
Der Inhaber des Hamburger Veranstalters Go East Reisen, Jochen Szech, ist neuer Präsident des ASR. Der bisherige Vizepräsident kandidierte in letzter Minute und wurde vom vorherigen Präsidenten Norbert Pfefferlein den Mitgliedern aufs Wärmste empfohlen: „Sie kennen Herrn Szech. Er ist ein guter Mann. Geben Sie ihm meine Stimme.“
Neuer Vizepräsident ist Norbert Pfefferlein, als Schatzmeisterin wurde die Reisebüro-Inhaberin Anke Budde gewählt.
Bis zuletzt war der Wahlkampf im ASR ein Zweikampf zwischen dem Agenturinhaber Pfefferlein und der Reisebüro-Inhaberin Marija Linnhoff gewesen. Pfefferlein zog zum Schluss zurück: „Ich habe ein Problem, denn ich habe eigentlich keine Zeit. Die möchte ich künftig meiner Familie widmen.“
Der heutigen Entscheidung war ein Wahlkampf vorausgegangen, den es in dieser Form in der deutschen Touristik bislang noch nicht gegeben hatte. Er war geprägt von gegenseitigen Vorwürfen, Gerüchten und Diffamierungen. In Facebook-Diskussionen wurde diskutiert und verleumdet, gestritten und argumentiert.
Allerdings konnte auf der Leipziger Tagung weitgehend der Vorwurf entkräftet werden, dass die vor der Wahl amtierenden Entscheidungsträger im ASR alle Möglichkeiten genutzt hätten, um die Wahl zu ihren Gunsten zu entscheiden.
Zwar wurde ein Mitgliedsantrag abgelehnt und der Antrag der früheren ASR-Präsidentin Jutta Zedelmaier auf einen Wiedereintritt in den Verband bis zum Tag der Wahl nicht stattgegeben. Andererseits stimmte das dreiköpfige Präsidium 63 Mitgliedsanträgen zu. „Und darunter waren mit Sicherheit einige Befürworter von Frau Linnhoff“, meint Roland Delion, Vorsitzender des Ausschusses Marketing & Kommunikation.
Dass nur das Präsidium über neue Mitglieder abstimmt und nicht ein Vorstand, hat mit Satzungsänderungen aus der Ära des Präsidenten Stephan Busch zu tun. Damals kam man zu der Überzeugung, dass Vorstandsentscheidungen zu zeitaufwändig seien.
Linnhoff ist dennoch der Meinung, dass an diversen Stellen durch den ASR getrickst wurde. „Das ist eine Farce, was sich hier abgespielt hat“, zeigte sie sich nach der Wahl frustriert. Nicht nur bei den Stimmübertragungen sei einiges nicht mit rechten Dingen zugegangen, sondern auch bei der Wahl selbst. Sie will das Ergebnis nun anfechten.
Das glaubt auch die frühere Präsidentin Zedelmaier. Sie war schon vor der Wahl sicher über den Grund der Nichtannahme ihres Antrags: „Ich hatte klar gesagt, dass ich Linnhoff wählen würde.“ Andere Neumitglieder berichten zudem, dass sie nur mit juristischem Druck Aufnahme in den ASR gefunden hätten. Auch für sie liegt der Grund auf der Hand: Sie standen auf der Seite Linhoffs und kommunizierten das auch offen.
Ex-Präsident Pfefferlein begründete in Leipzig die Nichtannahme des Zedelmaier-Antrags mit der Historie: „Frau Zedelmaier trat wegen meiner Person aus dem ASR aus. Da ist sie in diesem Verband einfach fehl am Platz, solange ich Präsident bin.“ Dass er ihr damit die Chance auf ein Voting für einen neuen Präsidenten verweigerte, sorgte im Plenum sogar für Applaus.
Die ASR-Geschäftsstelle weist zudem die Behauptung zurück, man habe kurz vor den Wahlen ein neues Antragsformular ausgehändigt. „Wir haben das Antragsformular lediglich um drei Fragen ergänzt, die wir sonst telefonisch gestellt haben“, sagt Gabriele Baumgarten, Leiterin der Geschäftsstelle. Dabei gehe es um Fragen, wie der Interessent auf den Verband aufmerksam geworden ist und was man von der Mitgliedschaft erwartet.
Als man im Spätsommer bei Antragstellern anrief und diese Fragen stellte, habe es sofort einen Aufschrei der Entrüstung gegeben, berichtet Baumgarten. Einige Reisebüros hätten sich empört darüber gezeigt, „warum wir sie anrufen würden und ob wir ihre Mitgliedschaft verhindern wollten“.
„Das wollten wir natürlich nicht“, beteuert Baumgarten. Man könne als ASR aber „erwarten, dass ein neues Mitglied zu dem Verband steht und im Rahmen seiner Mitgliedschaft auch ein bisschen aktiv mitarbeitet. Aus unserer Sicht gehört das dazu, wenn man in einen Verband eintritt.“
Nach den Neuzugängen der vergangenen Wochen kommt der ASR derzeit auf rund 500 Mitglieder. Davon sind 135 Reisebüros, 134 Reiseveranstalter sowie 150 assoziierte Mitglieder, darunter auch Alltours. Von diesen Mitgliedern waren knapp 300 wahlberechtigt.
Ob und wie viele Reisebüros nach der Linnhoff-Schlappe ihren Austritt einreichen werden, wird sich zeigen.


