Rosa Khutor: Sommer im Retortenort

Ruf und Realität klaffen auseinander: Rosa Khutor, jenes Tal eine knappe Fahrstunde von der Schwarzmeerstadt Sotschi entfernt, ist weltweit eigentlich als Wintersportort bekannt. Das liegt daran, dass der Retortenort vor den Olympischen Winterspielen vor vier Jahren entlang des Gebirgsflusses Mzymta aus dem Boden gestampft wurde, damit in den umliegenden Bergen alpine Disziplinen durchgeführt werden konnten.

In Wirklichkeit kommen die meisten Gäste im Sommer: Familien und Wanderer sowie Badeurlauber. Jeden Morgen fahren 20 Busse die Sommergäste nach Sotschi zu den hoteleigenen Badestränden am Schwarzen Meer. Abends kehren sie gut erholt zurück in die Retortensiedlung.

Sie ist eigentlich nichts anderes als eine bunte Ansammlung von Geschäften, Service-Gebäuden und Hotels. Darunter sind bekannte Markenhäuser wie Radisson, Golden Tulip, Mercure und Park Inn. Knapp 3.000 Hotelzimmer stehen zur Verfügung. Die Hotels sind alle gut in Schuss und im Sommer stark gebucht.

Die Promenaden entlang des Flusses sind dann von Urlauberfamilien bevölkert. „Die meisten kommen aus Russland und den umliegenden Ländern“, sagt Alexandr Belokobylski, der Generaldirektor von Rosa Khutor. Über die Gesamtzahl der Urlauber schweigt er sich aus. Nur so viel verrät er: Die Gäste aus Europa machen gerade einmal 1,5 Prozent aus.

Rosa Khutor will deutsche Gäste

Das soll sich nach dem Willen Belokobylskis ändern. Aber die Tal-Manager tun sich schwer mit der Akquise – und mit der Mentalität des von ihnen erhofften deutschen Publikums, für das lange im Voraus geplant werden muss.

Im Vorjahreswinter gelang ein Start mit Direktflügen von Condor von Berlin nach Sotschi und Pauschalpaketen von Bucher Reisen. Das sollte sich dieses Jahr wiederholen, hat sich aber kurzfristig zerschlagen.

Winterarrangements für Rosa Khutor auf dem deutschen Markt sind damit wieder in weite Ferne gerückt, von Sommerangeboten ganz zu schweigen. Dabei hat das Ziel gerade Sommergästen viel zu bieten. Denn auch dann sind die Berge das touristische Kapital. Drei moderne Kabinen-Seilbahnen bringen Gäste in einer halben Stunde hinauf zum Rosa Peak auf 2.300 Meter Höhe.

Wenn ein Reiseführer schreibt, der weite Blick vom Gipfel-Aussichtspunkt auf die Berge des Westkaukasus sei atemberaubend, ist das nicht im Geringsten übertrieben. Ein Panoramaweg führt von dort Richtung Kamenny Stolb, dem mit 2.509 Metern höchsten Gipfel.

Pflicht ist ein Tagesausflug nach Sotschi

Ein Ausflug zur 400.000 Einwohner zählenden Stadt Sotschi, die sich 70 Kilometer entlang der Schwarzmeerküste erstreckt, ist für Kinder natürlich interessanter als Panoramawanderungen.

Der Trip ist ohnehin so etwas wie „Pflicht für jeden Gast“ in Rosa Khutor. Es sind weniger die alten Sanatorien und die anderen Prachtbauten im Stalin-Empire, die Besucher anlocken, als das Strandvergnügen.

Sotschi ist mit 210 Sonnentagen pro Jahr gesegnet. Ist das Wetter nicht optimal, gibt es den Olympiapark. Er ist heute ein stark frequentierter Freizeitpark mit Vergnügungsmöglichkeiten für Eltern und Kinder. Imponierend sind die Beispiele geschickter Nachnutzung von Olympiabauten.

Das Olympiastadion wurde zum WM-Stadion umgebaut. Und so rückt Sotschi bald wieder ins Licht der Öffentlichkeit. Ein wenig von dem Glanz wird auch Rosa Khutor abbekommen – und vielleicht manche Veranstalter bewegen, Winter- und Sommerangebote für die Destination aufzulegen.

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