Das neue Entry/Exit-System (EES) der Europäischen Union zur Erfassung von Ein- und Ausreisenden aus Drittstaaten sorgt schon seit Monaten für Betriebsprobleme bei Airports und Fluggesellschaften. Mit Beginn der verkehrsreichsten Zeit des Jahres in den Sommerferien warnt die Luftfahrtbranche nun eindringlich vor Chaos und fordert die Politik zum Handeln auf.
Wartezeiten bis zu fünf Stunden
So beklagt der internationale Flughafenverband ACI Europe in einem Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die Umsetzung des EES führe zu „gravierenden betrieblichen Auswirkungen, die Passagiere beeinträchtigen und Grenzbehörden, Flughäfen sowie Fluggesellschaften einem nicht tragbaren Druck aussetzen“.
Der ACI führt aus, dass die Wartezeiten an den Grenzkontrollen seit der vollständigen EES-Einführung im April erheblich gestiegen seien und in Spitzenverkehrszeiten mittlerweile bis zu fünf Stunden erreichten. „Diese Verzögerungen betreffen Millionen von Passagieren, die in den Schengen-Raum einreisen“, heißt es in dem Schreiben. Gleichzeitig komme es bei Flughäfen und Airlines zu wachsenden Betriebsstörungen wie Flugverspätungen und verpasste Anschlussflüge sowie zu einem zunehmenden Druck auf das Personal vor Ort.

Brüssel muss „unverzüglich einzugreifen“
Der Verband fordert Brüssel daher „dringend auf, unverzüglich einzugreifen, bevor sich die Lage während der bevorstehenden Sommerreisesaison weiter verschärft“. Allein im Juli und August würden an Europas Flughäfen voraussichtlich rund 40 Millionen Passagiere mehr abgefertigt als in den beiden Vormonaten. „Die Kommission und die Mitgliedstaaten müssen sich ein realistisches Bild der gegenwärtigen Lage und der Herausforderungen machen, vor denen unser Luftverkehrssystem in den kommenden Wochen steht“, so der ACI.
Konkret spricht sich der Branchenverband vor allem für eine flexiblere Handhabung des EES mit der Möglichkeit einer temporären Aussetzung aus, verlangt unter anderem aber auch mehr Personal an den Ein- und Ausreisekontrollen sowie eine App zur Vorregistrierung.
Ryanair fordert EES-Stopp bis September
Auch Europas größter Billigflieger Ryanair kritisiert, dass das Einreise- und Ausreisesystem noch nicht einsatzbereit sei, und forderte die europäischen Regierungen erneut auf, das EES komplett bis September auszusetzen. Die derzeitige Infrastruktur sei nicht darauf ausgelegt, das hohe Passagieraufkommen während der Hauptreisezeit zu bewältigen.
Laut Ryanair verzeichnen Flughäfen wie Teneriffa Süd, Palma de Mallorca, Malaga und Mailand-Bergamo bereits erhebliche Beeinträchtigungen, in den Sommerwochen wird mit weiteren Engpässen gerechnet. Auch der Frankfurter Flughafen hatte kürzlich darauf hingewiesen, dass „in Spitzenzeiten mit deutlich höheren Wartezeiten zu rechnen“ sei.
Von der Leyen gelobt Besserung
Trotz der massiven Kritik wird bislang am EES in der aktuellen Form festgehalten, weil die EU dies für entscheidend hält, um besser kontrollieren zu können, wer in die EU ein- und ausreist. Zudem hätten die Mitgliedstaaten und Flughäfen Zeit gehabt, sich auf das neue System einzustellen, heißt es.
Immerhin hat Kommissionschefin von der Leyen jüngst aber eingeräumt, dass es im Zusammenhang mit den automatisierten Grenzkontrollen „noch viel zu tun“ gibt. „Wir arbeiten mit den Mitgliedstaaten daran, dass diese technischen Probleme gelöst werden“, versicherte sie.



