
Nach wie vor fühle ich mich sehr wohl im Reisebüro, und ich bin deutlich ruhiger geworden, wenn es um Beratungsgespräche geht. Nichtsdestotrotz packt mich ab und zu die Aufregung, denn ich habe einen hohen Anspruch an mich selbst und möchte den Kunden selbstverständlich etwas Schönes anbieten. Ab und zu werde ich doch noch etwas nervös, wenn ich mal während einer Beratung nicht weiter weiß. Dann heißt es souverän bleiben, durchatmen und sich nichts anmerken lassen.
Obwohl uns unsere Chefs auf den Januar und die besondere Situation zu Jahresanfang vorbereitet haben, konnte ich mir nicht im Ansatz vorstellen, was mich erwarten würde. Im Vorfeld trafen sich die Mitarbeiter aller Filialen zu einem Kick-off-Meeting in unserem „Kaffee und Kreuzfahrt“ in Weil am Rhein. Es gab leckeres Essen und Getränke und wir sprachen über die kommenden Wochen, worauf der Erfolg des Unternehmens aufbaut und wie wir mitwirken können. Solche Events sorgen für unglaublichen Teamgeist und viel Motivation.
Tipps, um dem Stress vorzubeugen
Dann fand noch ein eigenes, gemütliches Meeting mit allen Auszubildenden im ersten Lehrjahr und unserer Chefin Anna Lena Stiefvater statt. Bei einem Mittagessen gab sie uns jede Menge Tipps, wie wir im Trubel Ruhe bewahren können und auf welche Aufgaben wir uns fokussieren sollen.
Darüber hinaus haben wir besprochen, wie wir uns auch während der Frühbuchersaison nicht übernehmen. Zum Beispiel appellierte sie an uns, dass wir nach Feierabend unbedingt abschalten und uns etwas Gutes tun sollen, zum Beispiel Freunde treffen. Auch sollen wir in der Mittagspause keine E-Mails lesen, sondern einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft machen, um den Kopf frei zu bekommen. Und dann kam der Januar und übertraf meine kühnsten Vorstellungen.
Es war richtig viel los. Vor allem an den Samstagen. Kunden kamen im Minutentakt ins Büro – Kunden mit Termin, aber überwiegend Leute, die Zeit hatten und sich spontan beraten lassen wollten. In unserem Wartebereich haben wir sechs Stühle. Diese waren fast ununterbrochen belegt.
Eine der Aufgaben: die Bedarfsanalyse
Meine Aufgabe ist auch, die Kunden zu begrüßen und eine Bedarfsanalyse durchzuführen. Das ging in dieser stressigen Zeit oftmals nicht. So habe ich freundlich und bestimmt darauf hingewiesen, dass wir uns in der Frühbuchersaison befinden und es etwas dauern könnte, bis sie ein Angebot erhalten.
Mit dieser Taktik trafen wir überwiegend auf Verständnis, es gab aber auch einige, die unfreundlich wurden. „Wieso? Ich bin doch jetzt hier?“, hieß es dann. Mir war das das eine oder andere Mal etwas unangenehm.
Mittlerweile buche ich schon ganz selbstständig Pauschalreisen in die gängigen Regionen. Ich bewundere meine Kollegen, die über so ein umfassendes Wissen verfügen, den Standort der Hotels alleine an ihrem Namen erkennen. Um mir so ein Wissen aufzubauen, habe ich mir angewöhnt, mir bei der Buchung den Standort der Hotels anzeigen zu lassen und die Kunden miteinzubinden. So kann ich mir merken, welche Stadt in der Nähe eines Hotels ist und ob dieses am Strand liegt.
Unterricht sollte entzerrt werden
Wirklich oft in der Schule war ich in diesem Jahr noch nicht. Zunächst waren Ferien, dann hat die Bahn gestreikt. Natürlich fallen bei uns oft zwei Arbeiten auf einen Tag, da wir nur einmal in der Woche Schule haben. Im Büroalltag lerne ich sehr viel, was mir in der Schule zugute kommt.
Ich würde mir wünschen, dass der Unterricht entzerrt und eventuell auf zwei Tage pro Woche gelegt wird. Das würde sehr viel Stress von uns nehmen. Doch jetzt genieße ich die viele Zeit im Büro mit meinen Kollegen.


