„Websites, wie wir sie heute kennen, spielen in drei Jahren keine Rolle mehr.“ Mit dieser These eröffnete VIR-Chef Michael Buller das gestrige „Hi Tech“-Event von CFM Media in Seligenstadt. Thematisch ging es dort in erster Linie um die Folgen von Künstlicher Intelligenz für die Touristik.
Parallel dazu wurde das 25-jährige Bestehen von CFM Media gefeiert. Mit dieser Historie ist der Seligenstädter Software-Anbieter eines der wenigen Unternehmen in der Touristik, das die Digitalisierung der Branche von Beginn an mitgestaltet hat. Zwar entstanden die ersten CFM-Website damals für einen Heilpraktiker und eine Kontaktbörse, doch über den Versicherungsanbieter TAS landete CFM Media schnell in der Reisebranche.
Auftakt im Kinderzimmer
Die ersten Touristik-Websites, etwa für Transocean und Bentour, wurden noch im früheren Kinderzimmer von CFM-Mitgründer Frank Müller entwickelt. Sie waren gut, die Homepage von Transocean etwa machte erstmals jede einzelne Kabine eines Kreuzfahrtschiffes buchbar. „Und da das fehlerfrei lief, sprach sich dies sehr schnell herum in der Kreuzfahrtbranche“, erinnert sich Frank Müller.
Es folgten Websites für Veranstalter und Reisebüros, 2017 klopfte sogar Thomas Cook an. Für den Reisekonzern wurde das selbst entwickelte CMS an den Cook-Hub angeschlossen, anschließend brachte das Team von Frank Müller insgesamt 14 Marken zum Neustart im Internet.
Individuelle Websites für Reisebüros
Heute zählen auch Reisebüro-Verbünde wie der ADAC Reisevertrieb, Suedwest Touristik und die Dertour-Reisebüros zu den CFM-Kunden. Darüber hinaus nutzen rund 40 eigenständige Agenturen die Technik aus Seligenstadt für ihre Websites. darunter Bo Travel in Titisee-Neustadt, die Reisebüros Stiefvater in Weil am Rhein und Herberholz in Treis-Karden sowie die Lingenfelder Reiselounge.
Sie alle werden individuell betreut, von White-Label-Lösungen hält Frank Müller nur wenig. Denn sie sind austauschbar und haben keinen eigenen Content – und sind somit für Künstliche Intelligenz unbedeutend.
CFM Media habe drei Versuche gestartet, White-Label-Websites zu produzieren, dreimal sei man gescheitert, gesteht Müller. Und das habe nichts mit KI zu tun. Der Grund: „Reisebüros sind einfach zu individuell.“ Die ließen sich nicht über einen Kamm scheren“.
Aron Stiefvater vom gleichnamigen Reisebüro in Weil am Rhein kann dies nur bestätigen. Seine kleine, familiengeführte Kette betrieb die eigene Website über Jahre hinweg über ihre Kooperation, seit gut zwei Jahren ist das Reisebüro Stiefvater Kunde bei CFM Media. Die richtige Entscheidung, wie Aron Stiefvater betont: „Wir wollten uns online breiter aufstellen und diesen Vertriebsweg professioneller betreiben. Das ist gelungen.“

Keine Angst um den stationären Vertrieb
Am Ziel sind damit weder Aron Stiefvater noch alle anderen Kunden von CFM Media. Denn nach 25 Jahren Digitalisierung sorgt Künstliche Intelligenz nunmehr für einen fundamentalen Umbruch. „KI verändert die Online-Welt komplett“, betonte Michael Buller während seiner Rede.
Und Erez Bousso, Chef des KI-Veranstalters Holidayheroes, ergänzte: „KI hat die Online-Welt aus den Fugen gehoben. Trust is the new SEO.“ Und das werde sich massiv auf die Touristik auswirken.
Angst um Reisebüros hat Erez Bousso deshalb genauso wenig wie CFM-Chef Frank Müller: Kreative und voll digitalisierte Reisebüros mit gutem Produkt-Know-how und lokaler Vernetzung hätten auch im KI-Zeitalter gute Chancen, sich gegen reine Online-Tools durchzusetzen.
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