Natürlich kann man in der Schweiz auch das ganz große Rad drehen: Die „Grand Train Tour of Switzerland“ fügt alle Panoramastrecken zu einem fast 1.300 Kilometer langen Schienentrip durch das alpine Nachbarland zusammen. Wem das aber zu viel Eindrücke für eine Reise sind oder angesichts der bekanntlich hochpreisigen Destination auch zu teuer wird, dem sei eine kleinere Runde ans Herz gelegt – die viele wahrscheinlich so noch gar nicht auf dem Schirm haben.
Das tut einem wunderbaren Reiseerlebnis, das sich unter dem Motto „Einmal ins Tessin und zurück“ trefflich zusammenfassen lässt, aber keinen Abbruch. Mit dem Gotthard Panorama Express und dem Bernina Express sind Reisende nicht nur auf zwei der schönsten Schweizer Bahnrouten unterwegs, sondern haben auch attraktive Städteziele wie Luzern oder Lugano auf dem Programm. Und zwischendurch geht es sogar auf Schiffsreise. Aber der Reihe nach.

Per Zug über Basel und somit von Deutschland schnell erreichbar ist Luzern als Ausgangspunkt. Und gleich eine gute Gelegenheit für einen ersten Zwischenstopp: Die mittelalterliche Altstadt am Vierwaldstättersee mit ihrer berühmten Kapellbrücke ist mindestens eine Übernachtung wert, bevor der Gast – nein, nicht wieder in den Zug steigt, sondern auf ein Schiff.
Unter Dampf auf dem See

Denn nun geht erst einmal auf dem Wasser weiter, und zwar wie in guten alten Zeiten. An Bord eines der altehrwürdigen Schaufelraddampfer wie der „Stadt Luzern“ durchqueren die Urlauber einmal komplett den Vierwaldstättersee von Nord nach Süd, vorbei etwa an den malerischen Gipfeln der Rigi und des Bürgenstocks sowie geschichtsträchtigen Orten der Urschweiz wie die Rütliwiese. Eine gute Gelegenheit für ein exquisites Mittagessen im Salon oder einfach ein verträumtes Verweilen an der Reling.
Und spätestens wenn die Dampfer die Endhaltestelle Flüelen erreichen, zeigt sich, wie minutiös aufeinander abgestimmt in der Schweiz die Verkehrsmittel sind: Vom Schiffsanleger nur einen Steinwurf entfernt wartet schon der Gotthard Panorama Express, um die Bahnurlauber auf der historischen Strecke durch den berühmten Tunnel in den südlichen Kanton Tessin zu bringen.
Ein relativ neuer Touristenzug
Dabei ist der Zug selbst noch gar nicht so alt. Eingeführt wurde er 2017, nachdem Panoramawagen der Schweizer Bahn SBB, die zuvor in Interregio-Regelverkehr eingesetzt wurden, mit dem Start des Gotthard-Basistunnels nicht mehr benötigt wurden. Seither sind diese zusammen mit anderen ehemaligen Regelzug-Waggons als Touristenbahn unterwegs. Attraktiv ist dies insbesondere für Fotografen, fährt doch speziell für diese Klientel immer ein alter Wagen mit, in dem sich noch die Fenster öffnen lassen.

Angekommen am Luganersee kommt schnell italienisch-mediterranes Feeling auf – zwischen Bergpanorama, Seeblick und Palazzi lässt es sich in Lugano ebenfalls gut und gern ein paar Tage aushalten. Aber wer ein echter Bahn-Fan ist, dürfte eigentlich bald wieder aufbrechen wollen, weil mit dem Bernina Express schließlich noch der Leckerbissen schlechthin auf ihn wartet.
Das Beste zum Schluss
Da der südliche Abfahrtsbahnhof im italienischen Tirano allerdings rund 120 Kilometer entfernt ist, wurde mit dem „Bernina Express Bus“ ein Transfer-Service eingeführt, der aber weit mehr ist: Geboten wird eine schöne Panoramatour entlang des Comer Sees und durch das Veltlin, ein eigenes Infotainment-System in den modernen Reisebussen versorgt die Gäste mit den dazugehörigen Streckeninfos.
Und dann steht er im Bahnhof von Tirano bereit: der berühmte Bernina Express, der seine Gäste auf der Unesco-geschützten Bernina- und Albula-Strecke zurück in die Schweiz bringt und dabei bis zu mehr als 2.200 Meter hoch klettert. Gut vier Stunden, 196 Brücken und Viadukte sowie 55 Tunnel später erreicht der Zug nach seiner spektakulären Fahrt Graubündens Hauptstadt Chur. Deren gemütliche Altstadt ist dann genau das Richtige, um die Reise äußerst glücklich und voller Alpenpanoramen im Kopf ausklingen zu lassen.


