Online-Marketing, Teil 4: So kann KI am Counter helfen

Künstliche Intelligenz (KI) wird am Reisebüro-Counter noch viel zu wenig genutzt – obwohl sie die tägliche Arbeit von Reiseverkäufern zum Teil deutlich erleichtern kann. Das war die zentrale Botschaft des jüngsten ­Webinars der gemeinsamen Serie zum Thema Digitalisierung/Online-Marketing von touristik aktuell und Mein Reisebüro 24.

Referent Martin Hein, Unternehmensberater, Globus-Gewinner bei touristik aktuell und Inhaber der Berliner ­Reisebüro-Kette „Die Reiserei“, sieht vor allem in drei Bereichen Einsatzmöglichkeiten: Beratung, Marketing, Service. Aber auch in der Buchhaltung und bei administrativen Aufgaben ergeben sich viele Möglichkeiten. Sie müssen nur erkannt werden. 

Aus Sicht von Martin Hein steht fest, dass KI als neuer Mitarbeiter am Counter gezählt werden kann – insofern man sie aktiv und sinnvoll einsetzt. „Und dieser Mitarbeiter ist niemals krank, macht keinen Urlaub, ist 24 Stunden nutzbar und meckert nie“, betonte der Vertriebsprofi während des Webinars.

Konkret denkt er dabei unter anderem an das Nachfassen bei auslaufenden Optionen, um die Nachfrage nach Visa-Details oder auch an schnelle Infos zu Stornobedingungen. Dafür müsse man lediglich die AGB eines Leistungsträgers in die KI eingeben und den richtigen Arbeitsauftrag (Prompt) erteilen. Statt sich ewig durch die AGB zu arbeiten, erhalte man das 
gewünschte Ergebnis innerhalb von Sekunden.

Schnelle Infos auch für die Beratung

Auch in der Beratung könne KI inzwischen gut helfen, etwa bei Anfragen zu Reisezielen, in ­denen man sich nicht so gut auskennt. Fragen zur besten Reisezeit, zu Highlights oder auch zu jüngsten Hoteleröffnungen beantworte die KI in kürzester Zeit und deutlich effizienter als mit der klassischen Google-Suche.

Im Bereich Marketing stellte Martin Hein folgenden Prompt vor: „Mach mir bitte schnell eine Redaktionsplanung für Social Media für mein Reisebüro XY. Der Mix aus Infos, Tipps, Storytelling und Engagement-Posts soll für Abwechslung sorgen.“ Das Ergebnis in Chat GPT ist in Sekunden da und konnte sich während des Webinars durchaus sehen lassen. Wer tiefer einsteigen will, kann das Chat-GPT-Ergebnis etwa in Gemini einspielen und diese KI fragen, was sie an dem Plan verbessern würde. Danach weiß man, welche KI einem sympathischer ist.

Hilfe bei Social Media

Ausführlich stieg anschließend Sabrina Küchler in das Thema Canva ein – auch sie ist Mitarbeiterin bei „Die Reiserei“ in Berlin. Auch bei dieser App spielt KI inzwischen eine wichtige Rolle und kann das Erstellen für Social-Media-Postings deutlich erleichtern. 

Eine der typischen KI-Eingaben könnte sein: „Bitte beschreibe mir fünf Vorteile von Griechenland als Reiseziel.“ Die Ergebnisse könne man dann in den Bildgenerator von Canva 
eingeben oder auch echte Griechenland-Fotos direkt in Canva suchen. Die Bilder und der KI-Text könnten zusammengefügt, dann als Social-Media-Post gestaltet werden.

Als Alternative hat sich in der Touristik inzwischen das Tool Viral Spoon von Paul Kissel etabliert, es soll in einem der nächsten Webinare vorgestellt werden. Erste Informationen ­erhält man unter Viralspoon.de, auch touristik aktuell hat bereits über den Anbieter und weitere KI- Tools fürs Reisebüro berichtet (Suchbegriff Viral Spoon auf der ta-Homepage).

Canva: Nicht gratis, aber gut

Wer gerne Canva nutzt: Reiserei-Mitarbeiterin Sabrina Küchler empfahl im Webinar die Proversion für 19,99 Euro im Monat. Sie erleichtere nicht nur die Arbeit, sondern ermögliche auch das kostenfreie Nutzen sämtlicher Fotos. Dabei helfe die integrierte Künstliche Intelligenz, die viele Vorgänge in Canva inzwischen steuere. „Das funktioniert sehr gut“, so Küchler.

Ein grundlegender Tipp von Martin Hein lautet: 
„Geben Sie der KI immer einen Kontext, etwa die Information, dass Sie Reiseberater im Reisebüro XY sind. Und seien Sie freundlich, die Künstliche Intelligenz merkt sich das.“

Prompt-Datenbank sinnvoll

Während für viele Anfragen die normalen und kostenfreien KI-Versionen ausreichen, empfiehlt Martin Hein bei kontinuierlicher Nutzung Chat GPT plus. Unter dem Reiter „GPT erkunden/Meine GPT’s“ könne man dort Informationen und eigene Inhalte hinterlegen, um nicht bei jeder Anfrage von Neuem alles erklären zu müssen. Auch eine Prompt-Datenbank könne dort problemlos angelegt und genutzt werden.

Die hält Martin Hein grundsätzlich für eine sehr sinnvolle Sache, da man auf lange Sicht gesehen dadurch viel Zeit spart. Zu überlegen sei auch, ob man der KI eine eigene Sprache gibt, die zum Reisebüro und zum bisherigen Social-Media-Stil passt und sich von anderen Postings abhebt.

Wichtig: Kundendaten dürfen keinesfalls in eine KI eingegeben werden. Denn die Tools entsprechen „definitiv nicht den Datenschutzverordnungen“ in Deutschland, warnte Norick Porath, „Head of Web“ bei „Die Reiserei“. Zudem wisse niemand, „was die Künstliche Intelligenz irgendwann einmal damit ­anstellt“. Verstöße gegen die DSGVO können extrem teuer werden.

Video mit konkreten Tipps

Das Video des Webinars mit konkreten Beispielen etwa zur KI-Hilfe bei der Reiseberatung oder das Erstellen von Social-Media-Postings in Canva finden Sie unter dem Link im Vorspann auf der linken Seite. Die Landingpage kann auch über den abgebildeten QR-Code aufgerufen werden.

Wichtig beim aktuellen Thema: In den ersten 20 Minuten geht es um allgemeine KI-Themen – danach folgen praktische Anwendungen für den Reisebüro-Alltag, darunter eine detaillierte Vorstellung, wie man mit Canva arbeitet.