Frauennetzwerk rückt Führung und Chancengleichheit in den Fokus

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Grafik mit einem Fußball auf einem hellblauen Hintergrund, umgeben von Linien, die ein Spielfeld darstellen, und der Zahl drei.

„Es gibt in keiner Branche so eine Macherinnen-Energie wie in der Touristik.“ Mit diesem Satz brachte Julia Hillenbrand, Vice President Area Management bei Lufthansa, auf den Punkt, was viele der Teilnehmerinnen beim Netzwerktreffen „Macherinnen Touristik“ verbindet: Leidenschaft für die Branche – und der Wunsch, mehr Frauen auf ihrem Karriereweg zu unterstützen.

Doch die Veranstaltung im neu eröffneten Hangar One am Frankfurter Flughafen machte auch deutlich: Engagement und Motivation allein reichen nicht aus. Immer wieder ging es um die Frage, warum Frauen trotz guter Qualifikationen in den Führungsetagen der Touristik noch immer unterrepräsentiert sind, und was Unternehmen selbst dazu beitragen können, das zu ändern.

Zu dem Netzwerktreffen hatte das von Reiseland Franchise initiierte Frauennetzwerk „Macherinnen Touristik“ eingeladen. Es richtet sich an Frauen im touristischen Vertrieb und steht Teilnehmerinnen aus unterschiedlichen Vertriebsorganisationen offen. Durch die Veranstaltung führten die Initiatorinnen Anna Schwingenschlögl (Reiseland Franchise) und Christiane Blaeser (Conneccted Eventagentur).

Mut als Karrierefaktor

Auffällig war, dass viele Vorträge zunächst bei der einzelnen Person ansetzten. Immer wieder fiel das Wort „Mut“: Mut, sich auf eine Führungsposition zu bewerben. Mut, Verantwortung zu übernehmen. Mut, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Julia Hillenbrand beobachtet, dass Frauen häufig zögern, wenn sie nicht jede Anforderung einer Stellenausschreibung erfüllen. Männer seien in dieser Hinsicht oft weniger zurückhaltend. „Ganz wichtig ist, mutig und neugierig zu sein“, sagte sie. Gerade internationale Erfahrungen und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren, seien wichtige Voraussetzungen für die persönliche Entwicklung.

Dass Mut ganz unterschiedliche Formen annehmen kann, zeigte Anna Wieting. Die Inhaberin der Reiselounge Oldenburg machte sich mit 26 Jahren selbstständig – nur wenige Monate bevor die Corona-Pandemie die Reisebranche zum Stillstand brachte. Gemeinsam mit ihren beiden Schwestern kämpfte sie sich durch die Krise. Heute setzt ihr Reisebüro, für dessen Gestaltung Wieting schon Drittplatzierte beim Globus Award wurde, erfolgreich auf Individual- und Fernreisen. Viele Kundinnen und Kunden erreicht sie über Social Media. Ihr Rat an andere Gründerinnen: Nicht auf den perfekten Moment warten, sondern an die eigenen Fähigkeiten glauben.

Wenn Strukturen Karriere ausbremsen

Je länger die Diskussionen dauerten, desto stärker verschob sich der Blick: weg von den individuellen Karrierewegen, hin zu den Strukturen, die Karrieren ermöglichen – oder verhindern. Stefanie Berk, ehemalige Vorständin bei Thomas Cook und der Deutschen Bahn sowie heute stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Reisebürokooperation AER, machte deutlich, dass Vereinbarkeit keine private Organisationsfrage sei. Flexible Arbeitsmodelle, Jobsharing und familienfreundliche Rahmenbedingungen seien entscheidend dafür, ob Frauen Führungsverantwortung übernehmen könnten.

Auch Sabrina Edelmann, Regional Director Sales bei Orascom Hotels Management, berichtete von veränderten Arbeitswelten. In ihrem internationalen Team sei mobiles Arbeiten längst selbstverständlich. Sie erinnerte sich an frühere Stationen ihrer Karriere, in denen nach einer Elternzeit zunächst nur eine Rückkehr in Vollzeit möglich gewesen sei – aus heutiger Sicht kaum noch zeitgemäß.

Immer wieder kam aus dem Publikum die Frage auf, wie sich Führungsverantwortung und Familie vereinbaren lassen. Ein Patentrezept hatte keine der Referentinnen. Einigkeit bestand jedoch darin, dass Unternehmen die Rahmenbedingungen schaffen müssen, damit beides möglich ist.

Nachwuchs & Netzwerk

Wie sich gleichzeitig die Erwartungen des Nachwuchses verändern, beschrieb Cassandra Ferebee, Bereichsleiterin Personal und Training bei Reiseland. Junge Beschäftigte fragten heute früher nach Karrierewegen, Entwicklungsmöglichkeiten und Gehaltsstrukturen. Das sei kein Zeichen mangelnder Leistungsbereitschaft, sondern eines gestiegenen Bedürfnisses nach Transparenz und Planbarkeit. Gerade in einer Branche, die vielerorts um Nachwuchs ringt, werde das zunehmend zum Wettbewerbsfaktor.

Ein Thema zog sich nahezu durch alle Gespräche: Netzwerke. Kaum eine Referentin führte ihren beruflichen Weg ausschließlich auf eigene Leistung zurück. Immer wieder war von Menschen die Rede, die Türen geöffnet, Verantwortung übertragen oder Mut gemacht hatten.

„Netzwerk ist alles“, sagte Julia Hillenbrand. Astrid Oberhummer, Gründerin von Lobster Experience, formulierte es mit einem Augenzwinkern: Ihr berufliches Netzwerk habe sie sich „auf der Tanzfläche und an Hotelbars“ aufgebaut. Dahinter stand jedoch eine ernste Botschaft: Frauen sollten ihr Wissen weitergeben, sich gegenseitig fördern und Konkurrenzdenken überwinden.

Mehr als ein individuelles Problem

So entwickelte sich aus den vielen persönlichen Geschichten im Laufe des Tages eine grundsätzliche Diskussion über Chancengleichheit. Dass Frauen selbstbewusst auftreten und Chancen ergreifen sollten, darüber herrschte auf dem Podium weitgehend Einigkeit. Ebenso deutlich wurde aber auch: Mehr Mut allein wird die Geschlechterverteilung in den Führungsetagen nicht verändern.

Diesen Gedanken griff Sophia Krekel von Dertour zum Abschluss auf. Sie sprach über Sprache, Sichtbarkeit und unbewusste Mechanismen in Meetings – darüber, dass Frauen häufiger vorsichtig formulieren, öfter unterbrochen werden und ihre Beiträge stärker hinterfragt würden als die ihrer männlichen Kollegen. Frauen sollten ihre Aussagen selbstbewusster vertreten, Unterbrechungen nicht einfach hinnehmen und unangemessene Kommentare direkt ansprechen.

Gleichzeitig machte Krekel deutlich, dass solche Verhaltensänderungen allein nicht ausreichen. Mit Blick auf die zuletzt auch in der Branche geführte Debatte über die sogenannte gläserne Decke – also über unsichtbare Hürden, die Frauen trotz gleicher Qualifikation den Aufstieg in Führungspositionen erschweren – sagte sie: „Es geht nicht ums Glauben. Das sind Fakten. Wir haben ein strukturelles Problem – und das müssen wir auch benennen dürfen.“