Die Themenschwerpunkte der Reisebüro-Ketten ähneln in diesem Jahr teilweise denen der Reisebüro-Kooperationen. Auch hier dreht es sich um Technik und Künstliche Intelligenz, Marketing und Personal, zudem geht es um die Stärkung der Netzwerke.Hinzu kommt das Thema Cashback der Online-Portale und Kreditinstitute. Zu diesem Thema läuft eine weitere Umfrage von touristik aktuell unter den Kooperationen sowie den Reisebüro-Ketten.
Darüber hinaus spielt auch die Expansion eine Rolle: In Zeiten sinkender Reisebüro-Zahlen kämpfen die Zentralen verstärkt darum, ihre Mitgliedszahlen zumindest zu halten. Dafür ist es nötig, über aktive Akquise neue Büro für sich zu gewinnen – eine echte Herausforderung. Was erstaunlicherweise nicht in den offziellen To-Do-Listen steht sind die Überbrückungshilfen aus der Corona-Zeit. Denn hier fürchten viele Reisebüros nach wie vor Rückzahlungsforderungen. Die meisten Zentralen stehen ihren Mitgliedern dabei allerdings juristisch bei – auch ohne groß darüber zu sprechen.
Dieser Artikel ergänzt einen Beitrag zu den To-Do-Listen der Reisebüro-Kooperationen, der gestern auf dieser Homepage erschien. Einen Überblick über die einzelnen Kooperationen bekommen Sie in unserem Bereich Counter-Tipps. Hier geht es um die konkreten Projekte der Zentralen der Reisebüro Ketten für dieses Jahr.
ADAC Reisevertrieb
Die stark wachsende Kette will auch dieses Jahr weiter zulegen – sowohl in der Touristik als auch im Bereich Business Travel. Der Einsatz neuer Tools mit einem starken Fokus auf KI wird vorbereitet. Hierbei werden die operative Umsetzung und der jeweilige Mehrwert für Kunden, Expedienten und Wirtschaftlichkeit relevant sein.
Das Informations- und Buchungssystem „Aris“ soll um eine Wissensdatenbank erweitert werden. Ebenso werden der NDC-Content und die damit einhergehenden Prozesse weiter ausgebaut und optimiert.
Weiter heißt es von ADAC: „Unser neues Newsletter-Tool wird den Versand, die Datenqualität und die Analyse dazu weiter verbessern, sodass wir einen noch größeren Erfolg beim sinnvollen Einsatz unserer Kundendaten sehen werden.“
Alltours Reisecenter
Auf der Agenda der Franchise- und Filialkette stehen unter anderem die Fortführung der Förderung und Unterstützung der Büros bei lokalem Marketing durch individuelle und exklusiv geschnürte MarketingPakete. Dabei sollen auch die Synergie-Effekte durch das Veranstalter-Marketing noch besser genutzt werden. Zudem soll noch mehr in Social Media investiert werden.
Auf technischer Ebene will die Kette die Zusammenarbeit mit Technikanbietern für eine bessere Qualität der Kundendaten intensivieren und parallel dazu die Automation vorantreiben.
Derpart
Die 2025 neu eingeführten Systeme „Dors“ und „DERfare“ sollen in diesem Jahr weiterentwickelt werden. Darüber hinaus wurde eine konzernweite Strategie zur gezielten Generierung von Online-Leads vorgestellt, mit der dem rückläufigen Kundenverkehr in den Innenstädten aktiv begegnet werden soll. Ziel ist es, neue Kundenkontakte über digitale Kanäle zu gewinnen und diese effektiv in die Reisebüros zu überführen. In diesem Jahr sollen zudem neue Websites für Reisebüros sowie ein komplett überarbeitetes Infonet an den Start gehen. Zudem wird die digitale Customer Journey der Reisebüro-Kunden durch eine moderne, KI-gestützte CRM-Strategie ausgebaut. Diese ermögliche eine noch gezieltere, personalisierte Betreuung und schaffe „spürbare Vorteile“ in der Bestandskundenpflege, heißt es von Derpart.
Holiday Land
Digitalisierung, Nachfolgeregelungen und die Stabilisierung der Umsätze in den Mitgliedsbüros sind die Top-Themen des neuen Geschäftsführers Michael Sawang. So seien „noch viel zu wenige“ Holiday-Land-Büros in Social Media aktiv. Luft nach oben gebe es auch beim Thema Künstliche Intelligenz, heißt es weiter.
Ein großer Schritt nach vorn war laut Sawang der jüngst erfolgte Start des neuen Website-Konzepts, bei dem auf Wunsch auch eine Internet Booking Engine (IBE) von Amadeus eingebunden werden kann. „Wir konnten die Nutzerzahlen der IBEs verdoppeln – inzwischen haben sie 50 Prozent der Büros“, berichtet Mitgeschäftsführer Detlef Schroer. Zu den Vorteilen der Buchungslösung gehörten eine direkte Durchbuchbarkeit sowie größerer Content im Vergleich zum bisher genutzten Tool von Schmetterling.
