
Die Politik lässt den touristischen Mittelstand im Stich, Veranstalter sind seit Wochen telefonisch nicht mehr erreichbar, Provisionen müssen zurückgezahlt werden – und ein Neustart der Branche ist vorerst nicht in Sicht: Für Reisebüros ist die aktuelle Lage zum Verzweifeln.
Neben Verbänden wie dem DRV, dem ASR und dem VUSR sowie zahlreichen Ketten und Kooperationen ist auch der Verein Dresdner Reisebüros auf allen möglichen Ebenen aktiv und kämpft um Unterstützung und das Verständnis der Politik.
Im Folgenden veröffentlichen wir den Offenen Brief, den der Verein mit derzeit 40 Reisebüros mit über 60 Filialen sowie 14 Fördermitgliedern an Mitglieder des Bundestages, an führende sächsische Politiker sowie den Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert geschickt hat.
Offener Brief des Vereins
„Durch die Corona-Krise wird der gesamten Tourismusbranche die Geschäftsgrundlage entzogen. In den kommenden Wochen droht der komplette Zusammenbruch vieler Unternehmen und ganzer touristischer Wertschöpfungsketten.
Uns ist bewusst, dass nicht nur für uns in der Touristik, sondern auch für tausende andere Unternehmen mit den verhängten behördlichen Maßnahmen zur Schließung der Geschäfte von einem Tag auf den anderen sämtliche Einnahmen weggebrochen sind.
Mit unsensiblen Aussagen und zugleich fehlenden handfesten Alternativen wird aber deutlich, wie sehr verantwortlichen Politikern immer noch ein klares Bewusstsein für die dramatischen Folgen der Corona-Pandemie auf die Reisebranche fehlt. Die Reisebranche sind weit mehr als Hotels und Gaststätten. Dazu gehören auch Busunternehmen, Reisebüros, Reiseveranstalter, Reiseleiter, Fahrgastleiter, Incoming-Agenturen und viele mehr.
Kritik an spekulativen Warnungen
Unsere führenden Politiker wie Ursula von der Leyen (EU) oder Markus Söder (Bayerns Ministerpräsident) verbreiten in sämtlichen Medien, dass es keine Reisen und Sommerurlaube in den beliebten Reisezielen der Deutschen geben kann. Es ist richtig, dass niemand verlässliche Vorhersagen über den weiteren Verlauf der Infektionen machen kann. In dieser Situation sind jedoch keine spekulativen Warnungen erforderlich, sondern handfeste politische Lösungen und vor allem ein Aufruf zur Solidarität mit tausenden von notleidenden mittelständischen Betrieben und deren Mitarbeitern.
Viele Bereiche und Unternehmen der Reisebranche, speziell auch die stationären Reisebüros sind seit Wochen in einer unabsehbaren und unverschuldeten Zwangslage: Wir mussten behördlich angeordnet schließen. Aufgrund der zahlreichen Reisewarnungen und Einschränkungen, sind wir im Gegensatz zu anderen Branchen bereits seit rund zwei Monaten von den verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Wir können nicht, im Gegensatz zum Einzelhandel oder der Gastronomie, nach acht Wochen wieder öffnen und Umsätze generieren, solange die Reisewarnungen nicht aufgehoben werden.
Verbraucher werden kostenlos beraten
Darüber hinaus sind wir gezwungen, die verunsicherten Verbraucher völlig kostenlos zu unterstützen, damit sie ihre Rückzahlungen für Reisen erhalten, die aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten.
Ist Ihnen bewusst, dass Reisebüros zusätzlich sämtliche Einnahmen der vergangenen Monate vollständig an Verbraucher und Reiseveranstalter zurückzahlen müssen? Von den in 2019 und bis Mitte März 2020 eingenommenen Kundenzahlungen und Provisionen haben wir Mieten, Gehälter, Steuern und Abgaben bereits bezahlt.
