Die Themen bei seiner ersten Jahrestagung als DRV-Präsident könnten für Albin Loidl kaum größer sein: Krieg im Nahen Osten, massive Einschränkungen des internationalen Reiseverkehrs und wirtschaftliche Unsicherheit stellen die Branche vor erhebliche Herausforderungen. Dennoch bleibe die Reiselust der Deutschen bestehen, sagte er in seiner Auftaktrede vor rund 350 Teilnehmenden in Ponta Delgada.
„Globale Mobilität ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist verletzlich“, konstatierte Loidl mit Blick auf die aktuelle Lage in der Golfregion. „Solche Krisen wirken erfahrungsgemäß kurzfristig dämpfend auf das Reiseverhalten. Wir sehen aber keinen strukturellen Nachfragerückgang“, so der DRV-Präsident.

Loidl: „Die Nachfrage materialisiert sich später“
Die Nachfrage nach Reisen sei weiterhin da, allerdings bei verändertem Buchungsverhalten. „Die Nachfrage materialisiert sich später“, prognostizierte Loidl. Sofern sich die geopolitische Lage nach der vereinbarten Waffenruhe weiter entspanne, sei im weiteren Verlauf „eher mit einer Stabilisierung und mit Nachholeffekten bei Buchungen zu rechnen als mit einer nachhaltigen Abschwächung der Reisetätigkeit“, sagte er. Aktuell sieht es eher düster aus. Laut einer kürzlich veröffentlichten Bilanz des Reisebüro-Dienstleisters Ziel lagen die touristischen Buchungseingänge zwischen Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar und dem 31. März bei elf Prozent.
Sicherheitsbedürfnis stärkt organisierte Reise
Steigende Energiepreise, Inflationsdruck und wirtschaftliche Unsicherheiten verändern das Konsumverhalten, erklärt der Deutsche Reiseverband. Und dies führe zu bewussteren Entscheidungen – auch beim Reisen. „Die Reisenden suchen Sicherheit für ihr Geld, Verlässlichkeit bei der Planung und Unterstützung im Fall von Unvorhersehbarem“, so Albin Loidl. „Damit wächst die Bedeutung organisierter Reiseangebote. Pauschalreisen und persönliche Beratung gewinnen zunehmend an Relevanz.“
Für Reisebüros ergebe sich daraus eine „klare Perspektive“, der Verbandspräsident: „Aber die Zukunft der Reisebüros liegt nicht im Wettbewerb über den Preis, sondern in ihrer Kompetenz.“ Die individuelle, komplexe Reise bleibe das Feld, in dem professionelle Beratung einen echten Mehrwert biete. Trotz der aktuellen Herausforderungen sieht der DRV die Branche „resilient und gut aufgestellt“.
Die DRV-Jahrestagung auf den Azoren läuft noch bis Sonntag.


