Mein Urlaubsglück: KI im Fokus, Cashback in der Kritik

Das Thema Künstliche Intelligenz prägt derzeit die Touristikbranche wie kaum ein anderes – und steht auch im Mittelpunkt der aktuellen Jahrestagung der mobilen Reiseberater von „Mein Urlaubsglück“ im Club Marvy an der türkischen Ägäis.

Teamleiterinnen von Mein Urlaubsglück stehen auf der Bühne bei der Jahrestagung im Club Marvy.
Die Teamleiterinnen von Mein Urlaubsglück präsentieren sich auf der Jahrestagung auf der Bühne. Foto: cp

Zum Auftakt der Veranstaltung mit rund 180 Reiseprofis und 50 Partnern findet Rita-AG-Vorstand Kurt Koch klare Worte zur Rolle mobiler Reiseberater im KI-Zeitalter: „Unabhängige Reiseberater werden zu den Gewinnern gehören. Weil wir uns weiterentwickeln.“ Entscheidend sei, digitale Möglichkeiten konsequent in die eigene Arbeit zu integrieren.

Das die Reiseprofis von Mein Urlaubsglück bereits durchaus technikaffin sind, zeigte eine interaktive Umfrage während seiner Keynote: Lediglich vier Prozent der Teilnehmenden gaben an, Künstliche Intelligenz bislang nicht zu nutzen. 96 Prozent setzen KI-Tools zumindest teilweise bereits im Arbeitsalltag ein.

KI als Werkzeug und Wissensbasis

Rita-AG-Vorstand Kurt Koch spricht auf der Jahrestagung von Mein Urlaubsglück über die Rolle unabhängiger Reiseberater im Wandel durch KI. Foto: cp

Wie sich technologische Entwicklung und fachliche Expertise verbinden lassen, demonstriert auch ein neues Projekt des Unternehmens. Der interne Chatbot „Edi“, bisher vor allem für Intranet-Fragen genutzt, soll künftig mit dem Wissen der „Mein Urlaubsglück“-Experten erweitert werden. Ziel ist es, nicht auf externe Internetquellen zurückzugreifen, sondern internes Fachwissen direkt verfügbar zu machen. In einer ersten Demonstration lieferte der Chatbot auf Anfrage Empfehlungen für Hochzeitsreisen in Griechenland – inklusive Verweis auf die jeweilige Expertin, die den Tipp gegeben hat, um direkte Rückfragen zu ermöglichen.

Parallel dazu baut das Unternehmen auch sein Weiterbildungsangebot gezielt aus. Im Fokus stehen Produkt- und Destinationsschulungen direkt mit Veranstaltern und Hotels, Business-Coachings sowie der Ausbau der eigenen Lernplattform „Mimo“, die flexibles Lernen im eigenen Tempo ermöglichen soll. Ziel sei es, die Kompetenzen der Reiseberater kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Dass der momentane Kurs nicht nur strategisch, sondern auch wirtschaftlich trägt, zeigt ein Blick auf die aktuellen Zahlen: Trotz geopolitischer Unsicherheiten liegt die Rita AG weiterhin im zweistelligen Plus – auch vor dem Hintergrund der Nahost-Krise. Konkrete Zahlen wurden auf der Tagung nicht genannt. Bereits zuvor hatte das Unternehmen über ein deutliches Umsatzwachstum berichtet.

Debatten um Booking und Cashback

Auch kontroverse Themen wurden diskutiert. Cashback-Modelle im Reisevertrieb gehörten ebenso dazu wie ein viel beachteter Videoclip von Booking.com, der im Reisevertrieb kürzlich in aller Munde war. Rita-AG-Geschäftsführerin Stephanie Bayer zeigte den Clip auf der Tagung und äußerte sich sichtlich enttäuscht gegenüber dem Online-Giganten – auch mit Blick darauf, dass einige Berater mit Booking zusammenarbeiten.

Stephanie Bayer spricht auf der Bühne vor Publikum bei der Jahrestagung von Mein Urlaubsglück.
Mein-Urlaubsglück-Geschäftsführerin Stephanie Bayer thematisiert auf der Jahrestagung von Mein Urlaubsglück unter anderem die Rolle des Reisevertriebs im Spannungsfeld von KI und Cashback. Foto: cp

Daran anknüpfend schlug Bayer den Bogen zum Thema Cashback und rief die Teilnehmenden dazu auf, auch dort den eigenen Wert stärker zu betonen: „Seid selbstbewusst mit eurem Wissen und euren Kompetenzen! Ihr seid richtig nah am Kunden, ihr wisst, was sie brauchen. Das ist deutlich mehr wert als Rabatte.“

Um Reiseprofis im Umgang mit Cashback und der dazugehörigen Erwartungshaltung von Kunden zu stärken, startet im Juni eine Testphase für eine Schulungsreihe mit Vertriebsprofi Ricco Groß. Diese soll Argumentationsstrategien vermitteln und im Herbst unternehmensweit ausgerollt werden.

Kritische Töne richtete Bayer auch an Reiseveranstalter, von denen sie sich „etwas mehr Support“ wünscht. Positiv hob sie Aida hervor, das weiterhin keine Cashback-Modelle anbietet.

Parallel dazu hat die Rita AG ein steuerliches Gutachten in Auftrag gegeben. Koch äußerte Zweifel daran, ob Cashback-Modelle steuerlich korrekt behandelt werden: Es sei „durchaus fragwürdig“, ob entsprechende Rabatte absetzbar seien. Er sieht darin einen möglichen geldwerten Vorteil und fordert eine genauere Prüfung durch Finanzbehörden und Politik.

Neben den inhaltlichen Schwerpunkten bietet die Tagung ein umfangreiches Rahmenprogramm: In interaktiven Vorträgen mit den Partnern geht es in den direkten Austausch, während eine große Reisemesse Raum für Gespräche und neue Impulse schafft.