2018 zog Reiseverkäufer Matthias Mangiapane ins RTL-Dschungelcamp. In diesem Jahr stellte sich sein Mann Hubert Fella der Herausforderung. Wie das ausging, welche Pläne die beiden haben und wie sie auf die Touristik blicken.
Um kurz nach acht Uhr morgens klingelt das Telefon. „Können wir das Interview jetzt machen? Später habe ich noch Termine.“ Hubert Fella klingt wach, gut gelaunt – und ziemlich beschäftigt. Seit seiner Teilnahme an „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ ist der frühere Reisebüro-Inhaber aus Hammelburg ein gefragter Mann. Interviews bei RTL, Drehs und Event-Auftritte füllen seinen Kalender.
„Sehr gerne mache ich mit euch ein Interview. Habe ja 27 Jahre lang ein eigenes Reisebüro gehabt“, hatte er zuvor per Mail geschrieben. Einen Termin zu finden, war dennoch nicht einfach: Die Zeit im australischen Dschungel, gedreht wurde nahe Murwillumbah im Nordosten von New South Wales, hat den Bekanntheitsgrad des ehemaligen Reisebüro-Inhabers aus Hammelburg enorm gesteigert. Bereits kurz nach seiner Rückkehr aus Australien gab er in der Stadthalle Schweinfurt eine Autogrammstunde. „Die Halle war voll. Ich habe mindestens 500 Autogramme gegeben.“
Auch seine Reichweite in den sozialen Medien schoss in die Höhe. Mehr als 50.000 neue Follower gewann er nach eigenen Angaben auf Instagram. Unter den unzähligen Nachrichten sei nur eine negative gewesen. Er sei ein Langweiler, habe ein User geschrieben. „Aber sonst habe ich nur schöne Kommentare erhalten. Das ist so rührend“, sagt er. Dankbarkeit schwingt in seiner Stimme mit. Die Teilnahme am Dschungelcamp sei ein lang gehegter Traum gewesen. Zweimal habe es zuvor nicht geklappt, beim dritten Mal sei er endlich dabei gewesen.




Berührungspunkte mit dem Format hatte Hubert Fella bereits durch seinen Mann Matthias Mangiapane. 2018 zog dieser ins Camp ein. Einen Vorteil habe ihm das jedoch nicht verschafft. „Auf den Dschungel kannst Du Dich nicht vorbereiten, weder auf die Prüfungen noch auf das Camp selbst mit all den Tieren, den Geräuschen und den Entbehrungen.“ Was vom heimischen Sofa aus harmlos wirke, fühle sich vor Ort völlig anders an. „Der Schlafmangel und das wenige Essen – das war der absolute Horror.“
Besonders die Prüfungen verlangten ihm einiges ab. „Am schlimmsten war es, als ich durch einen engen, dunklen Gang mit Tieren kriechen und Sterne suchen musste.“ Auch die
Finalprüfung sei „sehr eklig“ gewesen. Was er alles essen musste, wisse er zum Glück gar nicht mehr so genau.
Wer das Prinzip des Formats nicht kennt: Um Essen zu erhalten, müssen die Teilnehmer in Prüfungen um Sterne spielen. Gelingt das nicht, gibt es lediglich Reis und Bohnen. Weil Influencerin Ariel mehrfach keine Sterne holte, mussten die Camper zeitweise hungern. „In den ersten Tagen hatte jeder insgesamt 17 Gramm Reis pro Mahlzeit. Und ein paar Bohnen, die ich eigentlich nicht mag.“ Als er dennoch welche aß, brach ihm ein Backenzahn heraus. Eine Szene, die RTL im Gegensatz zu Gil Ofarims Unfall nicht ausstrahlte.
