Cashback, Nachwuchs und Ausbildung: Ann-Katrin Lukasiewicz zieht nach einem Jahr im DRV-Vorstand Bilanz. Sie erklärt, warum Reisebüros ihr Image modernisieren, mehr ausbilden und stärker mit dem Verband zusammenarbeiten müssen.

Ann-Katrin Lukasiewicz (37), Inhaberin der Reiseagentur Grenzenlos in Emsdetten, ist seit 20 Jahren in der Touristik. 2014 machte sie sich mit ihrer Reiseagentur Grenzenlos in Emsdetten selbstständig und hat heute neun Mitarbeiter. Seit einem Jahr ist sie zudem im DRV-Vorstand aktiv. Im Vorfeld des DRV-Hauptstadtkongresses, der am 15. Oktober in Berlin startet, spricht sie über Cashback, Nachwuchs, Verbandsarbeit und die Herausforderungen für die Branche.
Frau Lukasiewicz, Sie sind seit einem Jahr im DRV-Vorstand. Was hat Sie bewogen, als Kandidatin anzutreten? Es war kein lang gehegtes Ziel von mir, im Vorstand eines Verbandes zu sitzen. Irgendwann habe ich aber gedacht: Wenn ich mich über Dinge ärgere, kann ich auch versuchen, etwas zu verändern und Impulse zu setzen, anstatt nur darüber zu meckern.
Welche Themen waren das? Das weiß ich nicht mehr so genau. Heute ist es zum Beispiel das Thema Cashback, weil es den Wert von Reisen und besonders den Mehrwert der Beratung in Frage stellt – auch wenn es mein Team und mich zum Glück weniger betrifft.
Warum ist Cashback bei Ihnen weniger ein Thema? Emsdetten ist keine Großstadt, vieles läuft persönlicher. Außerdem verkaufen wir viele individuelle Rundreisen. Wir erklären früh, dass es bei uns kein Cashback gibt und Reisen für uns immer noch ein Prestigeprodukt sind. Wenn man sich vor Augen führt, dass rund 80 Prozent der Weltbevölkerung noch nie ein Flugzeug von innen gesehen haben, bekommt man eine andere Perspektive. Ich finde es deshalb schade, wenn Reisen immer stärker nur über den Preis verkauft wird. Außerdem: Wenn sich herumsprechen würde, dass wir Prozente geben, könnte ich mein Büro zumachen.
Kampf gegen das verstaubte Reisebüro-Image
Ein großes Thema ist auch der Nachwuchs. Was muss sich ändern? Wir müssen aus meiner Sicht das verstaubte Image des Reisebüros verändern. Es gibt so viele moderne Büros mit viel Know-how, die aber zu wenig sichtbar sind. Deshalb brauchen wir mehr Imagearbeit und müssen jungen Menschen zeigen, was den Beruf heute ausmacht und wie vielseitig er ist. Gleichzeitig müssen wir auch Reisebüros wieder stärker zum Ausbilden bewegen. Ich engagiere mich deshalb auch im Bildungsausschuss des DRV. Das Thema liegt mir sehr am Herzen.
Was läuft bei der Ausbildung falsch? Die Zahlen an den Berufsschulen gehen in Teilen weiter zurück und gefährden den Bestand. Die Umsetzung der Lehrpläne geht oft an der Realität vorbei. Auch die Darstellung des Berufs muss moderner werden. Ich habe ein Ausbildungsvideo aus der Schweiz gesehen, das den Beruf sehr dynamisch und spannend zeigt – inklusive Themen wie Krisenberatung. So etwas brauchen wir auch bei uns. Das Video der Agentur für Arbeit ist für meine Begriffe hoffnungslos veraltet.
Wie sollte man dieses Thema angehen? Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Der DRV kann informieren, Impulse geben und den Austausch fördern. Aber auch Ketten, Kooperationen und die Reisebüros selbst müssen mitmachen.
Ein Schwerpunkt: New Work
Sie beschäftigen sich zudem auch mit New Work. Warum? Das Arbeitsleben hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark verändert. Mitarbeitende heute haben andere Bedürfnisse und Erwartungen als früher. Dazu kommen unterschiedliche Vorstellungen der Generationen – hier gilt es, eine gemeinsame Basis zu finden, damit „Jung“ und „Alt“ voneinander profitieren. Das wird aktuell meiner Meinung nach noch zu wenig thematisiert.
Was sagen Sie zur Kritik, dass der DRV zu wenig für die Reisebüros tut? Das würde ich nicht sagen. Aber ich würde mir mehr Input aus der Branche und von den Reisebüros wünschen. Wenn ich wissen soll, welche Themen mehrheitlich bewegen, muss mir die Branche das auch sagen. Wir in der Säule A sind ja quasi das Sprachrohr der Reisebüros. Häufig fehlt allerdings auch draußen das Verständnis für die Arbeit, die hinter den Kulissen passiert.
Blick hinter die Kulissen
Haben Sie ein Beispiel? Nehmen wir das Thema Schlussabrechnung. Die Bedingungen und Vorgaben haben sich während der Laufzeit mehrfach verändert. Mit der abschließenden Prüfung der Schlussabrechnungen besteht auch für manche Reisebüros das Risiko erheblicher Rückzahlungen, weil unklar ist, nach welchen Bedingungen bewertet wird. Da hat der DRV von Beginn an bis heute viel Arbeit investiert, um die Interessen der Branche zu wahren. Auch das Thema Empco haben wir diskutiert und unsere Mitglieder frühzeitig informiert.
Wie viel Zeit investieren Sie in die Verbandsarbeit? Im Schnitt schätzungsweise zehn Stunden im Monat, mal mehr, mal weniger. Dazu kommen Vorstandssitzungen, Online-Termine, Veranstaltungen und spontane Termine. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Arbeit ehrenamtlich ist.
Wie fällt Ihre Bilanz nach einem Jahr aus? Es war mein erstes Jahr in der aktiven Verbandsarbeit und im Vorstand – da gilt es, sich erst einmal einzufinden. Es ging darum, Abläufe, Zuständigkeiten und Funktionen zu verstehen. Themen richtig anzustoßen und zu bewegen, bedarf guter Vorarbeit – das braucht manchmal auch mehr Zeit als vielleicht gedacht. Ich freue mich sehr auf alles, was kommt und was wir für die Branche bewegen können.
i
DRV-Hauptstadtkongress
Der DRV-Hauptstadtkongress findet am 15. und 16. Oktober statt. Themen sind unter anderem europäische Tourismuspolitik, wirtschaftliche Herausforderungen, Nachhaltigkeit, neue Destinationen sowie Digitalisierung und KI. Im Fokus stehen dabei die Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit der Reisewirtschaft.


