Ein Kurs mit dem Titel „Reisebüro war gestern – heute buche ich selbst“, der bundesweit an verschiedenen Volkshochschulen angeboten wird, sorgt in der Touristikbranche für Kritik.
„Es ist bemerkenswert, wie leichtfertig eine öffentlich finanzierte Bildungseinrichtung mit einer ganzen Branche umgeht“, schreibt Touristik-Manager Andreas Lambeck auf Facebook. Der Kurstitel sei nicht nur unsensibel, sondern zeuge von mangelndem Bewusstsein für wirtschaftliche Realität und gesellschaftliche Verantwortung. Für diese Einschätzung erhält er viel Zustimmung.
Kurstitel problematisch
Auch andere Branchenvertreter teilen die Kritik. Ein Reisebüro-Inhaber aus Heidelberg betont, grundsätzlich sei ein Kurs zu Online-Buchungen legitim. Problematisch sei jedoch die wertende Überschrift. Eine Volkshochschule müsse befähigen, abzuwägen und zu verstehen – nicht Berufsgruppen pauschal für überholt erklären.
Der Deutsche Volkshochschul-Verband zeigt Verständnis für die Irritation, die der Titel auslöse. Gleichzeitig verweist eine Sprecherin darauf, dass Volkshochschulen mit ihren Angeboten auf gesellschaftliche Bildungsbedarfe reagierten und Menschen dabei unterstützten, sich sicherer im digitalen Raum zu bewegen.
VHS-Sprecherin: Kurs will grundlegende Kompetenzen vermitteln
Ziel des Kurses sei es, grundlegende Kompetenzen im Umgang mit Online-Buchungsportalen zu vermitteln, Orientierung zu geben und für Themen wie Preisvergleiche, versteckte Kosten und sichere Buchungen zu sensibilisieren. Auch der Aspekt der digitalen Teilhabe spiele eine Rolle, etwa für Menschen ohne Zugang zu einem stationären Reisebüro.
Der Titel sei möglicherweise „unglücklich und unnötig polarisierend“, so die Sprecherin. Eine gezielte Diskreditierung der Reisebranche sei damit jedoch nicht verbunden. Entscheidend sei, Verbraucherinnen und Verbraucher zu informierten Entscheidungen zu befähigen – online wie offline.
VHS Bochum ändert Kurstitel
Da der Titel des Kurses polarisiert, hat die Volkshochschule Bochum reagiert und sowohl den Titel als auch den Ankündigungstext überarbeitet. Die Fortbildung lautet nun: „Meine Reise – Schritt für Schritt zur ersten Online-Buchung“.
Wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilt, haben sich in den vergangenen Tagen zahlreiche Reisebüro-Mitarbeiter per E-Mail beschwert. „Viele haben unsere Ankündigung als abwertende Darstellung von Reisebüros wahrgenommen. Ich möchte gerne betonen, dass wir von dem wichtigen Beitrag, den diese für Reisende aber auch als Arbeitgeber leisten, wissen und diesen schätzen. Dass unsere Ankündigung anders wahrgenommen wurde, tut mir leid“, bedauert die Sprecherin.