Mit Jean-Paul Gaultier auf der Yacht
Dass ihm weniger Sendezeit eingeräumt wurde als etwa dem umstrittenen Sänger, der vor ein paar Jahren für einen Skandal in einem Leipziger Hotel gesorgt und eine ganze Nation gegen sich aufgebracht hatte, weiß Hubert Fella – obwohl er gerade erst angefangen hat, die Sendungen zu schauen. „Man kann nur zwei Stunden von 24 zeigen. Krawall zieht immer“, sagt er gelassen. Im Übrigen habe er Gil den Sieg gegönnt. „Er hat so viel Dreck gefressen. Irgendwann muss man auch vergeben.“ Er freue sich über seinen dritten Platz. „Das ist großartig.“
Konflikten ging der 59-Jährige im Camp meist aus dem Weg. Lieber suchte er das Gespräch. „Irgendwer saß immer bei mir auf der roten Couch“, sagt er und lacht. Besonders die Gespräche am Lagerfeuer habe er geschätzt. Dort erzählte er auch aus seinem früheren Berufsleben. Er sei bei Riu, Aida, Mein Schiff und Robinson unter den Top-Verkäufern gewesen und habe auf Reisen zahlreiche Prominente getroffen. Einmal habe ihn sogar Jean-Paul Gaultier auf seine Yacht eingeladen.
Ein Kompliment von Angela Merkel
Auch eine Begegnung mit Angela Merkel blieb ihm in Erinnerung. Bei einem Event in Bad Kissingen habe die ehemalige Bundeskanzlerin ihm und seinem Mann dafür gedankt, dass sie ihr mit der Sendung „Hot oder Schrott“ den Sonntagabend „versüßen“ würden.
Dass Kameras und Fans sein Leben begleiten, ist für ihn nichts Neues: Durch das Vox-Format sind Hubert Fella und sein Mann vor zehn Jahren bundesweit bekannt geworden. Doch im TV-Orbit bewegten sie sich bereits zuvor. Im eisigen Winter 2010 drehten sie ein Bewerbungsvideo für die RTL-Sendung „Mein Garten“. Der Frost hatte ihren Garten zerstört, sie hofften auf Unterstützung. Zwar wurde das Format noch vor Drehstart abgesetzt – doch ihr Video überzeugte die Produzenten von „Ab ins Beet“. In mehreren Folgen begleiteten Kameras die beiden Franken, wie sie ihren Garten neugestalteten und sogar einen Pool anlegten.
Das war der Startschuss für eine erfolgreiche TV-Karriere, die auch das Ende von Hubert Fellas Reisebüro einläutete. „Für mich stand immer fest, dass ich mit 50 aufhören möchte, zu arbeiten.“ Viel Geld brauche er nicht. Sowohl er als auch Matthias lebten sehr bodenständig.
Cashback im Reiseverkauf? Ein No-Go
Tatsächlich verkaufte er sein Reisebüro, wenige Tage, bevor er mit seinem Mann nach Australien zum Dreh fürs Dschungelcamp reiste. Bereut habe er diesen Schritt nie, sagt er. Zum einen führe Matthias die Reiseagentur unter dem Dach von Schmetterling weiter. Zum anderen wisse er um die Herausforderungen, mit der die Branche zu kämpfen habe.
Während er erzählt, hört man auf einmal seinen Mann im Hintergrund. „Matthias, willst Du mal was zur Reiseagentur erzählen?“, fragt Fella und schon hat er das Telefon weitergegeben.
Reiseverkauf als lukratives Nebengeschäft
Er arbeite hauptsächlich auf Termin, erklärt Matthias Mangiapane sodann und habe viele Stammkunden. Angesprochen auf das Thema Rückvergütung, wird er energisch. „Diese Anfragen gab es auch, als wir noch unser stationäres Reisebüro hatten“, sagt er. „Die haben wir damals schon abgelehnt. Wer Discountpreise haben will, soll woanders buchen. Unseren Service gibt es nicht zum Rabattpreis.“ Zudem sei er auf den Verkauf von Reisen nicht mehr angewiesen. Dieser sei nur noch „ein lukratives Zubrot“ und eine Ergänzung zu anderen Projekten.
Während Matthias Mangiapane weiterhin in Reality-TV- Formaten zu sehen sein wird, für seine Show „Reality-Quiz“ durch Deutschland tourt und seinen ersten Job als Synchronsprecher hat, will sich Hubert Fella auf seine Schlagerkarriere konzentrieren. Diese könnte ihn zum Ballermann führen, konkrete Pläne dazu gebe es bereits. „Und wer weiß, vielleicht legen wir dann sogar Fan-Reisen auf“, sagt er und schmunzelt.


