Lufthansa City Center stellt sich zum 35-jährigen Bestehen auf weitere Umbrüche im Reisevertrieb ein. Auf der Unternehmertagung in Oberursel am 22. und 23. Juni diskutiert der Reisebüro-Verbund über Künstliche Intelligenz, neue Vertriebstechnologien und die Rolle persönlicher Beratung in einem Markt, der durch Plattformen, Fachkräftemangel und geopolitische Unsicherheiten unter Druck steht.
„Wir sind voll im Krisenmodus“, gab Geschäftsführer Markus Orth gestern in seiner Eröffnungsrede vor den rund 160 Teilnehmern, darunter Vertreter von etwa 90 Franchise-Büros, unumwunden zu. Die Krise sei aber Last und Chance zugleich, betonte er, sie werde zum Geschäftsmodell.
Angesichts der neuen Komplexität – Streiks, drohender Kerosinmangel, Naturereignisse, Kriege – benötigten Kunden Orientierung und Beratung, die ihnen das Internet nicht liefern könne. Das Thema Vertrauen werde enorm wichtig – und hier könnten sich Reisebüros profilieren.
Juni bringt Aufschwung
In Anbetracht dieser komplexen Situation stehe man wirtschaftlich gar nicht so schlecht da, sagte Orth. Im ersten Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres liegt der touristische Umsatz um 5,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im Geschäftsreisebereich steht ein Plus von 0,5 Prozent, das auch gestützt wird durch die Gewinnung neuer Kunden.
Für Zuversicht sorgt vor allem der Juni. Nach Angaben des LCC-Chefs hat der Monat „so richtig aufgedreht“, wodurch sich der Ausblick aufgehellt habe. Aktuell schlägt in der Touristik ein Plus von 14 Prozent zu Buche, im Geschäftsreisebereich sogar von fast 16 Prozent.

„KI ist für uns keine Bedrohung“
Inhaltlich setzt der Verbund weiter stark auf Technologie, betont aber zugleich die Bedeutung klassischer Beratung. LCC investiert in CRM- und Vertriebssysteme und entwickelt mit „Nexus“ eine neue Online-Buchungsplattform für kleine und mittelständische Geschäftsreisekunden. „KI ist für uns kein Selbstzweck und keine Bedrohung. Sie hilft dabei, Prozesse effizienter zu gestalten, Mitarbeitende zu entlasten und Kundenerlebnisse zu verbessern“, sagte Markus Orth.
Parallel rücken Themen wie Employer Branding, Nachwuchsförderung und Recruiting stärker in den Fokus – also genau jene Fragen, die für viele Reiseunternehmen zunehmend über ihre Zukunftsfähigkeit entscheiden.
„35 Jahre LCC sind für uns kein Anlass zur Selbstzufriedenheit, sondern Ausgangspunkt für die nächste Entwicklungsphase. Die Reisebranche verändert sich technologisch, wirtschaftlich und strukturell. Unser Anspruch ist es, diesen Wandel aktiv zu gestalten“, fasste Markus Orth zusammen.
Einen ausführlichen Bericht zu der LCC-Unternehmertagung lesen Sie in Ausgabe 13/26, die am 6. Juli erscheint.


