Auf den Spuren der Ausgestoßenen

In vielen Regionen Islands liegen die Höfe an den Straßen weit verstreut.
Vom einst geschäftigen Küstenörtchen Budir ist nicht viel mehr als diese Holzkirche geblieben. Fotos: ds

Das Tal Reykholtsdalur lockt wie viele Ecken der Insel mit dampfenden Quellen und malerischen Wasserfällen. Im Osten endet das Tal allerdings im kargen Lavafeld Hallmundarhraun, wo ein Vulkan vor 1.100 Jahren glühendes Gestein übers Land schob. Mehr als 50 Kilometer weit, voller Blasen und Falten. Fast überall in Island entstanden so Höhlen, die frühen Siedler nutzten sie teils als Viehunterstand. Manchmal lebten aber auch Menschen dort, wie Knochenreste verraten. Oft waren es Geächtete. Wie jene Bande, die im 10. Jahrhundert in der Surtshellir-Höhle lebte: „Sie stahlen den Bauern die Schafe, bis die die Nase voll hatten“, berichtet Snorri – im Kampf starben schließlich 18 der Ausgestoßenen.

Mitten in der kargen Lavalandschaft zwischen Flechten und Moosen öffnet sich plötzlich der Boden: zur Vidgelmir-Höhle, einer der größten der Welt. Auch in ihr fand man Knochen aus früheren Jahrhunderten. Dunkel ist es in der Tiefe, wer hinab will, braucht Helm und gute Schuhe, denn der Weg führt durch einen Trichter voll Felsgeröll – ein Seil gibt Halt, die Stirnlampen beleuchten jeden Schritt. Tiefer im Innern wartet eine verwunschene Welt aus Tunneln und Hallen, Stalaktiten und Eisformationen. Schaurig-schön für die Verfemten.

Manche waren tatsächlich Gauner. Andere hatten in Fehden jemanden erschlagen. Dann entschied in der ältesten erhaltenen Demokratie der Welt die Allmännerversammlung, wer welche Schuld trug und – zumindest für eine Weile – verbannt wurde. Erik der Rote etwa zog dadurch in die Ferne und entdeckte Grönland.

Anzeige

Der wohl berühmteste Verbrecher der isländischen Geschichte aber lebte ganz im Westen, auf der Halbinsel Snaefellsnes. Alle Landschaften Islands sind hier zu finden – vom Strand bis zum Gletscher, von der Klippenküste bis zum Vulkan. Nahe der Bucht von Budir, wo heute nur noch eine kleine schwarze Kirche und ein Hotel stehen, trieb Björn von Öxl, „Axlar Björn“, sein Unwesen. Er tötete mit der Zeit 18 Reisende, die in seinem einsamen Gasthaus einkehrten.

„1596 wurde er gefasst und zum Tode verurteilt“, berichtet eine Plakette am Straßenrand. Früher verzeichneten die Sagas die Mörder und Geächteten, heute sind Morde in Island fast nur noch in Krimis zu finden. Die Landschaft aber ist geblieben. Spazierwege ziehen sich über das Lavafeld. Auch zur Budahellir-Höhle – der Legende nach führt ein Tunnel von hier, mit Goldstaub bedeckt, direkt nach Surtshellir.

Newsletter

Newsletter - Touristik aktuell – Reportagen und Analysen für die Reisebranche

Bildergalerien

Schauinsland-Reisen Partner Jahrestagung im Athena Royal Beach Hotel auf Zypern, 11. bis 14. Dezember

Zukunftsthemen, Workshops, Networking: Rund 250 Touristiker waren zu der Jahrestagung von Schauinsland-Reisen Partner nach Zypern gereist. Impressionen von der spannenden Jahrestagung.

Meistgelesen

Qatar Airways streicht Deutschland-Flüge

Qatar Airways reduziert ihr Flugangebot nach Deutschland ab März 2026 deutlich. Insgesamt neun wöchentliche Verbindungen fallen weg, mit Einschnitten vor allem in Berlin, Düsseldorf und Frankfurt. Hintergrund sind Kapazitätsanpassungen und Wartungsarbeiten am Flughafen Doha.

Reiseprofi startet Petition gegen Cashback-Modelle

Ein Reisebüro-Inhaber aus Bergedorf ruft Kollegen zur Unterstützung auf. Nach einer erfolgreichen Branchenpetition nimmt er nun ein weiteres Thema ins Visier – eines, das seiner Meinung nach viele Reisebüros zunehmend unter Druck setzt.

Schauinsland knackt Zwei-Millionen-Marke

Schauinsland-Reisen erreichte 2024/2025 erstmals über zwei Millionen Kunden und steigerte den Umsatz um 11,5 Prozent. Wachstumstreiber waren Thailand, die Malediven und weitere Zielgebiete. Neue Kundensegmente und Synergien entstehen durch die Integration von Explorer.

Bistro Portal: Reiseexpertin startet Petition

Die geplante Abschaltung der Funktion „Nur Hotel“ im Bistro Portal sorgt für großen Unmut in Reisebüros. Eine Münchner Reiseexpertin startete eine Petition, die bereits über 1.300 Unterstützer hat – viele fürchten deutliche Nachteile durch die neue Maske „Hotels & Mehr“.

Mietwagen: Starcar steht vor dem Aus

Der Autovermieter Starcar steht vor der Abwicklung, da bislang kein Investor gefunden wurde. Etwa 600 Arbeitsplätze könnten betroffen sein. Trotz Insolvenz läuft der Betrieb an den Standorten vorerst weiter, jedoch sind Einschränkungen ab Januar 2026 geplant.

Risk Map 2026: Wo Reisen besonders gefährlich ist

Safeture und Riskline haben ihre neue Risk Map 2026...
×