WM-Serie: Brasilien und der tanzende Delfin

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Grafik mit einem Fußball auf einem hellblauen Hintergrund, umgeben von Linien, die ein Spielfeld darstellen, und der Zahl drei.

Wenn Brasilien bei einer Fußball-Weltmeisterschaft aufläuft, gehört die Seleção fast automatisch zum Favoritenkreis. Fünf Weltmeistertitel hat keine andere Nation gewonnen, Spieler wie Pelé, Ronaldo, Ronaldinho oder Neymar haben den Fußball geprägt wie kaum andere. Diesmal war allerdings bereits im Achtelfinale Schluss: Norwegen beendete den Traum vom sechsten WM-Titel überraschend mit einem 2:1-Sieg. 

Doch so berühmt Brasilien auf dem Platz ist, so wenig bekannt sind manche Geschichten abseits des Rasens. Denn im größten Land Südamerikas gibt es nicht nur Regenwald und Traumstrände. Es gibt auch eine „Wüste“, die sich jedes Jahr in ein türkisblaues Seenmeer verwandelt – und einen Flussdelfin, der der Legende nach nachts als Mann auf Dorffesten auftaucht.

Zwischen Regenwald, Wasserfällen und einer Wüste voller Seen

Brasilien ist mehr als 23-mal so groß wie Deutschland und reicht vom Amazonas bis zu den Iguassu-Wasserfällen an der Grenze zu Argentinien. Zu den touristischen Höhepunkten zählen Rio de Janeiro mit der Christusstatue und dem Zuckerhut, das Pantanal, die Strände Salvador da Bahias sowie die gewaltigen Wasserfälle von Iguassu.

Wer allerdings etwas weiter in den Nordosten reist, stößt auf eine Landschaft, die eher an die Sahara erinnert als an Südamerika. Der Nationalpark Lencois Maranhenses besteht aus meterhohen weißen Sanddünen, die sich über mehr als 1.500 Quadratkilometer erstrecken. Das Besondere zeigt sich allerdings erst nach der Regenzeit: Dann füllen sich die Mulden zwischen den Dünen mit glasklarem Regenwasser und bilden Tausende türkisfarbene Lagunen. Für einige Monate entsteht so eine Landschaft, die weltweit nahezu einzigartig ist. Seit 2024 gehört der Nationalpark zum Unesco-Weltnaturerbe.

Der geheimnisvolle Boto

Wer im brasilianischen Amazonasgebiet unterwegs ist, hört früher oder später Geschichten über den Boto. Gemeint ist der rosafarbene Flussdelfin, der tatsächlich in den Flüssen des Amazonasbeckens lebt. In den Erzählungen der Menschen ist er allerdings weit mehr als nur ein Tier.

Der Legende nach verlässt der Boto nachts den Fluss und verwandelt sich in einen charmanten jungen Mann – geschniegelt, ganz in Weiß gekleidet und mit einem Hut auf dem Kopf. Der hat einen ganz bestimmten Zweck: Er soll das Blasloch des Delfins verbergen, an dem ihn sonst jeder sofort erkennen würde.

Ein Flussdelfin taucht an die Wasseroberfläche, sein Kopf ist sichtbar, während sich das Wasser um ihn herum sanft kräuselt.
Der rosafarbene Flussdelfin, in Brasilien „Boto“ genannt, lebt im Amazonasgebiet. Um das faszinierende Tier rankt sich eine der bekanntesten Legenden der brasilianischen Folklore. Foto: EriCatarina/iStock

Auf Dorffesten sucht der geheimnisvolle Fremde die Nähe junger Frauen. Vor Sonnenaufgang verschwindet er mit einer von ihnen im Amazonas und sie taucht erst am nächsten Morgen wieder auf. Die Legende entstand vermutlich deshalb, weil sie eine Erklärung für ungeklärte oder uneheliche Schwangerschaften lieferte. Einer bis heute kursierenden Anekdote zufolge soll auf manchen Geburtsurkunden sogar „Boto Cor de Rosa“ – rosafarbener Delfin – als Vater gestanden haben.