

Andere traditionsreiche Kurbäder haben ihre Thermen für immer geschlossen. Bad Ems dagegen hat sein altes Bad abgerissen und sich einen modernen Neubau geleistet. 2012 wurde er eingeweiht und ist inzwischen eine der größten Attraktionen der Region. „In zwei Stunden kann man hier ein neuer Mensch werden“, verspricht Stefan Kannewischer, dessen Familienunternehmen das schön gestaltete Bad betreibt.
15 verschiedene Heilquellen sprudeln Im 19. Jahrhundert erlebte Bad Ems seinen Aufstieg zum „Weltkurbad“. Kaiser Wilhelm und der russische Zar, Könige und Fürsten sowie Dichter und Musiker gaben sich hier ein Stelldichein. Victor Hugo und Fjodor Dostojewski lustwandelten auf der Kurpromenade. Richard Wagner, Jacques Offenbach und Carl-Maria von Weber erholten sich dort vom Komponieren. Damals war vor allem die Trinkkur en vogue. Fünfzehn verschiedene Heilquellen sprudeln in dem Städtchen bis heute. Und seit 1858 gibt es die beliebten Emser Pastillen, die der Stimme schmeicheln und Sodbrennen lindern.
Bewerbung um Weltkulturerbe Im Sommer 1870 wurde in Bad Ems Weltpolitik gemacht. Die „Emser Depesche“ wurde zum Auslöser des Deutsch-Französischen Krieges. Heute geht es in dem beschaulichen Kurort an der Lahn weit weniger brisant zu. An frei zugänglichen Trinkbrunnen wie dem „Emser Kränchen“, wo einst Kaiserin Eugenie von Frankreich mit der Königin von Rumänien plauderte, laben sich keine Hoheiten mehr. Die bürgerlichen Gäste von heute erobern die Gegend beim Wandern und Mountainbiken oder warten auf den Aufguss in der Klangsauna.
Nun hat sich Bad Ems zusammen mit zehn weiteren europäischen Heilbädern als „Great Spas of Europe“ bei der Unesco um die Anerkennung als Weltkulturerbe beworben. Wie in einer Zeitblase konserviert haben diese Orte die Architektur von einst und den Charme einer Epoche erhalten. In Deutschland sind auch Baden-Baden und Bad Kissingen dabei. „Doch diese beiden Bäder sind ohnehin weltbekannt. Für Bad Ems mit seinen nur 9.000 Einwohnern wäre eine solche Auszeichnung dagegen ein Sensation“, sagt Hans-Jürgen Sarholz vom Emser Stadtarchiv.
Den schönsten Blick auf die Emser Traumkulisse von anno dazumal hat man vom Wintersberg aus. Unten im engen Lahntal drängen sich elegante Fassaden in pastellener Pracht vor jäh sich aufbäumenden Felsen. Weiße Villen zeigen Giebel dekorationen wie bei russischen Landhäusern, eine orthodoxe Kirche reckt ihre goldglänzenden Zwiebeltürme in den blauen Himmel. Und auf der Lahn summen die Elektroboote ein leises Lob auf die Idylle. Weitere Informationen gibt es unter www.bad-ems.de und www.emser-therme.de.


