Cashback-Urteil: Kreuzfahrtinitiative befürchtet Oligopol

Nach dem jüngsten Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf im Rechtsstreit über Rückvergütung zwischen Aida und dem Sparkassen-Dienstleister S-Markt & Mehrwert, das deren Rechtsmäßigkeit erneut bestätigt hat, zeigt sich die Branche alarmiert. Die Kreuzfahrtinitiative (KI) befürchtet gar ein „reifes Oligopol“, ähnlich wie im Lebensmitteleinzelhandel oder in der Tankstellenbranche.

Droht eine Marktstruktur wie in der Tankstellenbranche?

Ob sich aus dem Mitte Mai verkündeten Gerichtsentscheid gegen Aida Cruises tatsächlich nachhaltige Marktveränderungen ergeben werden, werde sich erst in den kommenden Monaten und Jahren zeigen, der Markt werde sich aber nicht zum Besseren entwickeln, so die Einschätzung der Vertriebsallianz. In einer Stellungnahme auf ta-Anfrage teilt der Vorstand mit: „Es ist zu befürchten, dass sich nach diesem Urteil auch die Reisebranche langfristig in Richtung weniger großer marktbestimmender Marktteilnehmer entwickeln könnte. Es könnte dann ein reifes Oligopol entstehen, so wie dieses im deutschen Lebensmitteleinzelhandel oder aktuell auch im Bereich der Tankstellennetzwerke zu beobachten ist.“ Eine solche Marktstruktur führe dann „leider nicht zu bester Qualität und niedrigen Preisen“, so die Kreuzfahrtinitiative.

Der Verbund aus mobilen, stationären und Online-Vermittlern sieht sich dennoch gut gewappnet. „Unsere Mitglieder sind allesamt auf den Kreuzfahrtvertrieb spezialisierte Qualitätsanbieter und investieren individuell und auch im Rahmen der Kreuzfahrtinitiative in die Weiterbildung der Mitarbeiter sowie in die Qualität der Systeme und Produkte.“

„Aida hat das Verfahren aus gutem Grund geführt“

Die Entscheidung des OLG kam aus Sicht des KI-Vorstands nicht überraschend. „Auch wenn wir im Grundsatz mit ebendiesem Urteil bereits hätten rechnen können, halten wir es ausdrücklich für richtig, dass dieses Verfahren von Aida geführt wurde – weil es hierbei um grundlegende Strukturen im Reisevertrieb sowie um die Frage geht, wie Qualität, Beratung und Spezialisierung künftig wirtschaftlich bestehen und angemessen vergütet werden können.“

Wenn ein Finanzinstitut mit seiner unbestritten „eher nüchternen Markenwelt bewusst emotionale Reisethemen über Rabattmechanismen nutzt“, um Kunden zu gewinnen, könne das für die Branche, aber auch die Kunden „langfristig nicht der richtige Weg“ sein, so die Vertriebsallianz. Insoweit sei der Versuch von Aida, hier eine Grenze zu ziehen, als „Signal in den Markt und die Industrie richtig“.

Reedereien bekräftigen Bedeutung von Reisebüros

Reedereivertreter, darunter auch der scheidende Aida-Vertriebsdirektor Uwe Mohr, hatten erst kürzlich auf der Schmetterling-Jahrestagung die Bedeutung der Reisebüros im Kreuzfahrtvertrieb bekräftigt – gerade, wenn es um komplexe Buchungen und die Gewinnung der für die Reedereien so wichtigen Neukunden gehe.

Das Thema Cashback hatte Ende März – auch auf der Agenda der Mitgliederversammlung der Kreuzfahrtinitiative in Düsseldorf gestanden. Als Ergebnis der internen Sitzung hatte der Verbund mitgeteilt, dass es in den eigenen Reihen keine Rückvergütung gebe.

Weitere Stimmen zum Aida-Urteil und zur Cashback-Problematik sowie eine Titelgeschichte zur Zukunft des Handelsvertreterstatus hält die neue ta-Ausgabe 10/2026 bereit, die Anfang kommender Woche erscheint und wie gewohnt auch als E-Paper verfügbar ist.