LCC
Die veränderten Reisebedürfnisse der Generationen Z und Alpha, das Potenzial der Künstlichen Intelligenz, der Trend der „Achtsamkeit“ sowie Führungsverantwortung sind einige der diesjährigen LCC-Themen. Zudem gehe es darum, das Franchise-System „strategisch und kulturell“ weiter zu entwickeln, so die Geschäftsführer Markus Orth und Heiko Brix während der jüngsten Jahrestagung auf Malta. Derzeit ist LCC in 110 Ländern vertreten. Von den 600 Büros befinden sich 280 in Deutschland.
Sowohl national als auch international will LCC verstärkt in die Nische gehen. „Wir wissen zum Beispiel, dass wir mit dem Thema Luxusreisen gut punkten können“, erklärte Orth, „Wir haben die Kundenbasis dafür, das ist wie eine Lebensversicherung.“ Zudem soll das internationale Lieferantenportfolio mit neuen Airline-, Hotel- und Technologiekonzepten wachsen.
Reiseland
Das Ausbildungsprogramm für Nachwuchskräfte (Jumas: Jung – mutig – anders) soll in diesem Jahr weiter ausgebaut werden. Dies gilt auch für die von Reiseland initiierte Bewegung „Macherinnen #Touristik“. Für das Frauen-Netzwerk ist auch eine eigene Reise geplant. Sie wird unter dem Motto „We rise by lifting others“ in die Türkei führen, um dort mit Frauen aus der türkischen Tourismusbranche ins Gesprächzu kommen.
Gemeinsam mit Tourismus Zukunft wurde zudem ein Projekt gestartet, das sich mit der Attraktivität von Arbeitsplätzen und Neugründungen im Reisevertrieb – insbesondere für die Generation X – befasst. Darüber hinaus baut Reiseland die Unterstützungsangebote für Nachfolgeprozesse und Neugründer weiter aus, unter anderem durch Podcast-Formate und Beratungsangebote.
RSO
Neben Kundenbindungsmaßnahmen für Bestandskunden geht es bei der inhabergeführten RSO-Kette dieses Jahr vor allem um die Akquise von Neukunden. Dabei spiele die Technik in Bezug auf spezifizierte Selektion und Kundenansprache per „Rapidmail/Newsletter“ sowie alle zielführenden Social Media Netzwerke im „klugen Zusammenspiel mit künstlicher Intelligenz“ eine besondere Rolle, berichtet Geschäftsführer Carsten Seelmeyer.
Großen Wert legt RSO zudem auf den Ausbau der hauseigenen Akademie für Azubis, duale Studenten und Quereinsteiger. Neben dem Trainer- und Entwicklungsteam sind dabei auch Mitarbeiter Teil der Trainingsmodule, um die Lernenden „zielführend voranzubringen“, so Seelmeyer.
TUI-Franchise
Mit der zweiten Auflage der „Counter Profi Tagung“ im März im Paloma Sencia im türkischen Belek setzt TUI-Franchise die Strategie fort, Mitarbeiter am Point of Sale gezielt zu fördern und mit Expertenwissen rund um Sortiment, Marketing und Technik zu versorgen. Zudem soll die Recruiting-Seite 2.0 weiter ausgebaut werden: Zukünftig können dort auch Mitarbeitende und Büroleiter gesucht werden.
Weiterer Schwerpunkt ist die Social-Media-Akademie mit Trainings in drei Modulen, je nach Kenntnisstand und Aktivität der Anwender. Bei der Technik wird Whatsapp als zusätzlicher voll integrierter Kommunikationskanal Teil der Midoffice-Systeme. Zudem ist ein neues Statistik-Tool für das einfache Steuern von Umsatz und Erlösen geplant. Im Midoffice-Umfeld geht es um optimierte Lösungen rund um digitale Unterschriften und KI-Lösungen.
TVG (Sonnenklar/Flugbörse)
Die zur RT-Group gehörende TVG-Kette richtet ihre Technik- und Marketing-Strategie eigenen Angaben zufolge auf Kundennähe, Sichtbarkeit und Effizienz aus. Alle Kommunikationskanäle – von Websites über Social Media und Newsletter bis hin zu Digital Signage – werden weiterentwickelt und eng miteinander verzahnt.
KI-Anwendungen sollen Prozesse vereinfachen, Inhalte automatisch optimieren und zielgerichteter ausspielen. Ziel ist eine höhere Markenpräsenz, mehr Vertrauen im Kundenkontakt und eine konsequent digitalisierte Unterstützung der Franchisepartner am Point of Sale.
Darüber hinaus sollen „Umsatzplaner“ den Mitgliedsbüros eine „deutlich übersichtlichere und leichter zu steuernde Grundlage“ für die betriebswirtschaftliche Planung geben, so Geschäftsführerin Birgit Aust. Analysen würden transparenter, Maßnahmen könnten schneller abgeleitet werden. „Das ist ein echter Gewinn für die unternehmerische Steuerung der angeschlossenen Reisebüros“, freut sich die TVG-Chefin.




