WM-Serie: Panama – „Los Canaleros“ zwischen Ozeanen und Urwald

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Grafik mit einem Fußball und einem Hintergrund in Türkis, der geometrische Linien und die Zahl vier zeigt.

Als Panama 2018 erstmals die Qualifikation für eine Fußball-Weltmeisterschaft schaffte, kannte der Jubel im ganzen Land keine Grenzen. Der damalige Präsident Juan Carlos Varela – nicht zu verwechseln mit dem kubanischen Sänger Carlos Varela – erklärte den nächsten Tag kurzerhand zum Nationalfeiertag. Kein Wunder: Die Teilnahme in Russland war die erste WM-Endrunde der Landesgeschichte. In diesem Jahr war Panama zum zweiten Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei, ist aber bereits in der Vorrunde ausgeschieden.

Blick auf eine historische Kirche mit zwei Türmen, umgeben von Bäumen und einem Platz mit gepflastertem Boden und Menschen.
Die Basilika Santa Maria La Antigua liegt im Casco Viejo, der Altstadt von Panama City. Foto: Judith Engbers/iStock

Fußballerisch setzt Panama traditionell auf mannschaftliche Geschlossenheit. Der bekannteste Spieler der Geschichte ist Torjäger Blas Perez, der viele Jahre in der amerikanischen MLS spielte, den in Europa aber wohl nur eingefleischte Fußballfans kennen dürften. Bekannter in Deutschland ist der Trainer Thomas Christiansen. Er wurde 2003 als Spieler des VfL Bochum Torschützenkönig der Bundesliga und spielte danach noch bei Hannover 96. Seit 2020 ist Thomas Christiansen Trainer der Mannschaft mit dem Spitznamen „Los Canaleros“.

Panama ist ohne Kanal undenkbar

Dieser Spitzname, übersetzt „Die vom Kanal“, verweist auf das Bauwerk, das das Land weltberühmt gemacht hat: den Panama-Kanal. Der 82 Kilometer lange Kanal verbindet Atlantik und Pazifik und gehört zu den größten Ingenieurleistungen der Menschheitsgeschichte. Täglich passieren Dutzende Fracht- und auch viele Hochseeschiffe die Schleusen des mittlerweile erweiterten Kanals. Besonders beeindruckend ist ein Besuch der Miraflores-Schleusen, wo Besucher den riesigen Schiffen aus nächster Nähe beim Passieren zusehen können.

Übrigens: Bis 1979 existierte die Panama Canal Zone, ein rund 16 Kilometer breiter Streifen entlang des Kanals, der von den USA verwaltet und kontrolliert wurde. Dort galten weitgehend amerikanische Gesetze, es gab US-amerikanische Schulen und Wohngebiete. Einheimische Panamesen durften das Gebiet nicht betreten. Seit 1999 steht die Zone komplett unter panamaischer Kontrolle.

Bunte, moderne Architektur am Wasser mit einer Skyline im Hintergrund, umgeben von Palmen und einem bewölkten Himmel.
Knallbunt: das Biomuseo des Stararchitekten Frank Gehry mit der Skyline von Panama City im Hintergrund. Foto: rmbarricarte/iStock

Auch in Panama City gehörten einige Gebiete zur amerikanischen Kanalzone und waren militärisches Sperrgebiet, darunter die Amador-Halbinsel, die heute ein beliebtes Ausflugsziel ist. Fährt man über die Brücke zur Halbinsel, befindet sich auf der rechten Hand das spektakuläre Biomuseo des Stararchitekten Frank Gehry. Es konnte erst nach der Rückgabe des Gebiets an Panama geplant werden. Reisende, die sich für diese Historie interessieren, sollten nach Möglichkeit einen älteren Reiseleiter wählen, da dieser diese Zeit noch miterlebt hat und viel darüber erzählen kann.

Panama City: Alt- und Neustadt liegen dicht beieinander

Doch auch sonst zeigt die Hauptstadt Panama City zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Da ist zum einen die ultramoderne Skyline mit ihren Hochhäusern, Einkaufszentren und Luxushotels – ein Grund, warum viele US-Amerikaner ihren Lebensabend hier verbringen. Das Riu Plaza Panama gibt es noch, das ehemalige Trump-Hotel firmiert mittlerweile als JW Marriott.

Nur wenige Minuten entfernt und in Sichtweite liegt Casco Viejo, die historische Altstadt. Zwischen kolonialen Häusern, Kirchen, kleinen Plätzen und Cafés lässt sich die Geschichte des Landes erleben. Das Viertel hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Treffpunkt für Einheimische und Besucher entwickelt und gehört zum Unesco-Welterbe.

Aber auch Naturliebhaber kommen in Panama auf ihre Kosten. Obwohl das Land nur wenig größer als Bayern ist, beherbergt es eine enorme Artenvielfalt mit Regenwäldern, Nebelwäldern, Vulkanen und Nationalparks. Faultiere, Tukane, Affen und bunte Frösche gehören ebenso zur Tierwelt wie unzählige Schmetterlinge und Kolibris.

Boquete: Im kühlen Hochland wachsen auch Erdbeeren

Und auch das Hochland sollte man nicht verpassen. Rund um den Ort Boquete herrscht ein deutlich kühleres Klima als an den Küsten. Die Region ist vor allem für ihren hochwertigen Kaffee bekannt, doch auch Erdbeeren gedeihen hier prächtig. An zahlreichen Straßenständen werden frische Erdbeeren, Marmeladen oder Erdbeer-Milchshakes angeboten – eine ungewöhnliche Spezialität in einem tropischen Land. Hier lebt mit den Ngäbe-Bugle die größte indigene Volksgruppe Panamas.

Zwei farbenfrohe, strohgedeckte Hütten auf Stelzen über klarem Wasser, verbunden durch eine Holzbrücke, unter blauem Himmel mit weißen Wolken.
Die Inselgruppe Bocas del Toro an der nördlichen Karibikküste ist bekannt für die Bungalows und Häuser auf Stelzen. Foto: Abilio Lemos/iStock

Karibik-Flair pur erwartet Besucher in Bocas del Toro. Die Inselgruppe nahe der Grenze zu Costa Rica begeistert mit türkisfarbenem Wasser, Mangroven, Korallenriffen und einem entspannten Lebensgefühl. Viele der Hotels stehen auf Stelzen und sind auch über deutsche Veranstalter buchbar.

Wer lieber ein Strandhotel mit All-inclusive-Verpflegung bevorzugt, findet dieses an der Pazifikküste: Decameron und Riu sind an der Playa Blanca vertreten.

Als Riu damals das Stadthotel plante, war übrigens der mehrfache Grammy-Gewinner Ruben Blades der Tourismusminister. Der berühmte Panama-Hut kommt nicht aus Panama, sondern aus Ecuador. Und von Janosch, der mit „Oh, wie schön ist Panama“ das mittelamerikanische Land in Deutschland überhaupt erst bekannt machte, heißt es, dass er nie in Panama gewesen war.

Flüge sind unter anderem mit Air Europa, Iberia, Air France, KLM und Turkish Airlines über deren Drehkreuze möglich. Der im Sommer 2025 gestartete Condor-Flug wird derzeit ausgesetzt.