ITB Berlin: Ein Blick zurück nach vorn

Die am Donnerstag zu Ende gegangene ITB Berlin stand unter dem Eindruck der Geschehnisse in der Golfregion. Auf dem Messegelände unter dem Funkturm wurden die neuesten Entwicklungen aus Nahost mit menschlicher Betroffenheit und branchenspezifischer Besorgnis verfolgt. Der Persische Golf und die Spree waren nah beieinander.

Reiseveranstalter, Reisebüros in Veranstalter-Rolle, Fluggesellschaften und Kreuzfahrtreedereien arbeiteten in und aus Berlin an der Rückholung deutscher Urlauber aus der Kriegsregion – genauso wie das Bundesaußenministerium, nur wenige Kilometer entfernt vom Veranstaltungsort der weltgrößten Tourismusmesse.

TUI Cruises nicht in Berlin

Besonders betroffen: Deutschlands zweitgrößter Kreuzfahrtanbieter TUI Cruises. Gleich zwei Schiffe der Hamburger liegen in diesen Tagen in der Krisenregion fest: die Mein Schiff 4 in Abu Dhabi und die Mein Schiff 5 in Doha. Das Management von TUI Cruises hatte seine Beteiligung kurz vor Messebeginn am Montag abgesagt: Weder CEO Wybcke Meier noch Vertriebsdirektor Clas Eckholt reisten nach Berlin an.

Krisen-Management von MSC erfolgreich

Auch deswegen wurde eine für Dienstag anberaumte Pressekonferenz der deutschen Stelle des internationalen Kreuzfahrtverbands CLIA, in der es um Marktlage und -entwicklung gehen sollte, kurzerhand abgesagt. Ein anderer geplanter Podiumsteilnehmer, MSCs Deutschland-Chef Jörg Eichler war indessen vor Ort – denn das Krisen-Management der Schweizer oblag der Reedereizentrale in Genf. Dort war laut Unternehmen mit Hochdruck an der „sichersten und schnellsten Möglichkeit zur Rückführung der Gäste gearbeitet und entschlossene Maßnahmen ergriffen worden, um diesen Prozess zu beschleunigen“, ehe am ITB-Donnerstag schließlich die Rückholung von zunächst 1.000 Passagieren der in Dubai festliegenden MSC Euribia angekündigt werden konnte.

Auf einem Messestand einer Reisemesse steht in großen Lettern der Slogan „We cruise the World“.
Mit diesem Slogan präsentierten sich die Kreuzfahrtmarken des weltgrößten Kreuzfahrtkonzerns Carnival Corporation auf der ITB Berlin. Er steht in diesen Tagen auch symbolisch für den Zusammenhalt der Branche. Foto: ck

Branche solidarisiert sich

Die Kunde von dieser positiven Entwicklung wurde am Messestand von MSC Cruises mit großer Erleichterung aufgenommen. Auf eine offizielle Verlautbarung oder zitierfähige Statements wollte man in dieser Gemengelage aber verzichten. Und so handhabten es auch andere Anbieter in der Kreuzfahrt-Halle 25. Die allermeisten von ihnen haben keine Schiffe in der Golfregion, wohl aber Kreuzfahrtgäste in Drehkreuz-Zielen. Die Branche stehe in dieser schwierigen Situation zusammen, so der Tenor auf der Fachmesse. Man solidarisierte sich.

Gute Geschäfte auf der Messe

Und auch wenn es beileibe kein Business as usual war in dieser Woche in Berlin, gingen die Kreuzfahrtreedereien und -veranstalter doch guten Mutes ihren Geschäften auf der nach wie vor wichtigen B2B-Messe in Berlin nach. Viele berichteten von guten, ertragreichen Gesprächen.

Die Dauer und weiteren Auswirkungen der kriegerischen Handlungen am Persischen Golf sind derzeit nicht absehbar. Fest steht aber: Die (deutsche) Tourismusindustrie und die Kreuzfahrtbranche sind krisenerprobt. Und so bleibt beim Blick zurück auf Berlin die Gewissheit: Die Reisebranche ist resilient!