Reiseversicherer: Assistance-Kosten steigen deutlich

Ein großes, weißes Hinweisschild mit der Aufschrift Hospital-West Entry, Drop-Off und Emergency steht vor einem modernen Klinikgebäude unter blauem Himmel.
Behandlungen im Krankenhaus sind führend bei Assistance-Leistungen – und die werden oft richtig teuer. Foto: CHUYN/iStock

Steigende Behandlungskosten, teurere Rücktransporte und komplexere Fälle: Die Assistance-Abteilungen der Reiseversicherer stehen unter wachsendem Kostendruck. Mehrere Anbieter haben bereits ihre Prämien angepasst. Zugleich mangelt es den Reisenden an Kostenbewusstein.

Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei der Hanse Merkur aus: Allein von 2024 auf 2025 hätten sich die Aufwendungen für Assistance-Dienstleistungen „nahezu verdreifacht“, während die Zahl der Fälle nur um rund 50 Prozent gestiegen sei, so der Hamburger Versicherer auf Anfrage von touristik aktuell. Als Gründe nennt das Unternehmen mehr Fernreisen, einen wachsenden Anteil älterer Reisender sowie komplexere Rücktransporte erkrankter oder verunglückter Urlauber.

Ambulanzflüge werden häufiger nötig

Nach Angaben von Allianz Partners fallen Behandlungen in einzelnen Märkten teils umfangreicher aus, als es medizinisch zwingend nötig sei. Die Ergo Reiseversicherung (ERV) verweist zudem darauf, dass Fluggesellschaften ihre Kapazitäten für Tragenplätze in Linienmaschinen reduziert haben, weshalb häufiger auf kostspieligere Ambulanzflieger zurückgegriffen werden müsse.

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Luftaufnahme der Küstenregion Kekova bei Antalya mit Booten im türkisfarbenen Wasser, überlagert mit dem Logo der anex gruppe und Textbausteinen.

Entsprechend haben mehrere Anbieter ihre Beiträge angepasst. Die Allianz erhöhte die Prämien für die Auslandsreise-Krankenversicherung nach eigenen Angaben „moderat“, die ERV nahm Anpassungen im Rahmen ihrer Tarifreform zum 1. April 2025 vor. Die Hanse Merkur erhöhte Prämien für Neuverträge, hielt die Bestandsbeiträge jedoch stabil. Die Union Reiseversicherung (URV) hat indes ihre Prämien seit zwei Jahren nicht verändert und plant nach eigener Aussage auch in diesem Jahr keine Erhöhung.

Urlauber unterschätzen Kosten drastisch

Wie wenig Reisende über die tatsächlichen Kosten wissen, zeigt die aktuelle Reisestudie „Hand in Hand on Tour“ der Hanse Merkur. Demnach schätzen Befragte die Behandlungskosten einer Atemwegserkrankung in Ägypten im Schnitt auf 200 Euro – tatsächlich könne sie mehr als das Siebenfache betragen. Für einen Ambulanzflug von Spanien nach Deutschland bezifferten vier von zehn Befragten die Kosten auf unter 5.000 Euro, während sie in Wirklichkeit im Schnitt fast fünfmal so hoch lägen. Zudem wisse laut Untersuchung nur jeder Dritte, dass auch für Reisen innerhalb Europas eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung notwendig sei.

Im operativen Alltag dominieren weniger die spektakulären Ambulanzflüge als vielmehr stationäre Krankenhausaufenthalte. Bei der ERV sind die meisten Assistance-Fälle mit Klinikaufenthalten verbunden, häufige Diagnosen seien Gastroenteritis, Atemwegserkrankungen und andere Infekte. Bei der Hanse Merkur betreffen rund 75 Prozent aller gemanagten Versicherungsfälle die Organisation und ärztliche Begleitung stationärer Behandlungen.

Hoher operativer Aufwand bei der Assistance

Die Assistance-Abteilungen selbst stützen sich auf umfangreiche internationale Netzwerke. Die ERV koordiniert ihre Fälle über ein konzerneigenes „Euro-Center“ mit drei operativen Hubs in Prag, Helsinki und Bangkok sowie elf regionalen Niederlassungen und einem Netzwerk von mehr als 71.000 zertifizierten Krankenhäusern und Ambulanzen. Allianz Partners arbeitet mit einem eigenen internationalen Netzwerk aus medizinischen Experten und Servicepartnern. Die Hanse Merkur kooperiert unter anderem mit MD Medicus, den Maltesern und der Deutschen Assistance, die bei der URV als zentraler Partner fungiert.

Weitere Berichte und Neuigkeiten rund um das Thema Reiseschutz finden Sie im Themenschwerpunkt Versicherungen in der aktuellen Ausgabe von touristik aktuell (ta 15/2026), die auch als E-Paper erhältlich ist.