
Mehr als ein Viertel aller Beschäftigten, die noch 2020 in einem Tourismus-, Hotel- oder Gaststättenberuf tätig waren, haben inzwischen die Branche verlassen. Dies geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervor. Für die Erhebung wurden erstmals in umfassender Form Daten der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet.
Konkret geht es um 788.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die im Jahresdurchschnitt 2020 in den genannten Branchen gearbeitet haben. Von ihnen wechselten 215.000 in einen neuen Beruf.
Vom Reisebüro ins Gesundheitsamt
„Wo sind die alle hin? Die können doch in kein Loch gefallen sein“, fragte neulich Hanna Kleber, Präsidentin des Corps Touristique, während einer Veranstaltung in Frankfurt am Main. Kurz und knapp lautet die Antwort: früher Gastronomie, heute Supermarkt oder Kurierdienst. Früher Hotel, heute Finanzamt. Früher Reisebüro, heute Ausbilder oder Quereinsteiger im Gesundheitsamt.
Massiver Wechsel in Verkaufsberufe und in die Logistik
Fazit der Studien-Autorinnen Anika Jansen und Paula Risius: „Kaum eine andere Branche hat im ersten Pandemiejahr so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren wie der Tourismus und die Gastronomie“. Allein 35.000 Beschäftigte wechselten in Verkaufsberufe, wurden beispielsweise Kassierer im Supermarkt oder Verkäufer in Autohäusern und großen Einkaufscentern.
Rund 27.200 Menschen traten einen neuen Job im Verkehr- und Logistikbereich an, beispielsweise als Lagerarbeiter oder Paketboten. Auch der Bereich Unternehmensführung und -organisation profitierte von Jobwechseln: In dem Bereich fingen 27.100 Menschen neu an, unter anderem in Sekretariaten. Beliebte Ziele waren zudem die Lebensmittelherstellung, Reinigungsberufe und Erziehung.
Sicherheit im Job so wichtig wie nie zuvor
Die einzige positive Nachricht: Ohne politische Maßnahmen wie Kurzarbeit hätten deutlich mehr Menschen ihren Job im Tourismus verlassen. Die negative: Der Weg zurück in die „schönste Branche der Welt“ scheint schwer zu sein – zumal auch künftig Lockdowns drohen, die Gehälter überschaubar sind und der Tourismusbranche das gute Image abhandengekommen ist.
„Während der Krise dürfte für viele Beschäftigte das Thema Sicherheit noch wichtiger geworden sein“, vermutet Studienautorin Paula Risius. „Aber auch weichere Faktoren spielen eine größere Rolle, beispielsweise feste Arbeitszeiten, die sich gut mit dem Privatleben verbinden lassen.“
Wie kann der Trend umgekehrt werden?
Damit Unternehmen im Tourismus wieder mehr Arbeitskräfte finden können, müssten sie als Arbeitgeber attraktiver werden – beispielsweise mit Arbeitszeitkonten für mehr Flexibilität sorgen, neben dem Gehalt Zusatzleistungen wie ÖPNV-Tickets anbieten oder bei der Kita-Betreuung in Randzeiten helfen.
Damit allein werde sich das Problem des Fachkräftemangels jedoch nicht komplett lösen lassen, ist sich Studienautorin Risius bewusst. „Ohne weitere politische Unterstützung, beispielsweise bei der Förderung von Fachkräftezuwanderung, wird es nicht gehen.“
Mehr Informationen gibt es auf der Website des Instituts der deutschen Wirtschaft.




