Ein weißer Fleck wird bunt

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Eine Person steht auf einem Felsvorsprung mit spektakulärem Blick über ein tief eingeschnittenes Tal und eine Serpentinenstraße, die sich durch die grüne Berglandschaft Angolas windet.
Weitblick auf die Serpentinenstraße Serra-de-Leba. Foto: sl
Ein imposanter Wasserfall stürzt über eine breite Felskante in ein nebelverhangenes Tal, umgeben von dichter, grüner Vegetation.
Beeindruckend: die Kalandula-Wasserfälle. Foto: sl
Eine Wandmalerei zeigt ein farbenfrohes Gesicht mit einem echten Baum, dessen Blätter wie Haare aus dem Kopf wachsen; eine Frau in rotem Kleid läuft daran vorbei.
Beeindruckend: die Kalandula-Wasserfälle. Foto: sl

„Angola? War für mich ein weißer Fleck auf der Landkarte“, sagt Christina Grupe von Go East Reisen aus Hamburg. Und ist damit wahrlich nicht alleine. Denn beim Thema Angola als Reiseland sieht man auch bei 
erfahrenen Touristikern noch ziemlich dicke Fragezeichen in den Augen.

Das soll sich ändern – und zwar so schnell wie möglich. 50 Jahre nach dem Ende der portugiesischen Kolonialzeit und mehr als 20 Jahre nach dem blutigen Bürgerkrieg scheint die Zeit nun reif für ein neues Kapitel in der internationalen Wahrnehmung Angolas. Die Überschrift dafür lautet: Tourismus.

Startschuss im Juni

Der Startschuss für den deutschsprachigen Markt erfolgte Anfang Juni mit einem ein-
wöchigen Famtrip für Reiseveranstalter. Mit dabei waren unter anderem Produkt-Manager von Diamir, Chamäleon Reisen, Studiosus und Geoplan. Eingeladen hatten im Auftrag des angolanischen Tourismusministeriums die PR-Agentur Kleber Group aus Frankfurt sowie der ASR Bundesverband, der im Vorfeld die Auswahl der Teilnehmer getroffen hatte. Das Reiseprogramm kam von Diamir Erlebnisreisen – einem der wenigen Veranstalter, die Angola schon seit vielen Jahren anbieten.

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Läuft alles nach Plan, werden in den kommenden Monaten weitere Veranstalter hinzukommen. Denn dass Angola derzeit noch sehr unter dem touristischen Radar fliegt, liegt keinesfalls an fehlenden Attraktionen.

„Mein Highlight waren die Kalandula-Wasserfälle in der Provinz Malanje“, sagt Alexander Krombach, Geschäftsführer von Studiosus Gruppenreisen. „Die sind genauso beein-
druckend wie die Victoria-Fälle, nur ist hier 
absolut nichts los und die Atmosphäre ist sehr entspannt.“

In der Tat spielen zum Sonnenuntergang nur ein paar Kinder im seichten Wasser des Flusses, der den mächtigen, über 100 Meter hohen Wasserfall speist, die Erwachsenen machen es sich 
unterdessen mit einem Feierabendbier auf den blankpolierten Felsen mit Blick auf die Wassermassen gemütlich.

Das Erlebnis an den Kalandula-Wasserfällen steht exemplarisch für das gesamte touristische Angebot in Angola: Die Natur ist zum Niederknien schön – und außer einer Handvoll anderer Menschen ist keiner da, der die Sicht versperrt, drängelt oder anderweitig nervt.

