Zehntausende Menschen haben in Palma de Mallorca gegen den Massentourismus demonstriert. Die Organisatoren fordern einen gezielten Rückbau der touristischen Kapazitäten. Hintergrund ist neben steigenden Besucherzahlen vor allem die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt.
In Palma de Mallorca sind am Sonntag Zehntausende Menschen gegen die Auswirkungen des Massentourismus auf die Straße gegangen. Die Demonstration unter dem Motto „Mallorca am Limit“ richtete sich gegen steigende Besucherzahlen, die Wohnungskrise und die Überlastung der Inselinfrastruktur. 2025 verzeichnete Mallorca mit mehr als 13 Millionen Gästen einen Besucherrekord.
Zehntausende Demonstrierende zogen am Sonntag durch die Straßen von Palma de Mallorca.
Forderungskatalog bereits vor drei Wochen vorgelegt
Organisiert wurde der Protest von der Plattform „Weniger Tourismus, mehr Leben“, die bereits vor drei Wochen einen detaillierten Forderungskatalog vorgelegt hatte. Darin verlangt die Initiative einen gezielten Rückbau des Tourismus und fordert unter anderem die sofortige Aussetzung neuer Lizenzen für touristische Vermietung, massive Kontrollen und die Schließung illegaler Ferienunterkünfte sowie eine drastische Reduzierung der Mietwagenflotte per Gesetz.
An den Inselrat von Mallorca richtet die Plattform zudem die Forderung nach einem Moratorium für neue touristische Kapazitäten und einem Plan zur Reduzierung bestehender Betten. Auch die Teilnahme an Tourismusmessen und die Destinationswerbung durch die Stiftung Mallorca Turisme solle eingestellt werden. In Dürrezeiten sollen nach dem Willen der Organisatoren Wasserrestriktionen vorrangig Großverbraucher wie Hotels, Golfplätze und Villen mit Pools treffen.

Wohnungskrise als zentraler Protestgrund
Hintergrund der Proteste ist vor allem die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt. Nach Angaben der Organisatoren werden mehr als 100.000 Wohnungen auf Mallorca touristisch genutzt – legal wie illegal. Beschäftigte im Tourismus, Einzelhandel oder Gesundheitswesen könnten sich vielfach nur ein WG-Zimmer leisten, zahlreiche Arbeitnehmer seien auf Wohnwagensiedlungen ausgewichen.
Laut Tagesschau trugen die Demonstrierenden Plakate mit Aufschriften wie „Mallorca overbooked“ oder „Keine Kapazität mehr“ und führten ein Kreuzfahrtschiff aus Pappmaschee als Symbol durch die Straßen.
Balearen-Regierung unter Druck
Die konservative Balearen-Regierung hat bereits einzelne Maßnahmen eingeleitet, darunter ein Verbot neuer Ferienwohnungen in Mehrfamilienhäusern sowie eine geplante Obergrenze für Fahrzeuge. Den Protestierenden gehen diese Schritte nicht weit genug. Die Organisatoren werfen der Politik vor, im Interesse der Hotellobby, von Investmentfonds und Spekulanten zu handeln, und kündigen weitere Proteste an.
Zusätzlichen Druck auf die Infrastruktur dürfte die Sonnenfinsternis am 12. August erzeugen, zu der ein erheblicher Besucheransturm erwartet wird. Die Debatte über die künftige touristische Entwicklung Mallorcas dürfte damit auch für Reiseveranstalter und Vertriebspartner zunehmend an Relevanz gewinnen.


