
Teneriffa kann mehr als Sonne und Strand: Im Norden der Insel treffen der majestätische Teide, das wilde Anaga-Gebirge und geheimnisvolle Lorbeerwälder aufeinander. Selbst Regen wird hier zum Erlebnis – und eröffnet eine ganz besondere Seite der Kanareninsel.
Der Teide räkelt sich in seinem Wolkenbett. Im Morgenlicht reckt der Vulkan den Gipfel deutlich sichtbar in den Himmel. Kein Anzeichen dafür, dass es tief unter ihm seit ein paar Jahren wieder brodelt. Wie überall auf den Kanaren sind diese leichten seismischen Aktivitäten im Inselalltag nicht zu spüren. Die Einheimischen nehmen es gelassen.
Teneriffas Norden: Wo der Teide zum Wolkenbett blickt
Bei El Sauzal wie vielerorts im Norden der Insel scheint manches noch, wie es einst war. Die Sonne, der Atlantik und das grüne, Richtung Küste abfallende Busch- und Palmenland wie auch die roten Dachziegel vor unserer Terrasse setzen den Teide gut in Szene. So klar zu sehen ist er selten. Ein Tag, wie geschaffen, um raus in die Natur zu gehen. Und wir lassen uns davon auch nicht abhalten, als kurz danach der Regen beginnt.
Das kanarentypische, recht frühlingshafte Klima zeigt sich im Norden Teneriffas deutlich feuchter als im Süden. Der große Vorteil ist die wahrlich üppige Vegetation, die jede Landschaft hier zum Traumort macht. Während wir anderswo im Urlaub Schlechtwettervarianten indoor für das Ausflugsprogramm suchen würden, heißt es hier: Regensachen raus und auf nach Anaga.
Durch das wilde Anaga-Gebirge bis an den Atlantik

Dieses Gebirge zählt zu den ältesten Gesteinsformationen der Kanareninsel. Vor Millionen Jahren schuf es ein Vulkan und gab ihm seine wilde und dramatische Gestalt mit scharfkantig gezackten Felsen wie auch steilen Wänden, die in tiefe Schluchten oder weite Täler fallen. Die letzten stoßen auf den Ozean. Viele Meter hoch schlägt dort die Brandung – etwa in Almaciga an der Playa del Benijo oder am Roque de Anaga an Teneriffas Nordspitze.
Der Landschaftspark des Anaga-Gebirges ist mit rund 144 Quadratkilometern genauso so groß wie Mannheim. Durchqueren lässt er sich beim Wandern, Klettern oder Mountainbiking. Seine höchsten Punkte sind mit etwas mehr als 1.000 und 900 Metern die Gipfel Cruz de Taborno im Westen und Chinobre im Osten. Beide sind verbunden durch den Kamm des Bergmassivs, den subtropische Lorbeerwälder dicht bedecken. Der faszinierendste ist Bosque de la Mercedes.
Auf den Spuren der Guanchen durch Teneriffas mystische Wälder
Ein Weg zu ihm beginnt am Parkplatz des Besucherzentrums Cruz del Carmen, wo sich auch ein Aussichtspunkt befindet. Dort stehen wir und schauen auf die Universitäts- und Bischofsstadt La Laguna. Durch die Straßen des Unesco-Welterbes mit den alten Bauten und gemütlichen Cafés bummeln wir einmal an einem Sonnentag. Jetzt, bei Nieselregen, sehen wir von hier aus nicht einmal den Teide.
Doch dafür wartet auf uns nun ein ganz besonderes Naturerlebnis. Beschirmt und nässedicht ummantelt, betreten wir die feuchte Schattenwelt der Lorbeerbäume. Immergrün und immer durstig, sind sie jetzt in ihrem Element. Denn diese bis zu 30 Meter hohen Holzgewächse trinken direkt aus den Wolken. Von dickem Moos und Zottel-Flechten überwuchert, von Farnen eingebettet, saugen sie das Wasser auf wie Schwämme. Alles trieft und tröpfelt. Nebel hängt in Fetzen an den Zweigen.
Wandern in Sperrzonen: Für einige Routen ist eine Genehmigung nötig
Den Ureinwohnern Teneriffas, den Guanchen, galt dieser schaurig-schöne Wald als Heiligtum. Den Frauen, die nachts tanzend hier die Geister riefen, widmeten die spanischen Besatzer böse Hexensagen. Ein „Tanzplatz“ liegt auf der Route von Punta del Hidalgo am Fuß des Anaga-Gebirges bis nach Chinamada, einem Höhlendorf der Guanchen. Einer ihrer Kultplätze war der charismatische Anambro-Felsen im Schutzgebiet El Pijaral.
Um dorthin zu wandern, benötigt man spätestens zwei Wochen vorher eine Genehmigung, welche die Parkbehörde kostenlos erteilt – ebenso wie für die Sperrzone Monte de Aguirre zwischen La Asomada und Cruz de Afur. Die Tageslimits für diese Routen betragen 45 beziehungsweise 20 Besucher.


