
Die Chefin des Reisebüro-Verbandes VUSR, Marija Linnhoff, hat mit Blick auf die jüngsten Cashback-Diskussionen ihre Forderung nach einem strategischen Ansatz statt emotionaler Aufrufe bekräftigt. Zu letzteren gehört auch die Online-Petition des Hamburger Reisebüros-Inhabers Alain Freeman, die inzwischen auf mehr als 5.000 Unterschriften kommt.
Verbandstagung auf Teneriffa
Die Petition, aber auch Reportagen bei RTL und beim NDR, hätten zwar für Aufmerksamkeit gesorgt, würden aber nicht das strukturelle Problem der Branche lösen, so Linnhoff am Rande der aktuellen Tagung des Verbandes im Hotel Botanico auf Teneriffa. Die eigentliche Herausforderung für Reisebüros sei die massive Transformation der Branche: Der Wettbewerb entstehe längst nicht mehr nur durch Cashback-Modelle oder einzelne Plattformen. Vielmehr verschiebe sich die Kräfteverhältnisse grundsätzlich – „hin zu integrierten Anbietern mit direktem Kundenzugang“. Das hatte Linnhoff bereits vor zwei Wochen in einem Kommentar auf der Facebook-Seite von touristik aktuell geschrieben.
Nicht nur Portale als Konkurrenz
Der strukturelle Wandel bedeutet aus Sicht von Linnhoff „auch eine unbequeme Wahrheit: Unsere Wettbewerber sind heute nicht mehr nur andere Reisebüros oder Portale – sondern zunehmend auch die Veranstalter selbst, für die wir gleichzeitig als Vertriebspartner agieren“.
Die Konsequenz daraus sei „unbequem, aber notwendig“: Reisebüros müssten ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Und das bedeutet aus Sicht von Linnhoff:
– klare Positionierung statt Austauschbarkeit
– unternehmerisches Denken statt Abhängigkeit
– aktive Marktgestaltung statt reaktives Klagen
– Kooperation auf Augenhöhe statt Hoffnung auf Rettung von außen
Reisebüros, die sich heute „ausschließlich auf bestehende Strukturen, Modelle oder politische Forderungen“ verlassen, werden nach Einschätzung von Linnhoff bald Schwierigkeiten bekommen. Viele erfolgreiche Büros würden bereits zeigen, wie es geht: „Sie denken strategisch, agieren vernetzt und übernehmen Verantwortung für ihr Geschäftsmodell.“
„Nicht in die Opferrolle verfallen“
Die aktuelle Debatte zum Thema Cashback darf aus Sicht von Linnhoff nicht dazu führen, dass sich Reisebüros „in einer Opferrolle einrichten“. Sie müsse der Ausgangspunkt sein, um endlich die richtigen Fragen zu stellen – und vor allem: konkrete Antworten zu liefern.
Genau da will der Reisebüro-Inhaber Alain Freeman allerdings auch hin. Seine Petition könne nur der Anfang sein, ist sich der Reisebüro-Inhaber bewusst. Nun müsse man das Gespräch mit den Veranstaltern suchen. Hoffnung, dass Online-Portale oder die Reisesparten von Kreditinstituten und Kommunikationsanbietern von selbst das Thema Cashback beenden, hat er genauso wenig wie Marija Linnhoff. Denn juristisch sind Rückvergütungen erlaubt. Und bislang waren alle Klagen dagegen erfolgreich – ob sie nun von Dertour oder Aida Cruises kamen.
Klares Statement von TUI
Ähnlich wie viele Reisebüro-Inhaber fürchtet Linnhoff, dass die ganze Cashback-Thematik noch ein folgenschweres Ende nehmen wird: im teilweisen Ende des Handelsvertreterstatus. Zwar hat sie dazu jüngst TUI-Chef Sebastian Ebel ein klares Bekenntnis abgerungen. Mit Blick auf so manchen Kreuzfahrtanbieter ist sie sich da aber nicht ganz so sicher. Mit Spannung wird deshalb auch ein weiteres Urteil im Fall Aida erwartet.
Im Zuge der aktuellen Tagung in Puerto de la Cruz will Linnhoff zudem den „neuen“, breiter aufgestellten VUSR vorstellen. Für die Begrüßungsrede ist kein geringerer als Sebastian Ebel angekündigt. touristik aktuell ist als Medienpartner dabei und wird berichten.


