao auf seiner „Best in Travel 2017“-Liste als weltweit beste Region auf den ersten Platz gewählt. Schon seit Längerem ist der Bau einer Seilbahn zu der vergessenen Inkastadt geplant. Sie soll bis zu 400 Touristen pro Stunde in die Vilcabamba-Berge hinaufkarren. Das Vorhaben scheiterte allerdings bisher an den Streitereien der Regionen Apurimac und Cuzco, an die die Ruinen angrenzen.
Für uns Wanderer geben die Wolken urplötzlich den Blick auf die Ruinen der Unterstadt frei. Der Nebelvorhang öffnet sich für die verlorene Stadt. Irgendwann werden vielleicht auch fußfaule Rentner aus Texas und Taiwan mit Blick auf die „Wiege des Goldes“ selbstzufrieden ihren Pisco Sour schlürfen. Bis dahin gehört das magische Choquequirao aber weiter den Hartgesottenen allein. 

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