Praxistipp China: „Auch vor Ort niemals ohne Pass“

China ist in vielerlei Hinsicht ein besonderes Reiseziel. Denn das Land ist riesig, die Menschen haben gänzlich andere Gewohnheiten als Europäer und die die Digitalisierung geht hier unter anderem mit We-Chat und Alipay ganz eigene Wege. Ob die neue App „Ni hao“, die das chinesische Fremdenverkehrsamt und der Zahlungsdienstleister Union Pay entwickelt haben, das Reisen erleichtert, muss sich zeigen.

Roter Banner mit chinesischer Aufschrift über einem kleinen Straßenstand in einer bergigen, grünen Umgebung. Unter dem Banner sitzen zwei Personen zwischen Kisten mit Obst und Waren. Rechts ist eine Panda-Illustration auf dem Banner zu sehen.
Für Europäer nicht zu entziffern: Slogan am Eingang des Panda-Parks im Dengsheng Valley nahe Chengdu in Sichuan. Foto: mg

Wie auch immer – eine Reise nach China ist auf jeden Fall ein Highlight im Leben eines Travellers. touristik aktuell hat deshalb mit Jürgen Kremer geprochen und ihm Tipps für das Reiseziel entlockt. Der Experte war früher unter anderem für das China-Produkt von TUI verantwortlich, heute leitet er das Deutschland-Büro von Shanghai China International Travel Service (SCITS). Die Agentur organisiert Gruppen- und Individualreisen unter anderem für Dertour, Trendtours, Ikarus Tours, Geoplan und Tischler Reisen.

Herr Kremer, China ist nicht nur aufgrund seiner Sprache und Schrift für Reisende eine organisatorische Herausforderung. Was ist zu beachten?

Vieles – und das geht schon beim Vorbereiten der Reise los. So werden in China Bahnfahrten und Flüge immer und ausschließlich mit den Passdaten gebucht, Tickets gibt es nicht mehr. Das gleiche gilt für viele Sehenswürdigkeiten und Hotels. Die Passdaten müssen absolut korrekt sein, sonst kommt es zu Mehrkosten oder Zugangsbeschränkungen.

Was bedeutet das?

Sehenswürdigkeiten können unter Umständen nicht besucht werden, wenn ein neues Ticket gekauft werden muss und die Kontingente für den Tag bereits ausgeschöpft sind. Auch Verzögerungen durch Wartezeiten sind möglich. Besonders bei Gruppenreisen ist das ein Problem.

Ein lachender Mann in einem Jackett steht vor einem „Nihao China“-Banner mit einem Foto eines putzigen Pandabären im Hintergrund.

Jürgen Kremer vertritt von Frankfurt aus die chinesische Incoming-Agentur SCITS Shanghai. Foto: privat

Welche Apps benötigen Reisende?

Alipay und We-Chat sind sehr hilfreich. Alipay ist recht einfach zu installieren, We-Chat relativ umständlich. Grundsätzlich ist es sinnvoll, eine E-Sim für das Mobiltelefon zu buchen, damit sind viele Kommunikationsmöglichkeiten mit Verwandten und Freunden offen. Eine chinesische Sim-Karte ist ebenfalls möglich, aber dann ist etwa Whatsapp nicht oder nur sehr stark eingeschränkt und verzögert nutzbar.

Was ist bei den Reisedaten zu beachten?

In China brummt der Inlandstourismus, speziell rund um Feiertage wie die chinesischen Goldenen Wochen zum Frühlingsfest und zum Nationalfeiertag. Diese Zeiträume sollte man meiden. Wenn das nicht möglich ist, müssen Reisen in dieser Zeit besonders langfristig und sorgfältig geplant werden, denn es ist überall sehr voll und vor allem Transporte sind nicht einfach zu buchen.

Das gilt vermutlich auch für Jangtse-Kreuzfahrten.

In der Tat. Sie sind Teil vieler klassischer Rundreisen. Die Auswahl des Schiffs hängt vom Reisedatum ab – und die Qualitätsunterschiede sind dabei sehr groß.

Wie steht es um den Sommer?

Auch der ist Hochsaison für den innerchinesischen Tourismus, an vielen Sehenswürdigkeiten ist der Besucherandrang hoch. Zu beachten ist auch das Klima – in vielen Regionen Chinas ist es im Sommer heiß und es regnet häufiger. Beste Reisezeiten sind, soweit sich das bei der Größe des Landes sagen lässt, April und Mai sowie September bis November.

Wie steht es um die Reisepreise?

Da gibt es zum Teil deutliche Unterschiede zwischen Hoch- und Nebensaison. Gut ist in China, dass die Auswahl an Hotels unterschiedlicher Kategorien in den meisten Orten sehr groß ist – von Budget- bis zu absoluten Luxushotels. Wir buchen zumeist Vier-Sterne-Hotels, die haben einen guten bis sehr guten Standard.

Welche Tipps gibt es für Zugreisen?

In den Hochgeschwindigkeitszügen gibt es meist drei unterschiedliche Klassen, die erste und zweite Klasse sind vergleichbar mit dem ICE. Zudem gibt es in vielen Zügen eine Business Class, die sehr komfortabel ist und an die Business Class bei Langstreckenflügen erinnert. Die Preise dafür sind sehr hoch, zudem ist diese Klasse für größere Gruppen nicht nutzbar, da es nur wenige Plätze gibt.

Funktioniert die Logistik vor Ort?

Ja, sehr gut. Probleme gibt es bei klassischen Rundreisen nur selten. Und wenn, dann sind es Flugplanänderungen. Reiseeinschränkungen gibt es wenig, lediglich für Xizang/Tibet wird ein spezielles Travel Permit benötigt. Das können wir organisieren – nur Journalisten, Diplomaten und hohe Regierungsangestellte müssen sich selbst an die Botschaft wenden.

Wie bezahlt man vor Ort?

Apps wie die erwähnten We-Chat und Alipay sind sinnvoll. Beim Einrichten können die Reiseleiter sehr gut helfen. Es kann zwar fast überall auch mit Bargeld bezahlt werden, aber gelegentlich haben die Händler kein oder nicht ausreichend Wechselgeld. Außerdem können über die App auch Taxifahrten gebucht werden, was auch bei Gruppenreisen angenehm ist, wenn Kunden etwas individuell unternehmen möchten.