Online-Marketing, Teil 7: Pinterest – das völlig unterschätze Reisenetzwerk

Die Sozialen Medien Facebook und Instagram nutzen wohl die allermeisten Reisebüros für ihr Online-Marketing – nur ganz wenige hingegen sind auf Pinterest vertreten. Weil viele es nicht kennen. Und so stand das jüngste Webinar der Serie „Digitalisierung“ von touristik aktuell und Mein Reisebüro 24 unter dem Titel „Pinterest – das völlig unterschätzte Reisenetzwerk“.

Pinterest sei keine klassische Social-Media-Plattform wie die beiden eingangs erwähnten, sondern vielmehr eine visuelle Suchmaschine, erklärte Marie Stoldt, Social-Media-Managerin bei der Online-Marketing-Agentur Webnetz. 
Sie hielt das Webinar gemeinsam mit Kollegin Adrienne Becker, Head of Social Media.
„Bei Pinterest steht Inspiration im Vordergrund, deshalb ist die Reisebranche auf dieser Plattform ideal angesiedelt“, so Stoldt. Der Name Pinterest setzt sich zusammen aus „Pin“ für Pinboard und „Interest“. Das Prinzip ist einfach: Nutzer sammeln anhand von Suchbegriffen (Keywords) Ideen und Produkte, etwa für den nächsten Sommerurlaub, und mit klarer Kaufabsicht. Die entsprechenden Pins und Posts dazu legen sie dann auf ihrer Pinnwand ab.

Wie Google, nur schöner
„Pinterest ist wie Google – nur in Schön“, meinte Stoldt. Die User definierte Adrienne Becker ebenso eingängig: „Pinners are Planners, das heißt, diese handlungsorientierte Zielgruppe sucht ganz aktiv nach etwas, zum Beispiel nach einer Reise.“ Rund 20 Millionen monatlich aktive Nutzer zähle Pinterest bereits, und 35 Prozent der Online-Nutzer in Deutschland seien auf der Shopping-Plattform unterwegs. Somit könne Pinterest „unheimlich Power haben für Reisebüros“, so die Webnetz-Expertinnen. Zumal die Touristikbranche generell die Plattform bislang kaum nutze.
Den Webinar-Teilnehmern gaben sie konkrete Tipps für den Einstieg ins Online-Marketing mit Pinterest: Nicht ohne Strategie starten (Ziele und relevante Kennzahlen definieren), Vorlagen für Bild- und/oder Video-Pins erstellen (mit dezentem Logo), Pins vorplanen (zum Beispiel mit dem Tool Tailwinds), und saisonale Themen beachten und mit Vorlauf planen (zur Erinnerung: „Pinners are Planners“).
Saisonaler Content sei „sehr wichtig“, betonte Marie Stoldt, also zum Beispiel Inspirationen und Angebote für Festtagsreisen oder den Sommerurlaub im nächsten Jahr, wie sie erläuterte. „Ihr denkt für eure Kunden ja eh schon saisonal“, sagte sie den Reiseverkäufern.
Aber auch auf aktuelle (Reise-)Trends wie etwa Infinitypools oder „Coolcation“ solle man reagieren, riet sie. Solche ließen sich im „Content-Kalender“ der Plattform oder in „Pinterest Predicts“ (sagt voraus, was relevant wird) ablesen.

Dauerthemen bleiben immer aktuell
Neben saisonalem Content und den Trends gebe es als dritte Säule noch den so genannten Evergreen Content – Inhalte, nach denen die Zielgruppe zu jeder Zeit suche. Das könnten beispielsweise „romantische Getaways“ sein oder auch Packtipps für einen Hotelaufenthalt.
Die Top-Reisethemen 2024 auf Pinterest waren Wellnessreisen, Digital-Detox-Reisen, Solo-
Urlaub, budgetfreundliche Roadtrips, Abenteuerreisen, Glamping, Urlaub im Nationalpark und Natur bereisen.
Für den Aufbau eines Post empfahlen die beiden Expertinnen ein „großes, ansprechendes Bild oder eine Collage, einen kurzen, knackigen und Keyword-orientierten Titel, ein dezentes Logo und einen deutlichen Call-to-Action“.
Unerlässlich sei immer auch ein Link – das müsse nicht zwingend ein konkretes Angebot sein, sondern es genüge auch die Startseite des Reisebüros. Ideal sei ein „Mix aus vielfältigem Content und zielgerichtete Kampagnen“. Für den Anfang genügten den Expertinnen zufolge drei oder vier Pins pro Monat, später sollten es eher zehn bis 20 sein, so ihre Empfehlung.

Keine Kosten bis auf Arbeitszeit
Im direkten Anschluss an die Erklärungen und Ausführungen der beiden Expertinnen hatten die Webinar-Teilnehmer noch ausreichend 
Gelegenheit, Rückfragen zu stellen, was rege 
genutzt wurde. So wollte eine Teilnehmerin wissen, ab wann Kosten für die Nutzung von Pinterest anfallen. „Erst einmal bis auf die Arbeitszeit keine. Man muss kein Budget einplanen“, antwortete Adrienne Becker. Kosten entstünden nur, wenn man einen Post mit ein paar Euro Marketing-Budget pushen wolle.
Ein anderer Schulungsteilnehmer fragte, ob man Pinterest statt per Smartphone auch über einen Desktop-PC bedienen könne. „Ja natürlich, das machen auch sehr viele User so“, sagte Marie Stoldt. Zum Einstellen von Fotos könne man beispielsweise das Bildbearbeitungsprogramm Canva auf dem PC installieren.

Noch viel Potenzial für Reisebranche
Die Online-Expertinnen ermutigten die Teilnehmenden des Webinars explizit dazu, Pinterest einmal beruflich auszuprobieren. Weil dieses Tool „erstaunlicherweise bislang gar nicht groß genutzt wird in der Reisebranche“, so Stoldt 
abschließend. „Das bietet euch die Chance mit wenig Konkurrenz ranzugehen.“
Pinterest ist ihr zufolge, genau wie im Titel der Online-Schulung angekündigt, tatsächlich ein völlig unterschätztes Reisenetzwerk. Und es kann somit möglicherweise eine interessante und quasi kostenlose Alternative darstellen zu den vielfrequentierten Social-Media-Kanälen Facebook und Instagram. Und das Beste: Deren Zielgruppen deckt Pinterest altersmäßig ab. Laut Webnetz wird die Suchmaschine von Nutzern zwischen 18 und 35 Jahren plus genutzt.