Wir sind über die ersten Hilfen des Bundes in Form von rückzahlungsfreien Zuschüssen dankbar. Diese bereits beschlossenen staatlichen Hilfen für 3 Monate reichen in der Touristik aber bei weitem nicht aus, um die Krise zu überstehen, da wir auf viele weitere Monate hinaus keine Umsätze generieren können (Ländergrenzen sind zu, Hotels in Deutschland ebenfalls).
Wir fordern Sie auf, sich mehr mit der dramatischen Situation der Reisewirtschaft auseinanderzusetzen und die besondere Situation der Tourismuswirtschaft anzuerkennen.
Wir als gesunde Unternehmen sind völlig unverschuldet in diese Krise geraten. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier versprach, konkrete Vorschläge vorzulegen. Diese MÜSSEN branchenspezifisch sein. 14.000 Reisebüros in Deutschland und mehr als 2,9 Millionen Arbeitsplätze in der gesamten Tourismusbranche sind es wert, gerettet zu werden. Wir brauchen eine branchenspezifische Lösung.
Wir haben keine unternehmerischen Fehler gemacht!
Forderungskatalog mit fünf Punkten
Wir fordern daher
– bedingungsloses Unternehmereinkommen in Höhe von 1000 Euro für 12 Monate, wenn coronabedingt substantielle Umsatzeinbrüche von mindestes 50% nachweisbar sind
– Tourismusfond für gesunde touristische Unternehmen
– gemeinsame Veranlagung des Steuerjahres 2019 und 2020
– höhere und weitere rückzahlungsfreie Zuschüsse
– Kurzarbeitergeld für die noch Angestellten in Höhe von 80% des Nettolohnes
Den verunsicherten Reisekunden stehen WIR seit 6 Wochen völlig kostenfrei zur aktuellen Situation zur Seite, nicht die großen Veranstalter wie TUI. Diese haben aber bereits 1,8 Milliarden Staatshilfen erhalten, NICHTS davon kommt bei uns im Reisebüro an!
Ihre komplette telefonische Erreichbarkeit wurde seit mehr als 5 Wochen eingestellt.
Die Veranstalter geben diesen Staatskredit in Form von Treueboni an die Kunden. Die Reisebüros werden nicht beteiligt. Wieso gibt es hier keine gesetzliche Regelung als Bedingung für diesen Kredit? Beispielsweise Entlohnung der Reisebüros statt eines Treuebonus an die Kunden.
Verbraucher und Reisebüros dürfen zudem nicht zu zinsfreien Nothilfebanken der Reiseveranstalter und Airlines gemacht werden. Kunden können aktuell keine Reisen kostenlos stornieren, die nach dem 03.05.2020 stattfinden werden und haben dafür keinerlei Verständnis. Die Bundesregierung will eine gesetzlich nicht abgesicherte Gutscheinlösung einführen. Die Verbraucher, die sich ihren Urlaub teilweise zusammensparen mussten, sollen nun den millionen- und milliardenschweren Konzernen kostenlose nicht abgesicherte Kredite geben. Das kann keine Lösung sein!
Forderung nach Solidargemeinschaft
Aus unserer Sicht MUSS die Corona-Krise zu einer Solidargemeinschaft führen, denn nur durch eine faire Aufteilung der wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Epidemie können die mit der Corona-Krise verbundenen Folgen gestemmt und eine mittelfristige Fortsetzung der mittelständigen und Kleinbetriebe erreicht werden.
Wir leisten seit Wochen schon unseren Beitrag, indem wir jedem Kunden individuell helfen und beraten.
Sie haben Banken gerettet, die an ihrer Krise selbst schuld waren und zu hoch gepokert haben! Sie retten die Autoindustrie. Sie haben viele andere große Firmen in Krisen gerettet!
Wir haben immer pünktlich unsere Steuern gezahlt und so zum Wachstum von Sachsen beigetragen.
JETZT BRAUCHEN WIR IHRE HILFE!
Retten Sie JETZT die Reisebranche!“




