Condor bekommt wie erwartet zunächst einen Alleingesellschafter: Mehrheitseigner Attestor kauft die staatlichen Anteile in Höhe von 49 Prozent. Die Suche nach einem Investor geht aber weiter.

Die Fluggesellschaft Condor wird wie erwartet vom bisherigen Mehrheitseigner Attestor übernommen. Der britische Finanzinvestor, der seit 2021 die Mehrheit an Condor hält, übernimmt die bislang über die SG Luftfahrtgesellschaft im Auftrag des Bundes und des Landes Hessen gehaltene Beteiligung von 49 Prozent. Der Vollzug ist allerdings erst zum Stichtag 31. August 2027 geplant, wie die Airline mitteilt.
Damit zieht Attestor eine Kaufoption, die bis zum Auslaufen des staatlichen Hilfsprogramms für Condor Ende September gültig war. Die Briten hatten im Jahr 2021 die Mehrheit an dem Ferienflieger übernommen, der nach der Thomas-Cook-Pleite und infolge der Corona-Krise mit staatlichen Finanzspritzen in Höhe von insgesamt über 500 Millionen Euro am Leben gehalten wurde. Die Fluggesellschaft hat die Staatshilfen bereits im Frühjahr vorzeitig zurückgezahlt.
Ungeachtet der Komplettübernahme ist Attestor weiterhin auf der Suche nach einem strategischen Partner. Denn das Investment in Condor ist mit hohen Kosten verbunden. In die Restrukturierung und den Um- und Ausbau der Flotte wurde in den letzten fünf Jahren bereits ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag investiert. Ins Geld geht auch der Aufbau eines Städteflug- und Zubringernetzwerks für das Drehkreuz Frankfurt, nachdem Rivale Lufthansa den exklusiven Vertrag für Zubringerflüge gekündigt hatte.
Und da die anhaltend hohen Kerosinpreise infolge des Dauerkonflikts im Nahen Osten die Situation nicht gerade verbessert haben, wurde Condor nun ein massives Sparprogramm unter dem Namen „Zukunftspakt“ verordnet. Mit diesem sollen in den kommenden zwei Geschäftsjahren Kosten von insgesamt 200 Millionen Euro gesenkt werden.
Schwierige Suche nach einem weiteren Investor
Dass es in der momentanen schwierigen Situation, in der sich die gesamte Airline-Branche befindet, nicht einfach ist, einen weiteren strategischen Investor ins Boot zu holen, betonen auch Branchenbeobachter. „Mit Blick auf die Folgen der Nahost-Krise und anderen hohen Kostenbelastungen für die Airline-Branche halten sich mögliche Interessenten derzeit zurück“, sagt Jürgen Krumtünger, Chef des Airline-Beratungsunternehmens Prologis, im Gespräch mit touristik aktuell. Dennoch rechne er damit, dass Attestor innerhalb der nächsten zwei Jahre bei der Suche erfolgreich sein werde – „wenn alle den Sparkurs mitgehen“.
Einen ausführlichen Bericht zu diesem Thema lesen Sie in der neuen Ausgabe von touristik aktuell (ta 19/2026), die nächste Woche erscheint.



