Die Reiselust der Deutschen bleibt trotz steigender Kosten auch im neuen Jahr ungebrochen. Der Deutsche Reiseverband (DRV) blickt zuversichtlich auf das neue Reisejahr und prognostiziert für Winter- wie Sommersaison steigende Umsätze. Insgesamt sollen die Ausgaben für Urlaubs- und Freizeitreisen mit mindestens einer Übernachtung auf rund 86 Milliarden Euro anwachsen – ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Wachstumstreiber bleiben Kreuzfahrten, Fernreisen sowie klassische Badeziele im östlichen Mittelmeer. Etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes entfällt weiterhin auf Pauschal- und Bausteinreisen, die in der DRV-Marktanalyse ebenso berücksichtigt werden wie individuell organisierte Urlaub.
Wermutstropfen: Anzahl der Reisenden weiter unter Vorkrisenniveau
Trotz der positiven Umsatzentwicklung gibt es einen Wermutstropfen: Auch in diesem Jahr bleibt die große Lücke zwischen Umsatz und Urlaubern bestehen. Laut DRV-Prognose liegen die Gästezahlen leicht unter dem Vorkrisenniveau. Für 2026 rechnet der Verband mit rund 138 Millionen Reisenden, knapp unter dem Vorjahreswert. Geopolitische Unsicherheiten, wirtschaftliche Sorgen und steigende Preise beeinflussen weiterhin die Reiseentscheidungen. „Hier sind Politik, Reiseländer und Veranstalter gefordert, dass das Reisen auch in Zukunft bezahlbar ist“, appelliert DRV-Präsident Albin Loidl an die Leistungsträger.
Für die laufende Wintersaison erwartet der DRV einen Umsatzanstieg um zwei Prozent auf 28 Milliarden Euro. Besonders stark entwickeln sich Kreuzfahrten (plus sechs Prozent Umsatz, plus drei Prozent Passagiere) sowie Fern- und östliche Mittelstreckenziele. Insgesamt dürfte die Zahl der Reisenden im Winter jedoch um zwei Prozent gegenüber dem Winter 2025 auf etwas mehr als 44 Millionen zurückgehen, vor allem bei auto-, bahn- und busgebundenen Reisen.
Starkes Frühbuchergeschäft
Für die Hauptsaison prognostiziert der DRV drei Prozent mehr Umsatz auf rund 58 Milliarden Euro. Die Zahl der Reisenden zwischen Mai und Oktober soll mit etwa 93 Millionen stabil bleiben. Zuwächse werden bei Flugpauschalreisen zu Mittelstreckenzielen und bei Kreuzfahrten erwartet, während Nahziele im Inland und angrenzendem Ausland mit einer sinkenden Nachfrage rechnen müssen. Dies seien erste Tendenzen, teilt der DRV mit. Für aussagekräftige Trends sei es aktuell noch zu früh.
Als positiv bewertet der DRV das Frühbuchergeschäft, das zur Planungssicherheit der Branche beiträgt. Wie der Verband mitteilt, zeige eine Momentaufnahme kurz vor Ende des vergangenen Jahres, dass Reisende ihren Urlaub nochmals früher als in den vergangenen Jahren für die kommenden Monate und vor allem für den Sommer buchten. Die höchsten Zuwachsraten verzeichneten die östlichen Mittelmeer-Länder mit einem Umsatzplus von 22 Prozent. Sommerreiseziel Nummer eins bei den Frühbuchern bleibe die Türkei. Auch Ägypten, Italien, das spanische Festland und Tunesien seien nach den Auswertungen von Travel Data + Analytics (TDA) bei den Frühbuchern besonders stark nachgefragt.
Zweimal im Jahr präsentiert der DRV eine Reiseprognose. Diese wird in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Dr. Fried & Partner und Unterstützung der Marktanalysten von Travel Data + Analytics (TDA) erstellt. Die quantitative Marktprognose fußt laut DRV auf einem konsistenten, mathematischen Verfahren, das historische und aktuelle Buchungsdaten zum Veranstalter- und Individualreisemarkt heranzieht sowie wirtschaftliche Einflussfaktoren berücksichtigt. Die Prognoseergebnisse werden anschließend auf Basis der Einschätzung ausgewiesener Branchenexperten nachjustiert.




