Ausbildungszahlen sinken: DRV fordert Modernisierung

Die Reisebranche in Deutschland bekommt den Nachwuchsmangel immer deutlicher zu spüren. Bis zum 30. September 2025 wurden nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) 957 neue Ausbildungsverträge für Tourismuskaufleute abgeschlossen – 6,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit schrumpft die Zahl der Neuverträge deutlich stärker als der gesamte Ausbildungsmarkt, der um 2,1 Prozent nachgab, sagt Albin Loidl. Dies sei ein „klares Warnsignal“.

Auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) verzeichnet in ihrer aktuellen Ausbildungsstatistik einen deutlichen Rückgang um rund 6,34 Prozent. Begannen 2024 noch 946 Männer und Frauen eine Ausbildung zum Tourismuskaufmann und zur Tourismuskauffrau, so waren es im vergangenen Jahr noch 886. Die Statistik ist noch nicht veröffentlicht, soll aber demnächst auf der Website der DIHK einsehbar sein.

Der Rückgang ist laut dem Deutschen Reiseverband kein Ausreißer, sondern Teil einer längeren Entwicklung. 2015 wurden noch 1.615 neue Verträge registriert, der Einbruch in der Corona-Pandemie wirkt bis heute nach. Hinzu kommt der demografische Druck: Für dieses Jahr werden laut Kultusministerkonferenz nur noch rund 750.000 Schulabgänger erwartet – so wenige wie nie zuvor, erklärt Loidl.

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Sinkende Zahlen vor allem im Westen

Besonders im Westen gingen die Zahlen zurück, was nach Einschätzung des DRV Folgen haben könnte. Betroffen seien große Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen, aber auch kleinere wie Bremen, das Saarland und Brandenburg. „Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf Berufsschulstandorte und die Ausbildungsinfrastruktur insgesamt“, mahnt Loidl und fordert, die Rahmenbedingungen zu verbessern und die duale Ausbildung zu stärken.

Für Unternehmen reiche es inzwischen nicht mehr, nur Aufmerksamkeit zu erzeugen. Entscheidend sei, ob sie als Arbeitgeber überzeugen – etwa durch Bezahlung, Entwicklungschancen, Teamkultur und sinnstiftende Tätigkeiten.

Gleichzeitig fordert der DRV eine Modernisierung der Ausbildung. Der Ausbildungsrahmenplan stammt aus dem Jahr 2011; digitale Kompetenzen und zeitgemäße Lernformen seien darin nicht ausreichend berücksichtigt. „Wir brauchen eine moderne, praxisnahe Ausbildung“, so Loidl.

Ein gelber Hintergrund mit Icons. Eine Lupe vergrößert ein Buch.
Der DRV fordert, die Ausbildung zu modernisieren. Foto: Pakorn Supajitsoontorn/iStock

Komplexe Umsetzung

Die Umsetzung ist jedoch komplex. In der dualen Ausbildung greifen Bund, Länder, Kommunen und Betriebe ineinander, größere Reformen können nur auf Bundesebene angestoßen werden und dauern meist Jahre.

Auch auf der DRV-Jahrestagung auf den Azoren ging es um das „Berufsbild der Zukunft“. Teilnehmende einer Diskussionsrunde lieferten laut Verband Impulse, wie die Ausbildung kurzfristig modernisiert werden könnte – etwa durch eine Überarbeitung des Prüfungskatalogs und eine stärkere Nutzung von Projektarbeiten im schulischen Umfeld.

Wandel als Chance

Eine vollständig einheitliche Gestaltung der Ausbildung bundesweit bleibt systembedingt schwierig. „Gerade deshalb ist der Austausch zwischen allen Beteiligten entscheidend“, sagt Loidl.

Aus seiner Sicht ist die Modernisierung dringender denn je. Die Branche stehe vor tiefgreifenden Veränderungen: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern Geschäftsmodelle und lassen klassische Wertschöpfungsstufen verschwimmen. „Wir dürfen die Risiken nicht unterschätzen, zugleich entstehen neue Chancen – vor allem für Unternehmen, die den Wandel aktiv gestalten“, so Loidl. „Und hier kommt auch die nächste Generation ins Spiel: Junge Menschen bringen neue Ideen, neue Perspektiven und den Mut mit, Dinge anders zu denken und zu machen. Sie zeigen uns: Wandel ist nicht nur Herausforderung – sondern vor allem Chance.“

Welche Stellschrauben es gibt, um die Rahmenbedingungen der Ausbildung zu verbessern, hat vor kurzem Roksana Pilat im Gespräch mit touristik aktuell erläutert. Pilat zeichnet seit 2025 für die Nachwuchs-Offensive der Reisebüro-Kooperation Best-Reisen verantwortlich und fordert ebenfalls, eine Überarbeitung der Ausbildungsinhalte. Um die Attraktivität des Berufsbildes zu steigern, könnten Reisebüro-Inhaber zusätzliche Maßnahmen ergreifen: flexiblere Arbeitszeitmodelle, leistungsabhängige Gehaltsbestandteile und zusätzliche Benefits. Im oft hektischen Reisebüro-Alltag fehle nicht selten die Zeit, sich intensiv um Auszubildende zu kümmern. Dass manche Azubis selbst im zweiten Lehrjahr noch keine eigenen Kundengespräche führen, hält sie für demotivierend.