Reisevertrieb

Corona-Hilfen: Wie geht es den Unternehmen?

Wie geht es den Unternehmen im Hinblick auf die auslaufenden Corona-Hilfen? Dazu nehmen Touristikexperten im Tourismus-Ausschuss Stellung. Foto: Corinna71/iStockphoto

Wie geht es den Unternehmen im Hinblick auf die auslaufenden Corona-Hilfen? Dazu nehmen Touristikexperten im Tourismus-Ausschuss Stellung. Foto: Corinna71/iStockphoto

Noch bis Ende Juni läuft die Überbrückungshilfe IV. Doch wie ist derzeit die Lage in den Unternehmen? Zu dieser Frage nehmen am Mittwoch verschiedene Sachverständige im Tourismus-Ausschuss des Bundestags Stellung. Einige Stellungnahmen sind bereits im Vorfeld einsehbar. Die Verfasser sind sich einig: Sie sind dankbar ob der staatlichen Unterstützung. Dennoch könnten die Herausforderungen kaum größer sein.

Noch immer seien die Unternehmen der Touristik dabei, die Auswirkungen der Corona-Krise aufzuarbeiten, schreibt beispielsweise das Aktionsbündnis Tourismus Vielfalt (ATV) – trotz derzeit guter Buchungssituation. Für eine vollständige Aufarbeitung seien im Minimum mehrere stabile Jahre notwendig. Es bleibe jedoch aufgrund von Faktoren wie Fachkräftemangel, internationale Krisen, Risiken durch erleichterte Stornobedingungen und steigende Energiekosten fraglich, „ob diese Stabilität mittelfristig erreicht werden kann“. Sollten neue Corona-Einschränkungen im Herbst festgeschrieben werden, wäre dies für die Branche „ein weiterer Nackenschlag und kaum noch zu verkraften“, warnt das Aktionsbündnis.

„Kunden rechnen mit Beschränkungen“

Auch der Reisebüro-Verband VUSR äußert Befürchtungen und kritisiert die Informationspolitik des Gesundheitsministeriums im Hinblick auf Fernziele und weiter in der Zukunft liegende Reisen. Kunden rechneten bereits jetzt mit „absoluter Sicherheit“ mit Einreiseverboten und Beschränkungen sowie einem erneuten Erliegen des internationalen Flugverkehrs, „ohne dass es hierfür eine fundierte wissenschaftliche Grundlage gibt“, schreibt der VUSR. Man unterschätze die Risiken einer neuen Corona-Mutation nicht. „Doch ohne eine strukturierte, einheitliche und konsequente Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung mit all ihren Ministerien fällt es der Reisebranche umso schwerer, das Vertrauen der Reisenden zurückzugewinnen.“

In seiner Stellungnahme weist der Verband jedoch auch auf hausgemachte Probleme hin. Der Fachkräftemangel werde immer mehr zum „Hemmschuh“ für eine Erholung der Tourismuswirtschaft. „Die massenhafte Annullierung von Flügen bremst die gerade aufkommende Reiselust und läuft den Anstrengungen der gesamten Branche entgegen, die Krise zu überwinden“, heißt es.

Entlastungen bei Luftsicherheitskontrollen notwendig

Für den Sommer werden Entlastungen bei den Luftsicherheitskontrollen benötigt, „um das Schlimmste für die Reisenden und auch die Branche abzuwenden“, schreibt der VUSR und appelliert an die Bundesregierung, zu helfen und an die Tourismuswirtschaft, sich an einen Tisch zu setzen und Lösungen zu finden.

Das Aktionsbündnis Tourismus Vielfalt drängt ebenfalls auf Unterstützung seitens der Politik, beispielsweise durch Innovations-Förderprogramme und insbesondere im Hinblick auf das Thema Nachhaltigkeit. Dabei müsse gewährleistet sein, „dass es eine schnelle Bearbeitung sowie eines vereinfachten Zugangs zu solchen Programmen gibt“.

Lob und Kritik an Komplexität der Hilfen

Obgleich die Sachverständigen in ihren Stellungnahmen die staatlichen Corona-Hilfen loben, so kritisieren sie gleichzeitig deren Komplexität. Die Beantragung der Überbrückungshilfen samt Punkt 2.5 der FAQs wurde von Hilfe zu Hilfe komplizierter, schreibt der Veranstalter Olimar. Eine Vereinfachung des Antrags und der Bearbeitung sei auch für die Steuerberater sinnvoll, die überlastet seien, heißt es. „Viele Reiseunternehmen, Reiseveranstalter und Reisebüros, sind trotz der umfangreichen Hilfen noch bilanziell überschuldet, haben ein negatives Eigenkapital.“ Der Steuerberater müsse daher über das Ende der Corona-Hilfen hinaus monatlich eine Fortführungsprognose testieren. „Wieder zusätzlicher Aufwand, der von den Unternehmen bezahlt werden muss“, kritisiert Olimar-Geschäftsführer Pascal Zahn.

Auch die Frist der Schlussabrechnung zum 31. Dezember wird laut VUSR viele Kanzleien erneut vor eine Belastungsprobe stellen. „Insgesamt gilt es Bürokratie abzubauen und Prozesse noch einmal erheblich zu verschlanken, sodass wir zumindest auch eine ergebnisoffene Diskussion zur Notwendigkeit eines prüfenden Dritten anregen.“

Die Stellungnahmen sowie Beiträge weiterer Akteure sind auf der Website des Deutschen Bundestags abrufbar. Die Sitzung des Tourismus-Ausschuss beginnt um 15 Uhr.

Ute Fiedler