Pur, unverdorben, unberührt

Auch die Menschen sind ausgesprochen herzlich, offen und neugierig und freuen sich über 
jeden, der Interesse zeigt. Mit anderen Worten: Hier kann man noch in aller Ruhe staunen, 
genießen und Eindrücke in einer Art und Weise sammeln, wie das in vielen vom Overtourism geplagten Ländern nicht mehr möglich ist. Oder wie es Serena Bouwer vom Veranstalter The Eco Hunter sagt: „Angola ist ein Land für Entdecker, nicht für Besucher. Weil es noch so pur, unverdorben und unberührt ist.“

Nächstes Beispiel: Tunda-Vala. Der Riss im Felsplateau des Chela-Massivs nahe der schönen und äußerst relaxten Stadt Lubango ist etwa 
130 Meter breit und ziemlich genau einen unfass­baren Kilometer tief. Lediglich eine kleine Mauer schützt vor dem freien Fall. Erneut ist es so einsam, dass niemand diesen sensationellen (oder auch extrem furchteinflößenden) Blick in den Abgrund verstellt. Nur wenige Kilometer von Tunda-Vala entfernt eröffnet sich auf einer weiteren Hochebene die Aussicht auf eine der 
bekanntesten Sehenswürdigkeiten Angolas, die serpentinenreiche Passstraße Serra-de-Leba. Auch hier: nichts los.

Selbst die Fahrt auf den teils gut ausgebauten, teils mit Swimmingpool-großen Schlaglöchern übersäten Straßen und Sandpisten ist ein Erlebnis. Alle paar Kilometer sieht es anders aus: 
Üppige, fruchtbare Landschaften wechseln sich mit weiten Savannen, Wüsten oder wie von Geisterhand in die Natur geworfenen Felsen ab. Zu sehen gibt es also wahrlich genug.

Umso erstaunlicher, dass laut Thomas Thadewaldt von Diamir Erlebnisreisen „in Deutschland kein Bewusstsein dafür da ist, dass es Angola überhaupt gibt“. Die Voraussetzungen wie etwa eine Nonstop-Verbindung mit Lufthansa von Frankfurt nach Luanda und hochwertige Hotels seien durch die florierenden Geschäfte mit Öl und Diamanten ja durchaus vorhanden. „Und da die Angolaner sehr umtriebige und 
geschäftstüchtige Leute sind, sollte sich doch auch im Tourismus etwas machen lassen!“

Genau das ist nun auch der Anspruch der 
zuständigen Behörden. Nicht umsonst wurden die deutschen Reiseveranstalter rund um die Uhr von einem Konvoi aus Mitarbeitern des Tourismusministeriums, einer Schar Fotografen, einem Team des angolanischen Fernsehens und einem Pickup der Polizei begleitet. Es soll nun wirklich nichts mehr schiefgehen bei dem Vorhaben, Angola aus der touristischen Versenkung zu holen.

Historisches Erbe sichtbar machen

Als Verkaufsargument setzt man dabei nicht nur auf die landschaftlichen Highlights. Angolas Tourismus-Staatssekretär Augusto Kalikemala möchte den Besuchern aus Europa auch die teils grausame Geschichte als portugiesische Kolonie und Zentrum des Sklavenhandels vermitteln. „Dieses historische Erbe gehört nun mal zu uns, ebenso wie die traditionelle Lebensweise der verschiedenen Tribes und die heutige Verbindung zur europäischen Kultur“, sagt Kalikemala. „Wir wollen das Beste aus unserer Vielfalt machen und uns als abwechslungsreiches, gastfreund­liches und sicheres Reiseland präsentieren.“

Bei den mitreisenden Tourismusprofis hat das auf jeden Fall schon mal geklappt. Aus dem 
weißen Fleck auf der Landkarte ist ein buntes Sammelsurium unterschiedlichster Eindrücke geworden. Das sich sehr wahrscheinlich in nicht allzu ferner Zukunft in einigen Veranstalterkatalogen wiederfinden wird.


Gut zu wissen

  • Veranstalter: Aktuell haben Diamir Erlebnis­reisen und Geoplan Angola im Programm.
  • Bei Hauser Exkursionen gibt es eine Kombi 
mit ­Namibia.
  • Flüge: Lufthansa fliegt fünfmal pro Woche­ 
nonstop nach Luanda, Inlandsflüge mit TAAG
  • Einreise: Kein Visum nötig, Gelbfieberimpfung erforderlich, weitere Impfungen ratsam
  • Infos: Der Berliner João Garcia hat 2017 die ­Incoming-Agentur Pure & Authentic Tourism in Luanda gegründet: www.angola-tourism.com
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