USA: California Dreamin’

Salz liegt in der Luft, und vom Meer weht ein kräftiger Wind her. Trotzdem haben sich auf dem Boardwalk Touristen und Einheimische versammelt, essen Clam Chowder aus der Bread Bowl und lauschen dem Musiker, dessen Gesang sich mit dem Krächzen der Möwen und dem Bellen der Seelöwen vermischt, die unter dem Steg ­zwischen den Betonpfeilern im Wasser tollen.

„On the Road Again“, singt er, und die Songauswahl könnte kaum passender sein. Schauplatz dieser Szene ist Morro Bay, ein verschlafenes Küstenstädtchen am berühmten Highway 1. Die Straße zieht sich entlang der Pazifikküste und verbindet Südkalifornien mit dem Norden – ­vorbei an Küstenorten, wilden Klippen und ­Metropolen. Der klassische Roadtrip steht bis heute wie kaum eine andere Reiseform für einen USA-Trip – für Freiheit, offene Straßen, Motels mit Neonreklamen und spontane Stopps irgendwo zwischen Meer und Redwood-Wäldern.

Panoramablick auf die Küste von Big Sur in Kalifornien mit einer Brücke, die über die Klippen führt, und dem ruhigen Ozean im Hintergrund.
Highlight des Roadtrips: die Überquerung der Bixby Bridge in Big Sur. Foto: Samafoto/iStock

Von Los Angeles nach Santa Barbara

Wer von Süden startet, beginnt oft in Los Angeles. Rund um den Hollywood Boulevard erinnern Sterne auf dem Walk of Fame, alte Kinos und riesige Werbetafeln an die Geschichte der Traumfabrik. Gleichzeitig prägen endlose ­Freeways, dichte Vororte und breite Boulevards das Bild der Millionenmetropole. In Santa Monica zeigt sich das Kalifornien-Klischee schließlich von seiner schönsten Seite: Palmen säumen die Straßen, und am berühmten Santa Monica Pier drehen sich Riesenrad und Achterbahn direkt über dem Pazifik.

Fährt man von hier Richtung Norden, ­ändert sich die Atmosphäre spürbar: In Santa Barbara weicht die Großstadthektik mediterraner Gelassenheit. Weiße Häuser mit roten Ziegeldächern, Innenhöfe voller Bougainvillea und Weinbars erinnern eher an Spanien als an die USA – auch wenn der ausgeschenkte Chardonnay selbstverständlich aus Kalifornien stammt.

Big Sur und die wilde Küste

Lässt man die Santa Barbara hinter sich, wird die Landschaft dramatischer. Hinter San Simeon und Morro Bay beginnt der vielleicht schönste Abschnitt des Highway 1: Big Sur. Hier klammern sich die Straßen an steile Klippen, unter denen die Wellen des Pazifiks gegen die Felsen donnern, während Nebelschwaden vom Meer ins Landes­innere ­ziehen.

Nach den rauen Klippen und dramatischen ­Küstenabschnitten von Big Sur empfängt ­Carmel-by-the-Sea Besucher mit künstlerischer Atmosphäre. Das kleine Städtchen mit seinen Cottages, engen Gassen und stilvollen ­Boutiquen scheint direkt aus einem Bilderbuch zu stammen. Große Ladenketten sucht man ­vergeblich, stattdessen prägen Galerien, kleine Cafés und versteckte Innenhöfe das Stadtbild. Gleichzeitig zählt Carmel zu den exklusivsten und teuersten Orten Kaliforniens. Viele Häuser kosten mehrere Millionen Dollar.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt Monterey, einst Zentrum der Sardinenindustrie und heute einer der beliebtesten Orte an der kalifornischen Küste. Rund um die frühere Cannery Row, die Schriftsteller John Steinbeck weltberühmt machte, erinnert noch vieles an diese Vergangenheit. Heute befindet sich dort das Monterey Bay Aquarium, in dem ­Besucher riesige Tangwälder, schimmernde Quallen und Seeotter bestaunen ­können.

Von Monterey aus starten ­zudem zahlreiche Whale-Watching-Touren. Schon wenige Kilometer vor der Küste wird das Meer plötzlich tief, weshalb sich hier besonders viele Wale beobachten lassen. Mit etwas Glück tauchen Buckelwale neben dem Boot auf, Grauwale ziehen langsam vorbei oder Delfinschulen begleiten die Touren durch die Bucht.

Von Santa Cruz bis San Francisco

Ein Stück weiter nördlich zeigt Santa Cruz eine andere Seite Kaliforniens. Der historische ­Boardwalk mit Achterbahnen und Zuckerwatteständen ist ein Stück klassisches Amerika. ­Während aus Lautsprechern Musik dröhnt und der Geruch von Popcorn in der Luft liegt, ziehen direkt daneben Surfer mit ihren Brettern ­Richtung Pazifik.

Wenn die Route am Ende über die Golden Gate Bridge führt und der Nebel langsam zwischen den Stahlstreben aufzieht, ist San Francisco ­erreicht. Zwischen steilen Straßen, historischen Cable Cars und den belebten Piers rund um ­Fisherman’s Wharf endet der Roadtrip – und mit ihm eine Reise, die wie kaum eine andere das ­kalifornische Lebensgefühl einfängt: Wind in den Haaren, den Pazifik vor Augen und hinter jeder Kurve eine neue Aussicht.