TUI-Chef Ebel: Tourismus braucht mehr politische Beachtung

TUI zurück an der Frankfurter Börse: Der Konzern verbindet dies auch mit einem Appell an die Politik
TUI zurück an der Frankfurter Börse: Der Konzern verbindet dies auch mit einem Appell an die Politik. Foto: mg
TUI-Konzernchef Sebastian Ebel mit seinem Finanzchef Mathias Kiep vor dem „Bullen“ der Frankfurter Börse. Der Bulle steht für den Anstieg der Kurse
TUI-Konzernchef Sebastian Ebel mit seinem Finanzchef Mathias Kiep vor dem „Bullen“ der Frankfurter Börse. Der Bulle steht für den Anstieg der Kurse. Foto: mg

Der TUI-Konzern hat als nur noch in Deutschland börsennotierter Konzern große Ambitionen: „Wir wollen einen globalen Champion formieren“, kündigte Konzernchef Sebastian Ebel gestern am Rande der „Opening-Bell“-Zeremonie an der Frankfurter Börse an. Sie läutet den Abschied von der Londoner Börse ein. Das dortige Listing soll Ende Juni mit der Aufnahme in den deutschen MDAX beendet werden.

Die strategische Ansage Ebels hatte auch einen politischen Grund: Die Bundesregierung müsse nach dem Auslaufen der Corona-Hilfen erkennen, welche wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung die Reisebranche langfristig für Deutschland habe. „Der Gedanke, dass die Menschen auf das Reisen verzichten sollen, ist kein guter Gedanke“, so Sebastian Ebel im Gespräch mit Wirtschaftsjournalisten.

Überall profitabel – nur nicht in Deutschland

Es sei unumstritten, dass die Tourismusbranche nachhaltiger werden müsse. Doch dafür bedürfe es Investitionen – und dafür wiederum brauche es Geld. Allerdings werde es Anbietern wie TUI in Deutschland immer schwerer gemacht, eine akzeptable Marge zu erarbeiten, kritisierte der Konzernchef in Frankfurt am Main und betonte: „Unsere Profitabilität kommt aktuell von überall her – nur nicht aus Deutschland“.

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Als Beispiele nannte Ebel eine extreme Bürokratisierung und „Über-Nacht-Entscheidungen“ wie die Einführung der Luftverkehrssteuer. Die sei derart kurzfristig gekommen, dass sie auch viele Reisen betreffe, bei denen sie nicht mehr eingepreist werden konnte. Die Folge: Die Steuer drücke die Marge.

Pauschalreiserichtlinie: Reform muss überarbeitet werden

Auch die anstehende Revision der Pauschalreiserichtlinie sieht der TUI-Chef als Gefahr. Während Reiseportale den aktuellen Plänen zufolge weiter von der Kundengeldabsicherung ausgenommen seien, werde diese für Veranstalter noch einmal verschärft. Dies sorge für eine zunehmende Wettbwerbsverzerrung, die sich auch negativ auf den stationären Reisevertrieb auswirken könnte. Die geplante Reform müsse deshalb dringend und grundsätzlich überarbeitet werden.

Wie Behörden beim Thema Nachhaltigkeit sinnvolle Regelungen schaffen könnten, zeigt Ebel zufolge das Beispiel Türkei. Dort habe der Staat attraktive Bedingungen für Investitionen geschaffen, die TUI jetzt nutze. So habe man jüngst den ersten Solarpark eröffnet, ein zweiter werde folgen. Mit dem dort erzeugten grünen Strom werden (über Umwege) eigene Hotelanlagen versorgt. Das Ziel: In zwei Jahren sollen die TUI-Hotels in der Türkei CO2-neutral arbeiten.

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