Reisebüros: Bereitschaft für Service-Pauschale steigt

Immer mehr Reisebüros wollen ein Entgelt für zusätzliche Service-Leistungen einführen
Immer mehr Reisebüros wollen ein Entgelt für zusätzliche Service-Leistungen einführen. Foto: filadendron/iStockphoto

Die Corona-Krise und ihre dramatischen Folgen für die gesamte Reisebranche haben die Bereitschaft vieler Reisebüro-Inhaber verstärkt, eine Service-Pauschale einzuführen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer eines Webinars zum Thema am Donnerstag, hatte angegeben, künftig eine Pauschale erheben zu wollen. An der Umfrage hatten sich knapp 60 Reiseexperten beteiligt, das Webinar leitete Wibke Rissling-Erdbrügge vom Trainingsinstitut WRE Trainings.

Die Expertin ging auf die kritischsten Fragen zur Einführung einer Service-Pauschale ein. Die Corona-Krise biete einen guten Zeitpunkt, um eine Pauschale zu erheben. „Derzeit ist nichts normal, alles ist anders – Öffnungszeiten, Reisewarnungen. Da kann man dem Kunden gut erklären, weshalb man diesen Schritt geht“, sagte sie. Zudem hätten Reiseverkäufer jetzt die Zeit, sich vorzubereiten.

Sie riet Reisebüro-Inhabern, skeptische Kollegen an die Hand zu nehmen. „Weichen Sie nicht von Ihrem Vorhaben ab, begleiten Sie die Kollegen, führen Sie Kundengespräche gemeinsam.“

Deutlich machte Wissling-Erdbrügge zudem, dass ein solcher Schritt Selbstbewusstsein erfordere. Reisebüros sollten die Konkurrenz im Internet, die keine Pauschale erhebe, nicht fürchten. „Ihr seid nicht das Internet, Ihr seid ganz anders, Ihr bietet nicht nur durch eure Präsenz einen Mehrwert“, sagte sie. Die Kunden kämen wegen Beratung und Service ins Reisebüro. „Daher sind sie auch bereit, dafür zu zahlen.“

Doch wie sollen Agenturen kommunizieren, dass sie künftig eine Service-Pauschale erheben? „Ohne großes Aufsehen“, riet die Expertin. Je länger die Mail, das Gespräch sei, desto mehr werde dem Kunden suggeriert, dass der Schritt problematisch sei.

Auch wenn nicht alle Kunden mit einer solchen Pauschale einverstanden sein werden, so werde die Mehrheit bereit sein, für Service zu zahlen, zeigte sich Wissling-Erdbrügge überzeugt. „Ein bisschen Schwund ist immer“, sagte sie. Doch lohne sich dieser Schritt. Im Schnitt könnten Reisebüros durch eine solche Pauschale zehn Prozent mehr Ertrag generieren.

Und noch einen weiteren Tipp gab die Trainerin den Reiseverkäufern mit auf den Weg: „Führen Sie erst einmal die Service-Pauschale ein und üben Sie. Erst danach sollten Sie sich an die Beratungsgebühr wagen.“

Mehr Infos zum Thema gibt es hier.

Ein Interview mit einer Reiseverkäuferin, die ein Service-Entgelt erhebt, finden Sie hier

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