Nationale Tourismusstrategie: Lob von den Verbänden 

Die Bundesregierung hat ihre neue Tourismusstrategie verabschiedet – und erntet von den Spitzenverbänden der Branche großes Lob: Sowohl der Deutsche Reiseverband (DRV) als auch der Bundesverband der Tourismuswirtschaft (BTW), der Mittelstandsverband ASR, der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), der Online-Verband VIR und der Hotelverband Deutschland (IHA) begrüßen den Beschluss „ausdrücklich“. Auch von Deutschlands zweitgrößtem Reisekonzern Dertour kommt Zustimmung.

Die neue Strategie sei ein wichtiges Signal für die Branche „in aktuell nicht immer einfachem Fahrwasser“, fasst BTW-Präsident Sören Hartmann die Einschätzungen der Verbände zusammen. Und DRV-Präsident Albin Loidl kommentiert: „Die Nationale Tourismusstrategie unterstreicht die Bedeutung des Tourismus und der organisierten Reise als wichtige Wachstumsbranche und tragende Säule der deutschen Volkswirtschaft.“

Zusage für Bürokratieabbau

Besonders zufrieden zeigen sich die Verbände über die Zusage der Regierung, ihren Teil zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Branche und zum Bürokratieabbau beizutragen. Diese setze „zentrale Impulse für die Zukunft der deutschen Reisewirtschaft – sowohl für den Inlands- wie auch für den Auslandstourismus“.

Gerade für den Outgoing-Bereich seien „das Bekenntnis und die vorgesehenen Maßnahmen ein deutliches und positives Signal“, betont Albin Loidl. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Reiseanbieter müsse weiter gestärkt werden, „denn Auslandsreisen sind und bleiben das Hauptgeschäft der Reisewirtschaft“, so der DRV-Präsident.

Kosten für Insolvenzabsicherung sollen sinken

Besonders freut ihn, dass die Weiterentwicklung der Insolvenzabsicherung über den Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) nun auch in der Nationalen Tourismusstrategie festgeschrieben ist. Zumal ein klares Ziel definiert worden sei: Die Kosten für die dort abgesicherten Reiseveranstalter sollen sinken.

Aus Sicht von Albin Loidl schaffe die jetzt beschlossene Strategie „eine klare Balance zwischen Wachstum, Qualität und Nachhaltigkeit“ und stärke die Position der Outbound-Branche und ihrer Partner weltweit. Entscheidend sei jetzt, „dass die Politik die geplanten Maßnahmen jetzt auch zeitnah und konsequent umsetzt“.

Dafür gibt es Lob vom DRV:

  • Stärkung der Infrastruktur und Anbindung des Reiselandes Deutschland: Effiziente Verkehrsverbindungen, sowohl auf dem Luftweg als auch an Kreuzfahrthäfen, erleichtern auch den Zugang zu internationalen Reisezielen – sowohl für touristische wie auch für das wirtschaftlich bedeutende Segment der Geschäftsreisen.
  • Klares Bekenntnis zum Luftverkehr und zu wettbewerbsfähigen Standortbedingungen: Die angekündigten Schritte zur Senkung von Sicherheitsgebühren und Standortkosten stärken die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Reiseanbieter und Fluggesellschaften auf internationaler Ebene und damit den Mobilitätsstandort Deutschland.
  • Unterstützung des Kreuzfahrttourismus: Investitionen in Landstromanlagen und Hafeninfrastruktur sind dringend notwendig und schaffen nachhaltige Voraussetzungen für umweltgerechte Kreuzfahrtreisen.
  • Beschleunigung aller Visa-Verfahren: Erleichterte und schnellere Prozesse sind ein entscheidender Vorteil für alle Auslandsreisen.
  • EU-Tourismuspolitik und Pauschalreisen: Die Bundesregierung setzt auf eine „bürokratiearme Pauschalreiserichtlinie“, verzichtet bewusst auf übermäßige Regulierungen („Goldplating“) und will die Vernetzung innerhalb Europas stärken.
  • Digitalisierung und Nutzung moderner Technologien: Innovative Lösungen wie die EUDi Wallet und gezielte Datennutzung eröffnen neue Chancen für Effizienzsteigerungen in der Reisebranche.
  • Fachkräftegewinnung und Arbeitsflexibilisierung: Qualifizierte Kräfte für Deutschland zu gewinnen und flexible Arbeitszeitmodelle umzusetzen, schaffen Planungssicherheit für die gesamte Branche.
  • Dialog mit Verbänden und Fachleuten: Die Bündelung der Fachforen und punktuelle Einbeziehung von Branchenexperten garantiert praxisnahe Umsetzung und kontinuierlichen Austausch.

Grüne: „Ein reines Wünsch-Dir-Was“

Kritik kommt dagegen von den Grünen. Die neue Tourismusstrategie sei „nichts weiter als ein oberflächliches Sammelsurium aus Zielen, Worthülsen und Maßnahmen, die die Bundesregierung längst angekündigt oder beschlossen hat“, so Stefan Schmidt, bei den Grünen Sprecher für Tourismuspolitik. Unter dem Finanzierungsvorbehalt würden aber selbst die vorgeschlagenen Maßnahmen „zum reinen Wünsch-Dir-Was“ verkommen. Schmidt fragt deshalb: „Wo bleibt die Gesamtstrategie für einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Tourismus, für einen Tourismus, der unsere vielfältigen Reiseregionen stark macht, Natur und Umwelt schützt und sich für die Rechte von Reisenden stark macht?“