Nizwa: Pick-ups, Hühner, Krummdolche

Feinstens restauriert: Fort in Nizwa
Feinstens restauriert: Fort in Nizwa. Foto: Oman Tourism

In der Wüstenoase liegen das Gestern und Heute nah beieinander

Ein rosaroter Panther hinter jahrhundertealten Lehmmauern in der Oase Nizwa im Hajjar-Gebirge: Paulchen Panther tobt im Fernsehen des Sultanats Oman durch seine Zeichentrickwelt, und ein halbes Dutzend elegant in weißes Tuch gewandete Araber schauen gebannt auf den Bildschirm. Sie hocken auf dem Fußboden des kleinen Restaurants Bin Atique, haben den traditionellen Krummdolch Khanjar am Gürtel.

Vor ihnen stehen Schalen mit Reis, mit feurig gewürztem Fisch und Gemüse. Gegessen wird traditionell mit der rechten Hand, doch das gerät ins Hintertreffen, solange die tollpatschige Zeichentrick-Gestalt aktiv ist. Ein Fernseher im reichen und hochentwickelten Sultanat an der Spitze der arabischen Halbinsel ist bei Weitem nichts Originelles mehr, aber die rosarote Raubkatze mit den Kulleraugen ist neu in Nizwa – Zeichentrick aus einer anderen Welt.

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Weihrauch, kiloweise Minuten vorher noch wurde das Mittagsgebet aus der Hauptstadt Muscat live im Fernsehen übertragen. Von allen Minaretten der Oase fielen die Muezzins in den Ruf des Vorbeters ein und formten einen stimmgewaltigen Chor: „Allahu akbar!“ schallte es über die meterdicken Festungsmauern und Basare, über Kuppeln, über riesige Palmenhaine und kleine Bäche, zurückgeworfen von den bizarr geformten rotbraunen Wänden des Hajjar-Gebirges.

Ein paar Schritte von hier duftet es nach allen Gewürzen dieser Welt, nach exotischen Früchten und betörenden Blüten, nach Tausendundeiner Nacht. Es riecht nach Fisch aus den Tiefen des Indischen Ozeans, nach Hammel und Huhn: Markt in Nizwa. Weihrauch wird hier für den Hausgebrauch im halben Kilo verkauft, auch das angeblich teuerste Parfum der Welt ist erhältlich: „Amouage“ – kreiert im Auftrag des Sultans, der alle Wohlgerüche des Orients vereint wissen wollte. Aus Rosenwasser, Myrrhe und Weihrauch entstand ein schwerer Duft, der in Bleikristall-Flakons mit vergoldeten Verschlüssen verkauft wird.

Behelligt wird hier wie überall in Oman noch immer niemand. Kein nervtötendes Krämergeschrei, keine vielsprachigen Lockrufe in der Form von „Nur kommen, nur gucken, nix kaufen“ wie in den Reiseländern Nordafrikas, kein lästiges Zupfen an der Kleidung. Zudringlichkeit passt zum einen nicht in die Tradition des stolzen Wüstenvolkes. Zum anderen geht es den Omanis so gut, dass sie derlei Verkaufsgebaren auch gar nicht nötig haben.

Früher durchstreiften die Beduinen das omanische Binnenland auf den Rücken ihrer Kamele. Heute kutschieren sie die Lasttiere von einst bequem auf der Ladefläche eines Pick-up-Trucks.

Benzin fürs Auto, Wasser fürs Kamel An der BP-Tankstelle am Ortsrand der Oase Bahla jedenfalls gibt es 60 Liter Super für den Wagen und drei Flaschen Mineralwasser für das Kamel, das auf der Ladefläche kniet und den langen Hals neugierig über die Brüstung reckt. Den wertvollen Rennkamelen wird jede unnötige Anstrengung erspart, jeder Luxus gewährt – auch den, im Auto durch die Gegend chauffiert zu werden.

Bis 1970 war das Land strikt abgeschottet. Kein Ausländer durfte das Sultanat Oman betreten, kein Einheimischer ausreisen. Sonnenbrillen und Radios waren verboten. Der rosarote Panther war mehr als unerwünscht. Wie schön, dass das jetzt anders ist.

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